Sachsen und Sachsen-Anhalt Ostdeutschland wappnet sich gegen steigende Fluten

Das Hochwasser bahnt sich seinen Weg durch Ostdeutschland. In sächsischen Städten sind Straßen überflutet, auch Sachsen-Anhalt ist inzwischen bedroht. Hoffnung machen die Wettervorhersagen: Der Regen verabschiedet sich langsam.


Hamburg - Im überfluteten Passau ist der Pegel über Nacht leicht gesunken, doch in anderen Teilen Deutschlands stehen die kritischsten Momente noch bevor. So zum Beispiel in Sachsen-Anhalt, wo laut dem Lagezentrum des Innenministeriums für den heutigen Dienstag Rekordpegelstände erwartet werden. Demnach droht dem Bundesland ein noch schlimmeres Hochwasser als bei der sogenannten Jahrhundertflut 2002. Seither seien aber Deiche saniert und erneuert worden - die Situation sei daher nicht vergleichbar.

In Halle war die Lage laut einem Stadtsprecher bereits "dramatisch". Die Saale habe stellenweise die Marke von 7,50 Metern überschritten. In der Plattenbausiedlung Halle-Neustadt liefen wegen des hohen Grundwasserspiegels bereits die Keller voll. Aus dem Raum Hannover sollten 100.000 befüllte Sandsäcke nach Halle gebracht werden (Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen im Liveticker)

In Magdeburg sollte am Dienstagmorgen Katastrophenalarm ausgelöst werden. Dort rechnen die Behörden für die kommenden Tage mit einem dramatischen Anstieg der Elbe. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) betonte, obwohl einige Pegel so hoch stünden wie noch nie, seien die Deiche nach aktuellen Erkenntnissen sicher.

In Sachsen blicken die Menschen ebenfalls sorgenvoll auf die Elbe. In Dresden wurde die erste Elbbrücke gesperrt. Ein Sprecher des Katastrophenstabs beruhigte jedoch: "Bilder wie 2002 von einer überschwemmten Dresdner Altstadt wird es aller Voraussicht nach nicht geben."

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Hochwasser: Fluten in Deutschland
In der Altstadt von Pirna standen erste Straßenzüge unter Wasser, in flussnahen Gebieten musste in der Nacht der Strom abgeschaltet werden. Bewohner wurden aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. "Es gab aber keine Zwangsevakuierungen", sagte Stadtsprecher Thomas Gockel. Notquartiere stünden bereit. Elbaufwärts in der Sächsischen Schweiz wurden die Orte Schmilka und Postelwitz evakuiert. Viele Hotels in Flussnähe mussten schließen.

In Meißen floss das Hochwasser in die Altstadt. Wie eine Sprecherin des Krisenstabs mitteilte, überspülten die Fluten in der Nacht eine Schutzwand. Der Wasserstand habe am Dienstagmorgen bei knapp acht Metern gelegen. Die Schutzwand misst 7,85 Meter. Der Theaterplatz sei bereits überflutet worden. An der tiefsten Stelle stehe das Wasser einen halben Meter hoch, hieß es - Tendenz steigend. Eine Evakuierung sei noch nicht geplant, sagte ein Sprecher des Landratsamtes am Morgen.

"Wir rechnen mit ähnlichem, wenn nicht gar höherem Hochwasser als 2002", sagte Ordnungsamtsleiter Markus Renner. Allerdings seien Stadt und Bürger besser vorbereitet als damals. Meißen sei fluterfahren, sagte Renner mit Verweis auf 2002 und 2006.

Hoffnung macht auch der Wetterbericht: Der Regen zieht mehr und mehr aus Deutschland ab, die Sonne setzt sich weiter durch. "Im Südosten gibt es heute nur noch leichten Regen, der ist aber eher bedeutungslos", sagte ein Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Auch im Osten könne es noch einige Schauer geben, die aber mit Blick auf die Hochwasserlage ebenfalls "unbedeutend" seien. Von Westen her stabilisiere sich das Wetter, verbreitet scheine die Sonne.

In den oberbayerischen Hochwassergebieten beruhigte sich die Lage langsam. Die Pegelstände im Landkreis Rosenheim seien weiter gefallen, die Hilfskräfte rüsteten sich nun für die anstehenden Aufräumarbeiten, sagte ein Sprecher des Landratsamtes.

Allerdings hat die Stadt Regensburg in der Nacht ebenfalls Katastrophenalarm ausgerufen. Der Hochwasserscheitel wurde für 8 Uhr morgens erwartet. Gefahr für die Bewohner bestehe allerdings nicht, sagte eine Sprecherin der Stadt. "Die Strom- und Trinkwasserversorgung funktioniert nach wie vor. Einigen Straßen droht aber Überschwemmung." Die bayerische Staatsregierung will die Folgen der Katastrophe in Passau und Südostbayern mit einem Hilfsprogramm von 150 Millionen Euro lindern.

In Thüringen entspannte sich die Lage. Das Innenministerium meldete sinkende Pegelstände im ganzen Land.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich im Laufe des Tages vor Ort über die Lage in den Hochwassergebieten informieren. Nach einem Besuch in Passau wird sie nach Pirna in Sachsen und Greiz in Thüringen weiterreisen.

hut/dpa



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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
buzzi 04.06.2013
1.
Zitat von sysopDPADas Hochwasser bahnt sich weiter seinen Weg durch Ostdeutschland: In sächsischen Städten stehen Straßen unter Wasser, auch Sachsen-Anhalt ist inzwischen bedroht. Hoffnung machen die Wettervorhersagen - der Regen verabschiedet sich langsam. http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-ostdeutschland-wappnet-sich-fuer-wassermassen-a-903608.html
Wieso steht hier immer Ostdeutschland? Das ist Mitteldeutschland.
unixv 04.06.2013
2. Nanu, Steinbrück noch gar nicht im Osten?
Da kann er doch jetzt prima den Schröder machen, viel sabbeln, nichts tun!
spon-facebook-1007839351 04.06.2013
3. Was tut es zur Sache,
das Halle Neustadt eine "Plattenbausiedlung" ist?!
nilaterne 04.06.2013
4. das ist tragisch
Ich habe selbst einmal so ein Hochwasser als betroffene erlebt. Damals war ich ein Kind, aber es haben etliche Geschäfte nie wieder aufgemacht, auch welche an denen ich hing. Ich hoffe sehr, daß die Hilfen für die betroffen Privatpersonen ausreichend hoch und so unbürokratisch, wie es nur geht wirklich gesichert ist, und nicht blos Lippenbekenntnisse sind.
vdh2711 04.06.2013
5. Bürgerbeteiligung erwartet?
Auweia, nun sind wir wieder auf den Staat und seine Organe angewiesen. Feuerwehr, Polizei...und endlich mal wieder die Bundeswehr! Wo sind denn jetzt die steineschmeissenden Linken, ausländerprügelnde Rechte, Sozialschmarotzer und andere Staatsgegner? Helft mit, sonst bekommt ihr auch immer mehrere tausend Menschen auf die Straße!
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