Hochwasser in Deutschland Wetterdienst warnt vor neuen Regenfällen

Einige Regionen Deutschlands steuern womöglich auf eine historische Hochwasserkatastrophe zu. Scheinbar unaufhaltsam klettern die Pegelstände großer Flüsse wie der Donau - und die Meteorologen rechnen mit weiteren heftigen Regenfällen.

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München - In den deutschen Hochwassergebieten spitzt sich die Lage weiter zu. Noch immer ist in vielen Regionen Bayerns, Sachsens und Thüringens keine Entspannung in Sicht (einen Liveticker zu den Ereignissen finden Sie hier). Stattdessen sagte der Deutsche Wetterdienst am Morgen weiteren zum Teil kräftigen Regen voraus. So gab es für Südbayern und das Erzgebirge Warnungen vor extremem Unwetter.

Die heftigen Regenfälle in den vergangenen Tagen gelten als Auslöser für das Hochwasser. Schuld an den Niederschlägen ist ein Tiefdruckgebiet über Mitteleuropa, das ständig feuchtwarme Luftmassen anzieht, die anschließend abregnen.

Bei den Überschwemmungen kamen im In- und Ausland bereits mehrere Menschen ums Leben. Überall sind viele hundert Helfer unermüdlich dabei, Sandsäcke zum Schutz gegen die Fluten aufzuschichten. Tausende Menschen mussten sich in Sicherheit bringen; ganze Ortschaften wurden evakuiert. Erste Dämme hielten den Wassermassen nicht mehr Stand und brachen, so im thüringischen Serbitz. Entgegen früherer Meldungen ist ein Damm in Kolbermor bei Rosenheim bisher intakt, droht aber zu brechen.

Dämme im Landkreis Leipzig aufgegeben

Dramatische Ausmaße nimmt das Hochwasser etwa in Sachsen an. Im Landkreis Leipzig wurden am Morgen Dämme aufgegeben, um sich auf die Rettung von Menschen zu konzentrieren. Der Damm bei Nitzschka wurde unterspült, ein Teil der Ortschaft evakuiert. Eine Meldung, auch in Frohburg werde die Evakuierung vorbereitet, erwies sich als falsch. In Frohburg und Ortsteilen finde keine Evakuierung statt, hieß es auf der Homepage der Stadt.

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Ausnahmezustand: Deutschland unter Wasser
Für das Obere Elbtal wurde am Montag Katastrophenalarm ausgelöst. Auch hier soll es Evakuierungen geben. In der Muldenstadt Grimma rechnet man damit, dass die Hochwassermarke der Jahrhundertflut von 2002 erreicht wird. Am Morgen stand das Wasser an der Pöppelmannbrücke bei 6,30 Meter und auf dem Markt 1,50 Meter hoch. Unterdessen wurde die Evakuierung der Altstadt fortgesetzt. Dabei sind auch zwei Boote und ein Hubschrauber im Einsatz. Bislang wurden etwa 2000 Menschen in Sicherheit gebracht. Die meisten kamen bei Freunden oder Verwandten unter.

Die Stadt Grimma bedauerte, dass sich "beratungsresistente" Bürger der Aufforderung zur Evakuierung widersetzen. Die sächsische Regierung hatte in der Nacht zum Montag in einem Appell an die Bevölkerung vor der Situation gewarnt und zur Vorsicht aufgerufen. Über eine Internetseite könnten sich Bürger standortgenau über die Gefahrensituation informieren.

Bundeswehr kommt nach Passau

Noch einmal zugespitzt hat sich die Hochwasserlage über Nacht in Passau. "Wir rechnen damit, dass im Laufe des Tages an Inn und Donau die historischen Höchststände von 1954 erreicht werden", sagte am Morgen ein Sprecher des Krisenstabs. Am Inn betrug der Wasserstand am Morgen 9,60 Meter, an der Donau 12 Meter.

Die Passauer Altstadt und andere Teile des Zentrums sind großflächig überspült. In der Altstadt musste der Strom abgestellt werden. "Die notärztliche Versorgung ist aber noch gegeben", sagte der Sprecher. Mehr als 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bayerischem Roten Kreuz (BRK) und Technischem Hilfswerk (THW) arbeiteten am Limit. Am Morgen wurden 150 Soldaten der Bundeswehr zur Hochwasserhilfe in der Stadt erwartet.

