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Hochwasser in Deutschland: Tauwetter treibt Flüsse über die Ufer

In Pforzheim starb ein Mann im Fluss, in Sachsen-Anhalt gilt die höchste Alarmstufe, in Wuppertal sind Gleise geflutet - und der Deutsche Wetterdienst kündigt neben anhaltendem Tauwetter bundesweit weiteren Regen an. Die Hochwasserlage in Deutschland spitzt sich zu.

Hochwasser: Wettlauf gegen die Fluten Fotos
dpa

In Baden-Württemberg ist ein Mann im Hochwasser ums Leben gekommen. Wie die "Pforzheimer Zeitung" berichtet, sei der 50-jährige Mann mit seinem Kajak in der Enz verunglückt und im Notarztwagen verstorben. Es komme immer wieder vor, dass Kajakfahrer Hochwasser nutzen, um auf Flussstrecken zu fahren, die bei normalem Wasserstand ungeeignet wären, teilte die Feuerwehr mit.

Insgesamt bleibt die Hochwasserlage in Deutschland angespannt - trotz leicht sinkender Pegelstände an Mosel und Rhein sowie in Teilen Thüringens.

In Sömmerda, Thüringen, musste am Samstagabend der Stadtpark gesperrt und geflutet werden. "Wir konnten ihn nicht mehr halten", sagte der Sprecher des Landratsamts, Michael Platzko. Mehrere Brücken über die Unstrut mussten gesperrt werden, da das Wasser nicht mehr unter ihnen hindurchfließen kann. In Weimar ist der zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Ilmpark geflutet. Auch in den Orten Ringleben und Gebesee sei die Situation weiter kritisch.

In Sachsen-Anhalt riefen die Behörden für die Weiße Elster am Pegel Oberthau die höchste von vier Alarmstufen aus, teilte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz am Sonntag in Magdeburg mit. Der Wasserstand habe in der Nacht die kritische Marke von vier Metern überschritten. An den Pegeln Gera-Langenberg und Zeitz der Weißen Elster gelte die dritte Alarmstufe, ebenso für die Schwarze Elster am Pegel Löben. Die Saale und die Unstrut im Burgenlandkreis erreichten ebenfalls Alarmstufe drei. Einige Straßen seien bereits überflutet, meldeten die Behörden.

Hochwasser überflutet Bahngleise in Wuppertal

In Brandenburg sanken in der Nacht die Pegelstände. Eisbrecher hatten sich am Samstag flussaufwärts durch das tiefgefrorene Wasser geschoben und den Weg zur Ostsee freigemacht, wie ein Sprecher der Hochwassermeldezentrale in Frankfurt (Oder) am Morgen sagte. Der Pegelstand in Hohensaaten habe gegen 5 Uhr 7,25 Meter betragen. "Und er fällt weiter", sagte der Sprecher. Entwarnung wollte er aber noch nicht geben. Auch in Schollen zerteilt könne sich das Eis zu Barrieren türmen und den Wasserstand wieder rasch und heftig steigen lassen. Für den Sonntag kündigte der Deutsche Wetterdienst zum anhaltenden Tauwetter bundesweit weiteren Regen an.

In Nordrhein-Westfalen bereitet das Hochwasser stellenweise der Bahn Probleme: In Wuppertal hat die Wupper die Gleise überflutet. Der Streckenabschnitt zwischen Wuppertal-Vohwinkel und Hauptbahnhof sei am Sonntagmorgen gesperrt worden, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Der Fernverkehr werde über das Ruhrgebiet umgeleitet. Auch verschiedene Nahverkehrslinien seien betroffen. Allerdings können Fahrgäste im Nahverkehr der bergischen Stadt weiterhin die Schwebebahn hoch über der Wupper oder Busse nutzen. Wann die Gleissperrung wieder aufgehoben werden kann, war zunächst nicht abzusehen.

Hochwasser in Niedersachsen und Bremen geringer als befürchtet

In einigen Mosel-Orten in Rheinland-Pfalz steht das Wasser immer noch meterhoch, unter anderem in den bekannten Weinstädten Cochem und Zell. Nach einer kurzen Entspannung sollen die Pegelstände am Sonntag wieder ansteigen.

In Cochem sind nach Schätzung der Feuerwehr etwa 20 Prozent der Stadt betroffen. In Zell steht die Altstadt noch immer zu rund 60 Prozent unter Wasser. Derzeit könne man nicht viel machen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr Zell. "Die Situation ist stabil, unsere Zentrale ist besetzt, auch zwei Bootsbesatzungen sind in Bereitschaft", sagte er. Wegen des Wochenendes seien aber kaum Menschen unterwegs.

In Mainz und Koblenz bereitete man sich ebenfalls auf das Hochwasser vor. In der Landeshauptstadt wurden erste Parkplätze und Straßen am Rhein gesperrt, wie ein Polizeisprecher sagte. In Koblenz wurden beispielsweise Stege aufgebaut, damit die Bürger nicht durch überflutete Straßen waten müssen.

