Hochwasser in Deutschland Bundeswehr schickt Soldaten nach Passau

Bayerns Ministerpräsident hält ein Hochwasser für möglich, "das bisher noch nie da gewesen ist". Tatsächlich spitzt sich die Lage im Osten und Süden Deutschlands weiter zu. In Passau sollen jetzt Bundeswehrtruppen beim Kampf gegen die Flut helfen.

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München - In den Hochwassergebieten im Osten und Süden Deutschlands hat sich die Lage in der Nacht zum Montag weiter verschärft. Vor allem Bayern und Sachsen sind von Überschwemmungen betroffen, in mehreren Regionen gilt weiter Katastrophenalarm. An vielen Schulen in Bayern soll der Unterricht ausfallen.

Im Freistaat ist die Lage an Donau und Inn besonders kritisch. An den südlichen Donauzuflüssen Paar, Ilm, Abens sowie Kleiner und Großer Vils verschärfte sich die Lage laut Hochwassernachrichtendienst. Mancherorts wurden neue historische Höchstwerte erreicht.

In Passau wurden am Vormittag Scheitelstände für den Inn um 9,50 Meter und an der Donau um zwölf Meter erwartet. "Für die Donau erwarten wir am Mittag den historischen Höchststand von 12,55 Meter", sagte ein Sprecher des Passauer Krisenstabes in der Nacht. Die historische Altstadt und Teile des Zentrums der Dreiflüssestadt sind bereits großflächig überspült. In einigen Häusern wurde aus Sicherheitsgründen der Strom abgestellt.

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Katastrophenalarm: Deutschland versinkt im Wasser
Am Montagmorgen werden in Passau rund 150 Bundeswehrsoldaten zur Unterstützung der Einsatzkräfte erwartet. Seit Beginn der angespannten Hochwasserlage am vergangenen Freitag waren nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) im gesamten Freistaat etwa 15.000 Helfer im Einsatz.

Auch in Nieder- und Oberbayern spitzte sich die Lage in der Nacht zu. In Kolbermoor bei Rosenheim brach ein Damm. Die Innenstadt von Rosenheim wurde für den Durchgangsverkehr gesperrt.

"Möglicherweise werden wir eine Entwicklung bekommen, die zu einem Hochwasser führen könnte, das bisher noch nie da gewesen ist", hatte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Sonntagabend gesagt. Die bayerische Staatsregierung setzte einen Krisenstab ein, um die Maßnahmen der Regierung vorzubereiten und zu koordinieren.

Sachsen fürchtet weitere Regenfälle

In Sachsen meldeten die Behörden Hochwasser für Elbe, Schwarze und Weiße Elster sowie für die Spree. In Chemnitz galt am Sonntag die Hochwasseralarmstufe 4, dort mussten zahlreiche Straßen gesperrt werden. Die Behörden warnten vor einer Verschärfung der Lage durch weitere Regenfälle. In Sachsen stieg auch die Mulde über die Ufer und überflutete Teile der Kleinstadt Grimma.

Ähnlich ist die Situation im Süden Sachsen-Anhalts. Entlang der Weißen Elster und der Saale gelte überall die Hochwasserwarnstufe 4, hieß es am Morgen aus der Landeshochwasserzentrale. Die Werte an den Pegeln steigen weiter. An der Weißen Elster in Zeitz wird für Montagmittag der Scheitel erwartet. Der Katastrophenschutzleiter des Burgenlandkreises, Lutz Blech, bezeichnete die Lage in Zeitz am Morgen als dramatisch. 700 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Einzelne Evakuierungen habe es auch an der Saale in Weißenfels gegeben.

In Magdeburg soll laut Hochwasserzentrale im Lauf des Tages das Pretziner Wehr geöffnet werden. Damit wird seit jeher versucht, die Landeshauptstadt und die Stadt Schönebeck vor Überflutungen zu schützen. In Halle wurde ein Pflegeheim evakuiert. Außerdem stünden in der Stadt 80.000 Sandsäcke bereit.

Auch in Baden-Württemberg blieb die Lage angespannt. Hochwasserschwerpunkte waren das Neckargebiet und das Allgäu. Am oberen Neckar gingen die Wasserstände seit Sonntag aber zurück.

In Bayern, Baden-Württemberg sowie in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt kam es zu Störungen im Zugverkehr. Nach Angaben der Deutschen Bahn waren sowohl der Fern- wie auch der Regionalverkehr betroffen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte den am stärksten betroffenen Bundesländern ihre Unterstützung zu. In den Hochwassergebieten im Süden und Osten kam den Bewohnern am Sonntag bereits die Bundeswehr zur Hilfe. So sind seit Sonntagabend im thüringischen Bad Köstritz 50 Soldaten bei der Deichsanierung im Einsatz; weitere 70 Soldaten helfen in Gera beim Sichern der Deiche. Außerdem werden in der Werratalkaserne in Bad Salzungen Unterkünfte bereitgestellt.

Tote in Tschechien

Auch andere Länder Europas kämpfen mit den Fluten. In Frankreich sorgten steigende Pegel für Besorgnis. Die Behörden warnten vor Überschwemmungen des elsässischen Rheinufers.

