Hochwasser im sächsischen Torgau: Das laute Rauschen

Aus Torgau berichtet Anna-Lena Roth

Hochwasser an der Elbe: Torgau rüstet sich für die Flut Fotos
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Vor dem Fenster von Beate T. hat sich die Elbe in ein braunes Meer verwandelt. Die Seniorin wohnt im sächsischen Torgau - und dort herrscht Katastrophenalarm. Hunderte Helfer bereiten die Stadt auf den Höhepunkt der Flut vor, ihnen bleiben wenige Stunden.

Sie sei nicht schlampig, das möchte sie extra betonen. Auch wenn es in ihrer Küche gerade sehr wüst aussieht. Kaffeeflecken, dreckiges Geschirr, Pappteller, Essensreste. Aber das ist im Moment nicht wichtig, Beate T. hat andere Sorgen. Direkt vor ihrem Wohnzimmerfenster herrscht Ausnahmezustand.

Sie wohnt im nordsächsischen Torgau, am Mittwoch wurde hier Katastrophenalarm ausgerufen. Die Elbe fließt direkt vor ihrer Wohnung entlang, die Seniorin hat in den vergangenen Tagen vom Balkon aus beobachten können, wie der Pegel des Flusses stieg und stieg. Aktuell sind es 8,83 Meter, bis Freitag könnten der Stadt zufolge noch einmal 40 Zentimeter hinzukommen.

Früher sei die Elbe mal stahlblau, mal türkisfarben gewesen, sagt Beate T. Und jetzt? Jetzt bahnt sich einige Meter von ihr entfernt eine braune Wassermasse ihren Weg.

Angst hat sie nicht. "Ich sitze nicht tatterig und hilflos hier rum." Stattdessen kocht sie literweise Kaffee oder organisiert Dutzende Bockwürste, um sie vor ihre Haustür zu bringen, direkt zu den Fluthelfern - deshalb das Chaos in ihrer Küche. Den Teppich in ihrem Wohnzimmer hat sie zur Seite gerollt. Sie hat ja doch ständig dreckige Schuhe, wenn sie wieder hoch in ihre Wohnung kommt, um Nachschub zu holen.

Sie macht das gerne, sagt sie. Freut sich, dass sie so wenigstens ein bisschen helfen kann. Denn Sandsäcke schleppen, das schaffe sie nicht mehr. Die Beutel wiegen etwa 20 Kilo. Das überlässt sie lieber anderen.

150 Meter Sandsäcke

Vor ihrer Wohnung haben sich am Mittag zwei lange Menschenketten gebildet, vom Sofa aus hört sie die Befehle, die Funksprüche, die Gespräche. Etwa 450 Menschen seien gekommen, sagt Einsatzkoordinator Jörg Altmeyer. Technisches Hilfswerk, Freiwillige Feuerwehr, Bundeswehr. Und Dutzende Bewohner von Torgau: Kinder, Jugendliche, Senioren. Sie alle sorgen dafür, dass auf 150 Metern Länge Sandsäcke gestapelt werden, vier Schichten übereinander. Denn durch den Druck der Elbe ist der Torgauer Deich in der Nähe des Schlosses aufgeweicht, das Wasser drückt sich durch - der Sand soll die anliegenden Häuser schützen.

Während der Arbeiten wird viel gelacht, es riecht nach Sonnencreme und Schweiß. Wer nicht anpacken kann, backt Kuchen oder sorgt für Wassernachschub. Ängstlich wirkt hier niemand. Vielleicht strahlt diese demonstrative Gelassenheit der Helfer auch auf die direkt Betroffenen ab.

Auch bei der Stadt selbst halten sich die Sorgen in Grenzen. "Wir hatten genug Zeit, uns vorzubereiten", sagt Sprecher René Vetter. Nach der Rekordflut von 2002 seien Pläne entwickelt worden - und nun wisse man genau, an welchen Stellen Deiche verstärkt oder besonders begutachtet werden müssten. Der befürchtete Pegelstand von 9,20 Metern sei also nicht das größte Problem, sagt Vetter. Allerdings solle es etwa fünf Tage dauern, bis er wieder auf acht Meter gesunken sei. Viel Zeit, um die Deiche aufzuweichen.

Beate T. kann es kaum erwarten, bis aus dem braunen Meer vor ihrem Fenster wieder ihre Elbe wird. Tagsüber geben ihr die vielen Helfer Sicherheit. Sorgen dafür, dass sie weiß: Ich muss nicht auf Knien in meinem Keller stehen und Schlamm entsorgen. Aber nachts nimmt das Große, Braune, Wilde überhand. Die Laternen vor ihrem Haus funktionieren nicht. Sie liegt dann in ihrem Bett, es ist stockdunkel. Und von draußen hört sie nur Rauschen. Viel zu laut.

* Name von der Redaktion geändert

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1. Erfrischend skurril
carolian 06.06.2013
Die Merkel in ihrer verknautschten Jacke, die vorne und hinten nicht passt -wie aus einer Obdachlosenspende- aber mit dicken Knöbben und dann noch dieses Monstrum von Bernsteinkette um den Hals, ist völlig passend zur Situaation angezogen. In einem sogenannten Notanzug. Von Gööckler empfohlen, der mag hässliche Dinge. Besser als Nuttenberg im Krampfanzug mit Krawatte in Krundus.
2. Unsachlich, aus Sachsen
guentherprien 06.06.2013
Zitat von carolianDie Merkel in ihrer verknautschten Jacke, die vorne und hinten nicht passt -wie aus einer Obdachlosenspende- aber mit dicken Knöbben und dann noch dieses Monstrum von Bernsteinkette um den Hals, ist völlig passend zur Situaation angezogen. In einem sogenannten Notanzug. Von Gööckler empfohlen, der mag hässliche Dinge. Besser als Nuttenberg im Krampfanzug mit Krawatte in Krundus.
sie können es eben nicht. Leben seit Jahrtausenden an diesen Flüssen und haben nicht kapiert, wie man damit umgeht. Die Niederländer können es ihnen erklären, aber man hört ja nicht auf die Anderen. Weiterso, Fettbämmen mampfen, Schälchen Hässen trinken und anderen beim Orbeidn zuglotzen mit Blumen im Haar. Seltsame Typen dort.
3. Merkel?
till2010 06.06.2013
Ich dachte es geht um Torgau und Liebau. Was zum Henker hat denn Merkel damit zu tun. Bist du verwirrt...
4. die in Passau aber auch nicht...
b5200 06.06.2013
Zitat von guentherpriensie können es eben nicht. Leben seit Jahrtausenden an diesen Flüssen und haben nicht kapiert, wie man damit umgeht. Die Niederländer können es ihnen erklären, aber man hört ja nicht auf die Anderen. Weiterso, Fettbämmen mampfen, Schälchen Hässen trinken und anderen beim Orbeidn zuglotzen mit Blumen im Haar. Seltsame Typen dort.
Na, mal nicht so hochnaesig, gelle. Die in Passau oder Deggendorf mampfen zwar keine Fettbaemmen, aber mit dem Wasser der Fluesse haben sie aber auch nicht umzugehen gelernt, oder? Seltsame Typen dort (ob mit Blumen im Haar oder nicht).
5. Der Spiegel und der Osten
gizmo11 06.06.2013
Man lese sich die Einleitung zum Artikel zum Thema Hochwasser in Torgau nochmals durch ... ja, ja, der dreckige Ossi. Spiegel, wann lässt Du's einfach mal gut sein, es ist nur noch peinlich
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