Deichbruch an der Elbe: Experten versenken drittes Schiff

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Mit ungewöhnlichen Mitteln kämpfen die Einsatzkräfte gegen den gebrochenen Deich bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt. Um die Lücke zu schließen, ist nun ein drittes Schiff gesprengt worden. Die Stelle wird weiter mit Sandsäcken abgedichtet.

Magdeburg/Fischbeck - Im Kampf gegen das Hochwasser an der Elbe wurden am Samstag bereits zwei alte Lastkähne gesprengt - mit den versenkten Schiffen sollte ein Loch in einem gebrochenen Deich bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt geschlossen werden. Mit der Versenkung wurde eine rund 90 Meter lange Lücke auf etwa 20 Meter reduziert. Doch das reichte nicht aus: Am Sonntag wurde ein weiteres Schiff gesprengt.

Von Hubschraubern würden nun Sandsäcke zur endgültigen Abdichtung des Lecks abgeworfen, teilte der Krisenstab der Landesregierung in Magdeburg mit. Außerdem werden Container und Betonteile versenkt. Es sei nur noch eine kleine Lücke in dem Deich, sagte ein Sprecherin des Krisenstabes.

Man habe eine Abdichtung zu rund 80 Prozent erreicht, hieß es am frühen Montagmorgen. Die überflutete Fläche sei innerhalb von 24 Stunden um fünf Quadratkilometer geschrumpft. 145 Quadratkilometer stehen im Elbe-Havel-Winkel aber noch immer unter Wasser. Hinter dem gebrochenen Deich waren in den vergangenen Tagen zahlreiche Dörfer evakuiert worden.

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Bollwerk gegen das Hochwasser: Drei Schiffe versenkt

Die Versenkung der Schiffe war eine ungewöhnliche Maßnahme, gibt auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zu. Er sagte nach der Sprengung: "Es war eine extrem schwierige und gewagte Aktion. Aber wir mussten handeln und das Menschenmögliche versuchen, um die Wassermassen aufzuhalten."

Die Lage in den Hochwassergebieten entspannte sich insgesamt leicht.

  • Bei Breitenhagen im sachsen-anhaltinischen Salzlandkreis wurde am Wochenende ein Loch in den Saale-Deich gesprengt. Nach einer ersten Sprengung am Samstag wurde ein weiterer Abschnitt am Sonntag gesprengt. Durch die laut Krisenstab etwa 60 Meter lange Öffnung soll nun Wasser aus zuvor gefluteten Gebieten zurück in den Fluss laufen.
  • Auch im Nordwesten Brandenburgs wurde die Lage nach Angaben des Innenministeriums etwas besser. Die Wasserstände der Elbe in der Prignitz seien in der Nacht zum Sonntag weiter zurückgegangen.
  • In Niedersachsen und Schleswig-Holstein sanken die Pegelstände ebenfalls weiter.

Streit um die Hochwasserhilfe

Nach der Grundsatzeinigung auf Hilfen für die Betroffenen des Hochwassers wird nun über die Details der Finanzierung gestritten.

Einige Länder wie Rheinland-Pfalz wollten dabei ihre eigenen Investitionen in Hochwasserschutz anrechnen, berichtete das Magazin "Focus". Eine Sprecherin der rheinland-pfälzischen Landesregierung sagte, die Finanzminister der Länder würden in den nächsten Tagen über die Verteilung sprechen. Sie verwies auf den Beschluss von Bund und Ländern, sich die Kosten zu teilen. Bundesregierung und Landesregierungen hatten sich am Donnerstag auf die Einrichtung eines nationalen Aufbaufonds in Höhe von etwa acht Milliarden Euro für die Hochwassergebiete geeinigt.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) schlug in der "Bild am Sonntag" eine Erhöhung des Solidaritätszuschlages vor, um die Hochwasser-Hilfen zu finanzieren. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte hingegen vor Steuererhöhungen zur Behebung der Flutschäden. Die Wirtschaft sei dazu zu fragil, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Stattdessen solle die Opposition dem Steuerabkommen mit der Schweiz zustimmen. Dies bringe acht Milliarden Euro - genug für die Beseitigung der Flutschäden.

SPD-Fraktionsvize Joachim Poß forderte Schäuble auf, "ein durchdachtes und realitätstaugliches Finanzierungskonzept für die milliardenschwere Fluthilfe vorzulegen". Stattdessen bringe der Finanzminister wieder "sein unsägliches Steuerabkommen" mit der Schweiz ins Spiel.

kgp/dpa

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insgesamt 72 Beiträge
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1.
welthungerkrise 16.06.2013
Zitat von sysopDeichbruch an der Elbe: Experten versenken drittes Schiff[/url]
experten... haha.
2. Wo ist nur der Cargolifter ...
totsuzen 16.06.2013
Zitat von sysopMit ungewöhnlichen Mitteln kämpfen die Einsatzkräfte gegen den gebrochenen Deich bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt. Um die Lücke zu schließen, ist nun ein drittes Schiff gesprengt worden. Die Stelle wird weiter mit Sandsäcke abgedichtet. Hochwasser bei Fischbeck: Drittes Schiff nach Deichbruch versenkt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-bei-fischbeck-drittes-schiff-nach-deichbruch-versenkt-a-906047.html)
...wenn man ihn braucht =) tssstsss
3. schlechter Deichbau ???
Hilfskraft 16.06.2013
bedeutet diese ultima ratio des Schiffeversenkens nicht, dass der bisherige Deichbau nicht als solcher zu bezeichnen ist? Schlicht, unzureichend und dilettantisch ausgeführt? Wurden viele Millionen des Landes und Bundes in Scheindämme/deiche bisher investiert? Sollen mit weiteren Millionen wieder neue Scheindämme errichtet werden, bis zum nächsten Mal? Vielleicht wäre es besser, nur noch Schiffe entlang der Elbe zu versenken, wenn nichts besseres einfällt.
4. Experten ???
Hilfskraft 16.06.2013
lächerlich!!! Experten hätte Dämme gebaut, die auch halten und keine langen Modderhaufen.
5.
hollehonich 16.06.2013
Genau, immer schön die Steuern erhöhen. Fragt sich eigentlich nur, was geschieht bei der nächsten Umwelt Katastrophe. Werden die Abgaben dann ebenfalls erhöht. Wenns dann nochmal knallt, gibts als Gehalt gar nichts mehr. Nur so zum begreifen, den Flutopfern muss geholfen werden, ohne wenn und aber! Nur nicht auf Kosten aller anderen. Erst wird vieles kaputt gespart und im Anschluss muss der Rest dafür aufkommen.
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