Hochwasser: Der Norden rüstet sich für die Elbfluten

Hochwasser: Land unter an Flüssen Fotos
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Das Hochwasser stellt Teile Deutschlands weiter vor große Probleme. In Magdeburg steht das Wasser schon höher als bei der Flut 2002. Die nördlichen Bundesländer bereiten sich mit Millionen Sandsäcken auf das Schlimmste vor. Der Überblick.

Hamburg - In Sachsen hat das Hochwasser die höchsten Pegelstände teilweise schon erreicht, nun bedrohen die Fluten zunehmend den Norden Deutschlands.

"Das wird ganz knapp", sagte ein Sprecher des Brandenburger Innenministeriums in der Nacht. Kritisch ist die Lage laut der Koordinierungsstelle Katastrophenschutz vor allem in Mühlberg an der Elbe. Dort stieg das Wasser in der Nacht bis auf 9,88 Meter. Am Freitagmittag soll der Höchststand erreicht werden. Stündlich nimmt der Wasserstand um knapp einen Zentimeter zu. "Die Lage ist ganz, ganz schwierig", sagte Wolfgang Brandt von der Koordinierungsstelle.

Angelegt sind die Deiche in der Stadt auf zehn Meter Wasserhöhe, 2002 stieg das Hochwasser auf 9,98 Meter. Die 2100 Einwohner, die Mühlberg freiwillig verlassen sollten, sind bisher zu großen Teilen geblieben. Das größte Problem ist laut der Koordinierungsstelle nicht die Höhe des Wasserstandes, sondern die Dauer des Hochwassers. Brandt rechnet damit, dass es noch etwa eine Woche lang Druck auf die Deiche ausüben wird.

Auch in Sachsen-Anhalt ist die Lage weiter angespannt. Teile von Bitterfeld und der nahen Gemeinde Muldestausee werden evakuiert. In dem Gebiet leben rund 10.000 Menschen. Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld forderte sie auf, sofort ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Hintergrund: Wegen Sicherungsmaßnahmen am Lober-Leine-Kanal am Seelhausener See erhöhe sich die Gefahr eines Wassereinbruchs in den Goitzschesee. Wenn Wassermassen unkontrolliert in den See laufen, könnten Teile von Bitterfeld überflutet werden.

Der Druck auf die Dämme in Halle an der Saale sinkt, bleibt aber laut dem Krisenstab der Stadt enorm hoch. Am Morgen ging der Pegelstand in Halle-Trotha auf 7,45 Meter zurück. Das waren fast zehn Zentimeter weniger als in der Nacht. Die Entwicklung sei insgesamt positiv. Die Lage stabil, aber weiter sehr ernst.

In Magdeburg hat der Pegelstand der Elbe die Marke des Hochwassers von 2002 überstiegen. Damals wurden 6,72 Meter gemessen, inzwischen sind es 6,97 Meter - und das Wasser soll weiter steigen, der Scheitel wird erst für Sonntag erwartet. Normal sind für die Elbe in Magdeburg knapp zwei Meter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Betroffenen in den Flutgebieten am Donnerstag erneut Unterstützung versprochen. "Ich glaube, dass man sich darauf verlassen kann, dass das Menschenmögliche getan wird", sagte sie bei einem Besuch in Bitterfeld.

Im Kampf gegen die Wassermassen kam am Donnerstagabend in Wittenberg ein 74 Jahre alter Mann ums Leben. Er wurde von einem Baufahrzeug erfasst.

In Sachsen hatte das Elbe-Hochwasser seinen Höhepunkt am Donnerstag erreicht. In Dresden verharrte der Fluss stundenlang bei 8,76 Metern. Seither ist die Situation in der Stadt nach Angaben eines Sprechers stabil. Während Stadtteile im Osten und Westen unter Wasser standen, blieb die historische Altstadt bisher verschont.

In Niedersachsen dürfen die Menschen wieder hoffen: Die Prognosen für die höchsten Pegelstände wurden deutlich nach unten korrigiert. Für die besonders bedrohte Kleinstadt Hitzacker erwartet die Hochwasserzentrale nun für Dienstag und Mittwoch Höchststände von 7,65 Metern - 1,15 Meter weniger als noch vor zwei Tagen. Die auf einer Insel gelegene Altstadt wird trotzdem bis Sonntag evakuiert. "Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Ab einem bestimmten Pegel muss der Landkreis handeln", sagte ein Sprecher des Kreises Lüchow-Dannenberg. Der Kreis geht demnach von einem Pegelstand der Elbe von 8,15 Metern aus.

Im Landkreis Lüneburg waren in der Nacht erneut Hunderte Helfer im Schichtdienst im Einsatz. Nun hätten aber fast alle Deiche die erforderliche Höhe. "Jetzt heißt es, den Status quo zu halten und die weitere Entwicklung abzuwarten", sagte Sigrid Ruth vom Einsatzstab des Landkreises. Bereits eine halbe Million Sandsäcke seien im Kreis Lüneburg gefüllt worden.

hut/dpa/AFP

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1. Gentrifizierung
ernster-august 07.06.2013
Merkel in den überfluteten Gebieten. Das ist Gentrifizierung der Sandsäcke, denn beteiligt an den Schutzarbeiten hat sie sich nicht, zumindest nicht vor der Kamera.
2.
tel33 07.06.2013
es mag zwar ein medienwirksames Bild abgeben, es ist aber sicher nicht Aufgabe einer Bundeskanzlerin Sandsäcke für die Kameras zu befüllen.
3. und?
humpensack 07.06.2013
Zitat von ernster-augustMerkel in den überfluteten Gebieten. Das ist Gentrifizierung der Sandsäcke, denn beteiligt an den Schutzarbeiten hat sie sich nicht, zumindest nicht vor der Kamera.
Und? Was hätte sie den Ihrer Meinung nach machen sollen? Wenn sie Sandsäcke gefüllt hätte, wären doch solche Merkelneurotiker wie Sie wieder auf Konfrontationskurs. "Die tut doch nur so" blablabla.
4.
Reiner_Habitus 07.06.2013
Zitat von ernster-augustMerkel in den überfluteten Gebieten. Das ist Gentrifizierung der Sandsäcke, denn beteiligt an den Schutzarbeiten hat sie sich nicht, zumindest nicht vor der Kamera.
Politiker, die ein bischen für die Galerie arbeiten sind doch nur peinlich. MMan denke da an Putin im Löschflugzeug. Albern. Einer Demokratie unwürdig. Hingehen Flagge zeigen. Mut zusprechen. Das ist es was man von den Politikern verlangt.
5. Wo ist das Geld von 2002?
unixv 07.06.2013
Das GasGerd vollmundig versprochen hatte? In der Beamtenstubbe versickert? nie losgeschickt?
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