Es sei davon auszugehen, dass das Deutsche Eck in Koblenz überschwemmt werde, sagte ein Feuerwehrsprecher. Derzeit liege der Pegelstand bei 6,93 Metern, das Deutsche Eck, an dem die Mosel in den Rhein fließt, ist ab 7,20 Metern überflutet. Nach Angaben des Sprechers wird bis Montagnachmittag ein Stand von bis zu 7,80 Metern in Koblenz erwartet. Bei den großen Hochwassern 1993 und 1995 hatte der Wasserstand in Koblenz die Neun-Meter-Marke überschritten.

In Hessen stiegen die Pegel von Main, Rhein und Lahn weiter. Mehrere Kreis- und Landstraßen sowie die Bundesstraße bei Reinheim waren gesperrt. Mehrere Main-Fähren fuhren nicht mehr. In Städten wie Gießen und Marburg oder im Main-Kinzig-Kreis waren kleinere Straßen oder Parkplätze gesperrt. Zahlreiche Helfer waren im Einsatz und hatten vorsorglich auch Sandsäcke verteilt.

Trotz erneuter Regenfälle in der Nacht zum Sonntag und steigender Pegel an vielen Flüssen war die Hochwassergefahr in Niedersachsen und Bremen geringer als befürchtet. In Niedersachsen waren vor allem die Region Hannover und der Süden des Landes betroffen. Größere Wohngebiete waren nicht in Gefahr, teilten die Behörden mit.

fln/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Hochwasser war schon mehrmals Wahlhelfer
Haligalli 09.01.2011
Aufjehts - Poltiker - Gummistiefel an de Behne und ruff uffn Deich - dann det blaue vom Himmel versprechen - det hat schon manche Wahl entschieden.
2. Hochwasserschutz ist moeglich!
Roller, 09.01.2011
Zitat von sysopIn Pforzheim starb ein Mann im Fluss, in Sachsen-Anhalt gilt die höchste Alarmstufe, in Wuppertal sind Gleise geflutet - und der Deutsche Wetterdienst kündigt neben anhaltendem Tauwetter bundesweit*weiteren Regen an.*Die Hochwasserlage in Deutschland spitzt sich zu. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,738513,00.html
Der einzige wirksame Hochwasserschutz ist die Beschleunigung des Wassers mit einer parallelen Verrohrung des Flusses. So ein Rohr wuerde z.B. beim Rhein einen 400m hohen Staudamm mit einem entsprechend grossen Staussee mitten in Deutschland ersetzen. Alle bisherigen Staudaemme kann man mit einem Wasser-Drucknetz auf das untere Drittel ablassen und trotzdem mehr Energie produzieren, als vorher mit vollem Staudamm.
3. Jahrhundert Sommer
Sonntagskind, 09.01.2011
Jahrhundert Sommer Nun die Gelegenheit nutzen, alle verfügbaren Behälter (Tanks, PVC Tonnen, Becken) füllen, damit man für den kommenden heißen Sommer 2011 vorbereitet ist.
4. Ein Rohr parallel zum Rhein ????
sanibel, 09.01.2011
Zitat von RollerDer einzige wirksame Hochwasserschutz ist die Beschleunigung des Wassers mit einer parallelen Verrohrung des Flusses. So ein Rohr wuerde z.B. beim Rhein einen 400m hohen Staudamm mit einem entsprechend grossen Staussee mitten in Deutschland ersetzen. Alle bisherigen Staudaemme kann man mit einem Wasser-Drucknetz auf das untere Drittel ablassen und trotzdem mehr Energie produzieren, als vorher mit vollem Staudamm.
Wie soll das denn gehen ? Und was hätte man am Rhein davon , wenn Eder, Kochel oder andere Sperrwerke weniger Wasser aufstauen würden ???
5. ...
probstheida 09.01.2011
Zitat von RollerDer einzige wirksame Hochwasserschutz ist die Beschleunigung des Wassers mit einer parallelen Verrohrung des Flusses. So ein Rohr wuerde z.B. beim Rhein einen 400m hohen Staudamm mit einem entsprechend grossen Staussee mitten in Deutschland ersetzen. Alle bisherigen Staudaemme kann man mit einem Wasser-Drucknetz auf das untere Drittel ablassen und trotzdem mehr Energie produzieren, als vorher mit vollem Staudamm.
Nur mal so als Tip: Die BESCHLEUNIGUNG des Wassers ist eine der Hauptursachen für die teilweise dramatischen Hochwasser an den Flüssen! Durch Begradigung und Eindeichung der Flüsse mit dem Zweck, sie zu "Wasserstraßen" zu machen, wurden natürliche Überschwemmungsflächen zerstört udn die Fließgeschwndigkeit extrem erhöht. Der Rhein brauchte früher von der Schweizer Grenze bis zur Mündung 65 Stunden. Heute ist das Wasser in 35 Stunden im Meer! Somit ist aber nicht nur das Wasser, sondern eben auch das HOCHwasser um so schneller da und wird gefährlich. REnaturierung ist das EINZIGE Mittel, das auf Dauer hilft. Man kann Hochwasser nicht verhindern. Also muß man lernen, mit ihnen gefahrlos zu leben. Der Mensch hat sich den Flüssen anzupassen - und nicht umgekehrt.
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