Auch in Ostthüringen bleibt die Lage an den Flüssen kritisch. In mehreren Orten wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Im Altenburger Land sind nach Angaben des Katastrophenschutzstabs entlang von Sprotte und Pleiße große Teile der Gemeinden teilweise oder ganz überschwemmt. Mehr als 1200 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. In Serbitz brach ein Damm auf einer Länge von 50 Metern. Außerdem wurden zahlreiche Straßen im Landkreis komplett gesperrt.

In Greiz bezeichnete ein Sprecher des Krisenstabs die Lage am Morgen als unverändert kritisch, auch wenn die Pegel leicht fielen. Der Wasserstand der Weißen Elster stieg auf 4,90 Meter. Im Stadtteil Neustadt stand das Wasser bis zu einem halben Meter hoch. 120 Menschen wurden in Notquartieren untergebracht.

Anwohner sollen sich in Sicherheit bringen

Im Geraer Stadtteil Untermhaus wurden die Menschen aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen - allerdings auf freiwilliger Basis, wie eine Sprecherin der Stadt sagte. 70 Menschen folgten bisher der Aufforderung. Die Pegelspitze der Weißen Elster werde dort für 8 Uhr erwartet, hieß es. Seit dem frühen Morgen seien die Wasserstände auch nicht mehr gestiegen.

In Thüringen unterstützen inzwischen auch Soldaten der Bundeswehr die Einsatzkräfte. So helfen seit dem Abend 50 Soldaten in Bad Köstritz bei der Deichsanierung. Weitere 70 Soldaten sind seit der Nacht in Gera im Einsatz. Außerdem werden in der Werratalkaserne in Bad Salzungen Unterkünfte bereitgestellt.

Etwas besser sieht die Lage inzwischen in Baden-Württemberg aus. Die Pegelstände in dem Bundesland fielen fast überall. Es gab allerdings Ausnahmen. Die Lage am Rhein und am Main sei noch kritisch, sagte ein Sprecher der dortigen Hochwasser-Vorhersage-Zentrale. So steige der Wasserstand am Oberrhein bei Maxau noch leicht. Zwischen Mannheim und Karlsruhe seien als Schutzmaßnahme Polder geflutet worden. Der Wasserstand des Mains bei Wertheim sollte im Laufe des Tages wieder leicht ansteigen. Die Donau jedoch führt laut dem Sprecher etwas weniger Wasser als zuletzt.

In einigen Regionen Deutschlands behindern die Überschwemmungen inzwischen auch den Verkehr (eine aktuelle Übersicht finden Sie hier). In Süd- und Niederbayern etwa seien Bahnstrecken unterbrochen, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Betroffen sind unter anderem die Verbindungen München-Salzburg, Traunstein-Ruhpolding sowie zwischen Weilheim und Garmisch-Partenkirchen. Der Bahnhof Rosenheim wurde komplett gesperrt; dort stehen die Züge bereits seit dem Abend still. An den Flughäfen München, Nürnberg und Augsburg kam es zu keinen wetterbedingten Behinderungen.

Auf dem Rhein wurde die Schifffahrt in der Nacht an mehreren Orten eingestellt. Betroffen sei der Abschnitt bei Kaub sowie die Strecke zwischen Speyer und Bingen, sagte am Morgen eine Sprecherin des Hochwassermeldezentrums in Mainz.

Die detaillierte Wettervorhersage finden Sie hier.

suc/AFP/dpa

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insgesamt 101 Beiträge
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Seite 1
kjartan75 03.06.2013
1. optional
2 Jahrhunderthochwasser innerhalb von 11 Jahren. Und das soll zukünftig noch vermehrt vorkommen. Na wunderbar, was das alles für Kosten verursachen wird.
flyahead 03.06.2013
2.
Das Wort JahrhundertHochwasser wird meines Erachtens nach überstrapaziert. Das Jahrhundert ist noch jung, natürlich sind dann ein paar Fluten hoch im Vergleich zu einander...
warndtbewohner 03.06.2013
3. Es gab Warnungen
die Umweltzerstörung geht weiter, dem Profit zu liebe. Jetzt bekommen wir langsam die Quittung...
salmasius 03.06.2013
4. Na, dann wäre ja alles gut, ...
... wenn die Pegelstände nur "scheinbar" unaufhaltsam klettern. Sie meinen aber wohl "anscheinend"?
Raus_die_Sau 03.06.2013
5. Das CSU regierte Bayern
hat Geld für die Beschäftigung der CSU Verwandten, nicht aber für Hochwasserschutz!
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