Die tschechische Regierung rief für weite Teile Böhmens den Notstand aus und mobilisierte rund tausend Soldaten. Landesweit wurden hunderte Menschen in Sicherheit gebracht. Besonders kritisch war die Lage in der Hauptstadt: Dort wurden mehrere U-Bahnstationen sowie die berühmte Karlsbrücke gesperrt, ein Krankenhaus sowie der Zoo wurden evakuiert.

In der tschechischen Stadt Trebenice bei Prag ertranken am Sonntag eine Frau und ein Mann in den reißenden Fluten. In Trutnov 150 Kilometer nordöstlich von Prag wurde laut Polizei die Leiche eines etwa 55-jährigen Mannes im Fluss Upa gefunden.

Auch in Österreich stiegen die Pegel der Donau weiter gefährlich an. Bei Kienstock in der Wachau wurden am Morgen 9,59 Meter gemessen. Für den frühen Abend lautete die Prognose 10,92 Meter, was dem Jahrhunderthochwasser vom August 2002 entsprechen würde.

Die Feuerwehr warnte Tausende von Anwohnern, dass trotz des Aufbaus von Schutzwänden in der Wachau ab Mittag Überflutungen nicht mehr ausgeschlossen werden könnten. Hunderte Menschen türmten weiter Sandsäcke auf. Prekär war die Lage unter anderem in Melk, wo die Altstadt teilweise von der Donau überflutet wurde. Bislang gab es in Österreich mindestens einen Toten durch die Überschwemmungen; zwei weitere von Wassermassen mitgerissene Menschen werden noch vermisst.

In anderen Teilen des Landes entspannte sich die Hochwassersituation hingegen. So hatten die Menschen in Vorarlberg Sonntagabend wohl das Schlimmste überstanden, wie die Behörden berichteten.

Auslöser für das Hochwasser in Deutschland und den Nachbarländern sind extreme Regenfälle in den vergangenen Tagen. Schuld ist ein Tiefdruckgebiet über Mitteleuropa, das ständig feucht-warme Luftmassen anzieht, die anschließend abregnen.

Die detaillierte Wettervorhersage finden Sie hier.

suc/AFP/dpa



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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
bronck 03.06.2013
1. Merkel gewinnt also die Wahl
Jetzt muss Frau Merkel nur noch in Gummistiefeln auf dem Deich stehen und markige Sprüche ablassen und sie wird 100%ig wiedergewählt. Das hat beim total korrupten Schröder dereinst auch geklappt.
trust2012 03.06.2013
2. Und..
.. es wird bis zum Jahr 2030 noch viel mehr Regen werden - das war schon vor Jahren abzusehen - aber keine wollte in seiner Amtzeit handeln und so rudert man hinterher, wenn eh schon alles unter Wasser steht, anstatt es vorher ins Trockene zu bringen. Warten wir die nächsten Jahre ab, ob die Menschen lernfähig sind!!
speichelonline 03.06.2013
3. Au Backe
Entweder der Artikel ist schlecht bzw. alt oder Horst Seehofer ist wenig schlau: "Bayerns Ministerpräsident hält ein Hochwasser für möglich, "das bisher noch nie dagewesen ist"." Ah ja... Es steht schon fest und lässt sich nachlesen, dass es einen neuen Höchststand gibt und diese Tatsache hält der orakelnde Ministerpräsident "für möglich"? Glanzleistung!
laermgegner 03.06.2013
4. Menschliche Grenzen, die sichtbar sind
Hier hat der Mensch das nachsehen, Gesetze und vor allem Gerichte + Rechtsanwälte - können hier man ihre Weisheiten testen. Die Natur hält sich nicht daran, auch wenn demokratisch abgestimmt wurde und es der Allgemeinheit nicht zu gemutet werden kann, Es ist wieder einmal die Anwort auf zugebaute Flächen und Profitgier, fehlende Insatandhaltung und nicht richtig betriebende Staudämme- ja , es ist wichtiger einen vollen Staudamm zu haben- um Böotchen zu fahren, als den Schutz für die Bevölkerung zu haben. Gegenüber Fluglärm ist das Chaos der Menschheit nur sichbar - helfen wir den Menschen vorallem die "Versicherung" und die Politik. Die Anworten nach langen Schlafenswegen sind immer die gleichen- Gegen eine höhere Mach kann man nichts machen
WernerT 03.06.2013
5. Wenn man sich die Pegelstände der letzten Woche ansieht
Weiß man, dass ein Teil des Hochwassers selbstgemacht ist, während früher die Talsperren vor allem als Hochwasserschutz gedient und daher sehr schnell Wasser abgegeben haben, dienen sie heute dem Wassermanagement und sind fast voll. Wenn nun etwas Wasser dazu kommt, laufen sie über, dummerweise meistens bei einem ausgedehnten Regengebiet, wenn die Gegenden flussabwärts auch viel Wasser haben. So sind die Pegel vor allem deshalb gestiegen, weil die Talsperren überlaufen und so ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Die Bilder von leeren Stauseen aus Spanien und den USA sollten uns nicht verleiten, das Wasser zu speichern.
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