Hochwasser in Europa In Tschechien sterben fünf Menschen

Eingestürzte Brücken, überflutete Innenstädte: Auch in vielen anderen europäischen Ländern richtet Hochwasser verheerende Schäden an. In Tschechien und Österreich starben mehrere Menschen durch die Wassermassen.

Karlsbrücke in Gefahr: Einsatzkräfte fischten am Montag Treibholz aus dem Wasser
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Karlsbrücke in Gefahr: Einsatzkräfte fischten am Montag Treibholz aus dem Wasser


Hamburg - Die Hochwasserlage ist an vielen Orten in Deutschland dramatisch. Auch in den Nachbarländern kämpfen die Menschen mit den Wassermassen.

Besonders schwer betroffen ist Tschechien. Fünf Menschen starben in den Fluten, mindestens vier weitere Personen werden laut Polizei noch vermisst. Die Regierung hatte am Sonntag den Notstand für fast alle Regionen des Landes ausgerufen, nachdem zahlreiche Flüsse und Bäche über die Ufer getreten waren. Die Armee ist mit 2000 Soldaten im Einsatz. An mehr als 50 Orten des Landes gilt die höchste Warnstufe 3. Laut Feuerwehr mussten rund 6400 Menschen ihre Häuser verlassen. Bei Litomerice und Melnik an der Elbe wurden ganze Ortschaften evakuiert.

Die Wassermassen legten große Teile der Infrastruktur lahm. Tausende Haushalte waren ohne Strom, mindestens 20 Eisenbahnstrecken und 150 Landstraßen waren den Behörden zufolge gesperrt. Im Norden des Landes stürzte eine Brücke teilweise ein.

In der Hauptstadt Prag ist die Hochwasserlage besonders gefährlich. Die U-Bahn blieb am Montag geschlossen. Die Feuerwehr errichtete mobile Hochwasserbarrieren, um die historische Altstadt zu schützen. Weitere Einsatzkräfte fischten Treibgut aus der Moldau, um die Karlsbrücke zu schützen. In Prag ist außerdem der Zoo überflutet. Die Tiere konnten aber rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Die Gorillas zum Beispiel zogen in einen sicheren "Überlebensturm" um.

Noch gibt es wenig Aussicht auf Besserung: Der tschechische Wetterdienst sagte für die nächsten zwei Tage einen weiteren Anstieg von Elbe und Moldau voraus. Die Elbe könnte demnach im Laufe des Dienstags in Usti (Aussig) auf einen Pegel von bis zu 10,8 Metern steigen. Das sei extrem gefährlich. In Decin (Tetschen), Usti (Aussig) und der Grenzstadt Hrensko wurden Evakuierungen angeordnet. Allein in Südböhmen und an den Oberläufen der Flüsse begann sich die Lage etwas zu beruhigen.

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Ausnahmezustand: Stadt, Fluss, Fluss

In Österreich sorgte das Hochwasser teilweise für katastrophale Zustände. Mindestens ein Mensch starb durch die Überflutungen, drei weitere werden noch vermisst. Vor allem im Osten Niederösterreichs erinnert die Situation an das Hochwasser von 2002: Bis zu elf Meter maßen die Donau-Pegelstände damals - eine Zahl, die Kienstock in der Wachau am frühen Abend erreichen könnte.

In Tirol entgleiste in der Nacht zu Montag am Brenner ein Zug, weil eine Schlamm- und Gerölllawine die Gleise verschüttet hatte. Viele Städte fürchten um ihre historischen Zentren - zahlreiche Altstädte, darunter Melk, standen unter Wasser.

In Schärding an der bayerischen Grenze überflutete der Inn die Schutzanlagen, 500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. "Ich habe heute um 5 Uhr früh Dinge gesehen, die mir das Herz zerbrochen haben. 70-jährige Männer hatten Tränen in den Augen, weil sie ihr ganzes Hab und Gut verloren haben", sagte Schärdings Bürgermeister Franz Angerer. Lediglich in Tirol, Vorarlberg und Salzburg entspannte sich die Situation langsam.

In Frankreich blieb die Lage am Montag überschaubar. Steigende Pegel sorgten für Besorgnis, die Behörden warnten vor Überschwemmungen des elsässischen Rheinufers.

Aus der Schweiz kamen verhalten entwarnende Meldungen. Hier hatte es am Sonntag sehr stark geregnet. In vielen Kantonen begannen die Menschen am Montag mit den Aufräumarbeiten. Am schlimmsten war die Deutschschweiz von den Wassermassen betroffen, vor allem die östliche Region mit dem Kanton St. Gallen. Laut Wetterdienst MeteoSchweiz fielen dort teilweise mehr als 140 Liter Regen pro Quadratmeter - so viel wie sonst nur alle hundert Jahre. Am Montag galt ein 72-Jähriger aus der Ortschaft Kaltbrunn noch als vermisst.

In Polen entspannte sich die Hochwasserlage. In der Nacht war die Feuerwehr zu rund 200 Dauereinsätzen ausgerückt. Vor allem in Niederschlesien waren zahlreiche Oder-Zuflüsse und die Lausitzer Neisse über die Ufer getreten. Das Institut für Wasserwirtschaft warnte jedoch, dass es bei anhaltenden Regenfällen schnell erneut zu Überflutungen kommen könne. Bisher sind vor allem ländliche Gebiete mit vereinzelten Bauernhöfen von den Überschwemmungen betroffen.

