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Hochwasser auf dem Balkan: Eine Million Menschen in Bosnien von Flut betroffen

Der Balkan leidet unter den schlimmsten Überschwemmungen seit mehr als 120 Jahren. In Bosnien ist ein Drittel des Landes überflutet worden. Dort entspannt sich die Lage langsam, doch Belgrad erwartet einen neuen Höchststand der Save.

Belgrad - Seit Tagen kämpfen die Menschen auf dem Balkan gegen das verheerende Hochwasser. Dutzende Menschen in den betroffenen Gebieten in Serbien, Bosnien-Herzegowina und Kroatien starben. Es herrscht Seuchengefahr, treibende Landminen gefährden die Bevölkerung, viele Orte sind von den Fluten abgeschnitten.

Mehr als eine Million Menschen seien allein in Bosnien von der Jahrhundertflut betroffen, sagte Außenminister Zlatko Lagumdzija. Das ist mehr als ein Viertel der Landesbevölkerung. Sie seien von der Wasserversorgung abgeschnitten. Außerdem seien mehr als einhunderttausend Häuser und Gebäude zerstört worden. "Die Konsequenzen der Flut sind erschreckend", sagte Lagumdzija. Insgesamt war etwa ein Drittel Bosniens überflutet worden.

Am Montag entspannte sich die Lage dort langsam. Bei trockenem und sonnigem Wetter sanken die Pegel an vielen kleinen Flüssen. In der serbischen Hauptstadt Belgrad dagegen wappneten sich die Menschen für einen neuen Rekordpegelstand der Save. Tausende Einsatzkräfte und freiwillige Helfer verstärkten den Hochwasserschutz und stapelten Sandsäcke entlang des Flusses, der in Belgrad in die Donau mündet.

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Überschwemmungen auf dem Balkan: Kampf gegen das Hochwasser
Kampf gegen die Zeit

Auf einer Strecke von zwölf Kilometern, auf denen die Save durch Belgrad fließt, wurden insgesamt 300.000 Sandsäcke an besonders gefährdeten Abschnitten gestapelt. "Hier steigt der Pegel zwei Zentimeter pro Stunde", sagte Bürgermeister Sinisa Mali. "Die Lage ist derzeit noch unter Kontrolle."

Mit großer Sorge blickt das Land außerdem auf die überschwemmte Stadt Obrenovac, rund 30 km südwestlich von Belgrad. Dort steht das Kraftwerk Nikola Tesla, etwa die Hälfte des in Serbien produzierten Stroms wird hier produziert. Serbiens Energieminister Aleksandar Antic nannte den Schutz des Kraftwerks "entscheidend" für die Sicherheit der Energieversorgung im Land.

20.000 Menschen leben in Obrenovac, etwa ein Drittel wurde vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht. Regierungschef Aleksandar Vucic beschrieb die Überschwemmungen und Verwüstungen als apokalyptisch. Auch wenn der Pegel zuletzt sank, gehen die Evakuierungen weiter. Die Polizei riegelte die Stadt ab. "Ich habe alles zurückgelassen, die Kühe, die Schweine und die Hühner", sagte ein Betroffener. "Zum Glück sind meine Frau, meine Kinder und meine Enkel am Leben."

Angesichts der kritischen Lage auf dem Balkan hat die EU Hilfsmittel zugesagt. Auch Kanzlerin Merkel versprach den Betroffenen Unterstützung. Der serbische Tennisstar Novak Djokovic kündigte an, sein Honorar in Höhe von 700.000 Euro für den Sieg beim ATP-Turnier in Rom spenden zu wollen.

gam/Reuters/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Lächerlich
zoli8oy 19.05.2014
Erst in den letzten zwei tagen machen sich unsere medien auf über diese katastrophe zu berichten. Erst jetzt wird über technische hilfe nachgedacht obwohl so viel technisches gerät zur verfügung steht und mehr poliert wird als genutzt. Frei nach dem motto: wir berichten nicht darüber, also ist es nicht passiert. Ein hochhaus in nordkorea ist wichtiger oder schneefälle in den usa oder conchita wurst...
2. verwundert
lurchiderlurch 19.05.2014
bin ich auch über die mangelnde und sehr verspätete berichterstattung. das ausmass der schäden allein in bosnien übertrifft bei weitem beide vorangegangen flutkatastrophen in ostdeutschland. da die wirtschaftskraft bosniens nur einem bruchteil der deutschen volkswirtschaft entspricht, wird sich dieses land, welches noch immer unter den folgen des bürgerkrieges leidet, kaum in absehbarer zeit erholen. vielleicht erinnert sich die eu ja an ihr damaliges versagen und greift dem land jetzt unter die arme. aber das bleibt wohl wunschdenken...
3.
messwert 19.05.2014
Bei NATUR- Katastrophen, wie beispielweise hier, sind neben der EU separate Hilfeleistungen Deutschlands am RICHTIGEN Platz!
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