Hochwasser Massiver Deichbruch in Sachsen-Anhalt

Mehr als tausend Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden: Im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt hat ein Deich den Wassermassen nicht mehr standgehalten. Wegen des Dammbruchs kommt es auch zu Behinderungen im Bahnverkehr. Der Überblick.

DPA

Hamburg - Im Kampf gegen drohende Überflutungen haben die Einsatzkräfte in Sachsen-Anhalt einen Rückschlag hinnehmen müssen. In der Nähe von Fischbeck sei in der Nacht ein Deich massiv gebrochen, sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzstabs des Landkreises Stendal. Die 400 bis 500 Einwohner des Ortes seien aufgefordert worden, sofort ihre Häuser zu verlassen. Auch in drei anderen Dörfern in der Nähe sei vorsichtshalber die Evakuierung angeordnet worden. Insgesamt sind mehr als tausend Menschen betroffen.

Der Deich sei zunächst auf einer Länge von zehn Metern eingerissen, durch die Kraft der Wassermassen habe sich der Durchbruch auf "massive 50 Meter" erweitert, sagte der Sprecher. Fischbeck sei inzwischen völlig überflutet.

Wegen des Deichbruchs kommt es auch zu Behinderungen im Zugverkehr: Auf der Strecke Hannover-Berlin wurde die Elbebrücke in Hämerten gesperrt. Unter anderem die ICE-Linie 10 (Berlin-Hannover-Hamm-Düsseldorf/Köln) und die Linien 11/12 (Berlin-Wolfsburg-Kassel-Fulda-Frankfurt/Main) müssen umgeleitet werden. Dadurch entfallen mehrere Haltepunkte, beispielsweise Wolfsburg und Göttingen. Außerdem entfällt den Angaben zufolge der Regionalverkehr zwischen Rathenow und Stendal komplett.

In Magdeburg sank der Wasserspiegel zwar langsam, doch die Lage blieb angespannt. "Die Situation ist im Moment unter Kontrolle", sagte eine Sprecherin des Krisenstabs. "Grund zum Aufatmen oder zur Entwarnung gibt es aber noch nicht." Deshalb könnten die evakuierten Einwohner auch noch nicht in ihre Häuser zurück. In Magdeburg waren in den vergangenen Tagen rund 23.000 Menschen zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert worden.

Auch im benachbarten Brandenburg spitzte sich die Lage wegen des Deichbruchs in Fischbeck zu. Rund 450 Feuerwehrleute und Bundeswehrsoldaten sollen damit beginnen, nahe der Landesgrenze einen Notdeich zu errichten. Damit soll verhindert werden, dass die Wassermassen in die Havel fließen können. "Da werden wir in der Früh alle Kräfte reinwerfen müssen", sagte ein Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement. Menschen seien dort aber noch nicht gefährdet.

Die Pegelstände der Elbe stiegen in Brandenburg weiter an. In Wittenberge erreichte der Fluss am Sonntagnachmittag einen historischen Höchststand von 7,85 Metern. Bis Dienstag sollen es sogar 8,20 Meter sein. Bei Hochwasser 2002 lag der Höchstwert in Wittenberge bei 7,34 Metern.

Auch Niedersachsen steht der Hochwasserscheitel der Elbe noch bevor. In Schnackenburg und Hitzacker wurden am Sonntag bereits neue Rekordwerte erreicht. Die von Elbe und Jeetzel umflossene Altstadtinsel von Hitzacker wurde evakuiert, rund 280 Anwohner verließen ihre Wohnungen. Dort und in anderen Gemeinden fällt wegen des Hochwassers am Montag an zahlreichen Schulen der Unterricht aus.

In Schleswig-Holstein bereiten sich die Menschen ebenfalls auf den Scheitelpunkt des Elbe-Hochwassers vor. Die hochwassergefährdete Unterstadt von Lauenburg wird evakuiert, viele der rund 400 betroffenen Anwohner haben das Gebiet bereits verlassen.

Die Behörden haben den erwarteten Höchststand noch einmal um fünf Zentimeter nach oben korrigiert. Am Donnerstag soll der Pegel in Hohnstorf (Landkreis Lüneburg) auf der anderen Elbseite von Lauenburg bei 10,15 Meter stehen. Höchster jemals gemessener Wasserstand in Hohnstorf waren 9,88 Meter.

hut/dpa/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 104 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
liquimoly 10.06.2013
1. q.e.e.
Das war zu erwarten, damit die Wassermassen nicht die Millionenmetropole Hamburg lahmlegen.
denkdochmalmit 10.06.2013
2. Evakuierung
Zitat von sysopDPAMehr als tausend Menschen mussten evakuiert werden: Im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt hat ein Deich den Wassermassen nicht mehr standgehalten. In Brandenburg stiegen die Pegel der Elbe weiter, in Magdeburg geht das Wasser langsam zurück. Der Überblick. http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-in-sachsen-anhalt-deich-im-landkreis-stendal-bricht-a-904678.html
Zum 1000. mal, Menschen kann man nicht evakuieren, das schmerzt in den Augen wenn man liest...
blickpol 10.06.2013
3. Was für ein Aufwand
und fast Gewissheit, dass sich diese Katastrophe wieder ereignen wird. Die Anwohner haben es wirklich schwer. Meines Erachtens ist es auch keine Dauerlösung, die Deiche immer höher zu ziehen, wo sie jetzt schon nicht standhalten. Die Kosten dieser Flut wurden auf ca. 5 Milliarden Euro geschätzt. Für etwa das Doppelte könnte man eine gute Dauerlösung angehen, die obendrein noch das Weltklima verbessert. Die Regierung bietet gerade mal 100 Millionen, selbst das Dreifache ist vom Soll weit entfernt. Wie viel Ernte ist vernichtet? Wie viele Nutztiere haben kein heimisches Futter oder sind bereits verendet? Wer gespart hat um sich mit einer Immobilie vor Altersarmut zu schützen ist jetzt ruiniert. Und wenn ich dann noch lese, dass Flutterroristen weiteren Schaden verursachen wollen, dann hoffe ich nur, dass unsere Solidarität sowohl diesem Naturereignis als auch diesen Gangstern die Stirn bieten kann.
josifi 10.06.2013
4.
Zitat von denkdochmalmitZum 1000. mal, Menschen kann man nicht evakuieren, das schmerzt in den Augen wenn man liest...
Oh Mann... ist doch gestern schon ausführlich besprochen worden. Ntürlich werden Menschen/Bewohner evakuiert. Ein Blick in den Duden genügt. Oder haben Sie für Ihre (immer noch) falsche Behauptung einen Beleg??
geo_48 10.06.2013
5. An 2. Denkdochmalmit
Eigentlich kann man nur Gebiete evakuieren (leermachen). Aber laut Duden kann man auch Menschen evakieren...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.