Die EU-Kommission hat unterdessen Deutschland, Österreich und Tschechien finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt, um die Folgen des Hochwassers zu bewältigen. Die drei Staaten könnten Hilfe aus dem europäischen Solidaritätsfonds beantragen, sagte EU-Regionalkommissar Johannes Hahn. Deutschland hat einen Anspruch darauf, wenn die Schäden den Wert von 3,67 Milliarden Euro erreichen. Zum Vergleich: Beim Hochwasser 2002 lagen sie in Deutschland bei 13 Milliarden.

gam/dpa/AFP

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insgesamt 6 Beiträge
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hartungp 03.06.2013
1. Kein Mitleid.
Ihr Foto "Der Hofwiesenpark in Gera mit dem Stadion der Freundschaft ist vom Hochwasser überflutet." zeigt exemplarisch, was passiert, wenn man in Überschwemmungsgebieten von Flüssen trotzdem baut.
sloppyjoe 03.06.2013
2. Da haben wir den Salat
Gerade haben wir noch altklug nach Amerika gezeigt und den Kopf geschuettelt. "Ja ja, die Ammies und ihre lapprigen Sperrholzhaeuser - selber schuld wenn die wegfliegen. War ja auch nicht der erste Tornado in Oklahoma ...!!" Und jetzt treten in Deutschland ganz unverhofft wieder mal die Fluesse ueber die Ufer. Sowas! Warum genau bauen wir in Deutschland die Flussniederungen zu? Mit unterkellerten Haeusern? Und Versicherung gegen Flutschaeden haben auch hoechstens die Besserverdiener? Naja, der Staat wird's schon richten, ist ja Wahljahr. Aber auf jeden Fall ist das alles was ganz anderes als in Amerika. Ich frag mich nur was ...
Velociped 03.06.2013
3. Ist der Bundesinnenminister Polizist?
Der Bundesinnenminister trägt eine Polizeiuniform der Bundespolizei. Darf er das - oder ist das Amtsmissbrauch? Sicherlich ist er als Innenminister oberster Dienstherr, doch ist er damit automatisch Polizist? Er hat nicht die notwendigen Qualifikationen - so fehlen ihm als Wirtschaftswissenschaftler z.B. die notwendigen Qualifikationen im Bereich des Rechts - insbesondere auch was die Bürgerrechte und die Grenzen des Polizeirechts angeht. Nun könnte man meinen, dass seine Funktion dies ersetzen würde. Doch dies ist in zweierlei Hinsicht falsch. Zum einen darf Friedrich auch als oberster Dienstherr keinen direkten polizeilichen Zwang selbst ausüben - er kann dies zwar anordnen - doch dann prüfen die ausübenden Beamt-innen, ob er sich damit im Rahmen der Gesetze bewegt. Zum anderen steht über Friedrich Merkel und Gauck - will man die dann auch gleich zu "Polizist-innen" machen? Die Uniform erweckt den Schein, dass Friedrich polizeiliche Befugnisse habe - die er aber wie erläutert nicht hat. Das sieht mir ganz nach Amtsmissbrauch (§ 132 StGB) aus. Auch wenn die politisch weisungsgebundene Staatsanwaltschaft kaum deswegen gegen den Innenminister ermitteln wird, so ist es schon bemerkenswert, wie der Innenminister mit dem Recht umgeht.
ratxi 03.06.2013
4. Hm, ein interessanter Gedanke.
Zitat von VelocipedDer Bundesinnenminister trägt eine Polizeiuniform der Bundespolizei. Darf er das - oder ist das Amtsmissbrauch? Sicherlich ist er als Innenminister oberster Dienstherr, doch ist er damit automatisch Polizist? Er hat nicht die notwendigen Qualifikationen - so fehlen ihm als Wirtschaftswissenschaftler z.B. die notwendigen Qualifikationen im Bereich des Rechts - insbesondere auch was die Bürgerrechte und die Grenzen des Polizeirechts angeht. Nun könnte man meinen, dass seine Funktion dies ersetzen würde. Doch dies ist in zweierlei Hinsicht falsch. Zum einen darf Friedrich auch als oberster Dienstherr keinen direkten polizeilichen Zwang selbst ausüben - er kann dies zwar anordnen - doch dann prüfen die ausübenden Beamt-innen, ob er sich damit im Rahmen der Gesetze bewegt. Zum anderen steht über Friedrich Merkel und Gauck - will man die dann auch gleich zu "Polizist-innen" machen? Die Uniform erweckt den Schein, dass Friedrich polizeiliche Befugnisse habe - die er aber wie erläutert nicht hat. Das sieht mir ganz nach Amtsmissbrauch (§ 132 StGB) aus. Auch wenn die politisch weisungsgebundene Staatsanwaltschaft kaum deswegen gegen den Innenminister ermitteln wird, so ist es schon bemerkenswert, wie der Innenminister mit dem Recht umgeht.
Hm, ein interessanter Gedanke. Finde ich persönlich das auch völlig in Ordnung, interessiert es mich doch sehr, wie es wirklich ist. Vielleicht weiss das ja jemand...
ratxi 03.06.2013
5. Wenn ich hier an der Norsee...
Zitat von sysopAFPEingestürzte Brücken, überflutete Innenstädte: Auch in vielen anderen europäischen Ländern richtet Hochwasser verheerende Schäden an. In Tschechien und Österreich starben mehrere Menschen durch die Wassermassen. http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-europa-kaempft-gegen-die-fluten-a-903522.html
Wenn ich hier an der Norsee in der Sonne sitze und so etwas lese, kommt mir das irgendwie unwirklich vor. So ganz in der Nähe solche Katastrophen. Ich wünsche den Betroffenen viel Kraft und dass es bald vorüber ist.
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