Deutschlands Flutgebiete: Milliardenschäden - Hochwasserhilfe reicht nicht aus

DPA

100 Millionen Euro Soforthilfe verspricht die Kanzlerin für die Hochwassergebiete. Doch der Deutsche Städtetag schlägt Alarm: Die Summe reiche nicht aus. Allein die sächsische Staatskanzlei rechnet mit Schäden in Höhe von 2,5 Milliarden Euro. In den Krisengebieten an der Elbe rollt jetzt die Flutwelle aus Tschechien an.

Hamburg - Die Hochwasserlage ist in vielen teilen Deutschlands dramatisch. Von den Fluten stark betroffen ist Sachsen. Das Bundesland befürchtet Hochwasserschäden in Milliardenhöhe. Der Leiter des neuen Wiederaufbaustabs in der Staatskanzlei, Fritz Jaeckel, geht von zwei bis zweieinhalb Milliarden Euro aus.

Der Stab will sich um Geld aus dem EU-Solidaritätsfonds für Katastrophenfälle bemühen. Voraussetzung sei eine nationale Schadenssumme von mindestens 3,67 Milliarden Euro, so Jaeckel. Das komme in Sachsen, Bayern, Thüringen und Brandenburg gemeinsam zusammen. EU-Haushaltskommissar Janusz Lewandowski hatte angesichts laufender Haushaltsverhandlungen in Brüssel jedoch gewarnt, diese Kasse sei leer: "Wir sind ohne Mittel, auf jeden Fall für den Solidaritätsfonds", sagte der Kommissar.

Wegen der enormen Schäden hält der Präsident des Deutschen Städtetags, Ulrich Maly, weitere Hilfen der Bundesregierung für erforderlich. Die vom Bund zugesagten 100 Millionen Euro seien als Soforthilfe zur kurzfristigen Unterstützung wichtig, sagte Maly der "Saarbrücker Zeitung". Die Flutschäden dürften aber deutlich höher sein. "Deshalb wird sicher, wenn das ganze Ausmaß sichtbar wird, über weitere Hilfen gesprochen." Zudem mahnte der Städtepräsident eine reibungslose Zusammenarbeit von Bund und Ländern im Interesse der Hochwasseropfer an: "Der Bund muss umgehend mit den Ländern und Kommunen klären, wie die Bürgerinnen und Bürger unbürokratisch gezielte Unterstützung und Finanzmittel erhalten."

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Hochwasser: Die Fluten und die Zerstörung
Die Bundesregierung kündigte bereits an, neben der 100-Millionen-Euro-Soforthilfe ein Kreditpaket der staatlichen Förderbank KfW in gleicher Höhe für Firmen, Kommunen und Privatleute auf den Weg zu bringen. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht versprach den Geschädigten in ihrem Bundesland Land 20 Millionen Euro Soforthilfe.

Die Hochwasserlage im Überblick:

Die Menschen in Sachsen blicken gebannt nach Tschechien. Von dort rollt die Elbe-Scheitelwelle an. Brennpunkte blieben in der Nacht zum Donnerstag Dresden und die Elbkommunen in der Sächsischen Schweiz, so ein Sprecher des Landeshochwasserzentrums. Der Scheitel der Elbe wird in Dresden bereits für den Mittag erwartet. Das Wasser stieg am Mittwochabend auf einen Pegelstand von 8,58 Metern. Auch bei den erwarteten 8,70 Meter bliebe der Fluss unter den 9,40 Metern aus dem Jahr 2002. "Die Pegelstände werden über einen langen Zeitraum in der höchsten Warnstufe bleiben", hieß es jedoch vom Hochwasserzentrum. In der Sächsischen Schweiz sind viele Touristenorte überflutet, darunter Pirna, Meißen und Riesa. Dort werde das Wasser erst am Wochenende den Höchststand erreichen.

In Brandenburg zittert besonders der 4000-Einwohner-Ort Mühlberg im Elbe-Elster-Kreis. Ein Pflegeheim in der Altstadt wurde bereits am Mittwoch evakuiert, rund 2100 Anwohner wurden von den Behörden aufgefordert, freiwillig ihre Wohnungen zu verlassen. Auch der Landkreis Prignitz bereitet sich auf den Ernstfall vor. "Wir wissen auch dort nicht, wie hoch das Wasser stehen wird", sagte ein Sprecher des Krisenstabs in Potsdam. In Nordbrandenburg wird der Höhepunkt der Flutwelle am Wochenende erwartet.

In Niedersachsen steht in den Regionen rund um die Elbe das Schlimmste noch bevor: Zum Wochenende wird mit einem kräftigen Anstieg des Wassers gerechnet. Weil die Pegelstände der Elbe nicht genau vorhergesagt werden können, ist die Lage oft nur schwer berechenbar. Tausende Einsatzkräfte und Anwohner entlang des Flusses bereiten sich bereits auf die kritische Phase vor. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg werden nun Deichwachen Tag und Nacht eingesetzt.

Die Wassermassen hielten in Sachsen-Anhalt auch am Morgen besonders den Raum Bitterfeld und die Stadt Halle im Griff. "Wir hoffen, dass die Deiche halten", sagte eine Sprecherin des Krisenstabs in Magdeburg. In Bitterfeld drohte der angrenzende Goitzschesee über die Ufer zu treten und die Stadt zu überfluten. Ein Deich wurde daher gesprengt, um die Dämme zu entlasten. Entwarnung konnte noch nicht gegeben werden. Auch in Halle wurde wegen der steigenden Gefahr von Dammbrüchen an der Saale eine Evakuierung von bis zu 30.000 Einwohner geplant. Teile der Altstadt wurden bereits überschwemmt und Häuser geräumt, darunter nach Angaben der Stadt Halle zwölf Altenheime.

Aufgeweichte Deiche, die zu brechen drohen, stehen auch in Bayern im Mittelpunkt: In Straubing und Deggendorf kämpften Einsatzkräfte die ganze Nacht, um die Dämme zu stabilisieren. "Es ist alles im Einsatz", sagte ein Sprecher der Stadt Straubing, wo das Hochwasser auf der Donau bereits langsam zurückgeht. Entwarnung gebe es aber trotzdem noch keine - ebenso wenig wie in Deggendorf, wo erst im Laufe des Tages mit sinkenden Wasserständen gerechnet wird.

wit/dpa/Reuters

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insgesamt 153 Beiträge
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1. aufstocken
Hilfskraft 06.06.2013
Zitat von sysop100 Millionen Euro Soforthilfe verspricht die Kanzlerin für die Hochwasser-Gebiete. Doch der Deutsche Städtetag schlägt Alarm: Die Summe reiche nicht aus. Allein die sächsische Staatskanzlei rechnet mit Schäden in Höhe von 2,5 Milliarden Euro. In den Krisengebieten an der Elbe rollt jetzt die Flutwelle aus Tschechien an. Hochwasser: Sachsen befürchtet Milliardenschäden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-sachsen-befuerchtet-milliardenschaeden-a-904044.html)
dann hängt Merkel bestimmt locker noch ein paar Nullen hinten dran. Bei Griechenland und Zypern war sie ja auch großzügig. Nie hatte sie dabei im Sinn, das wir auch mal dieses Geld dringend nötig haben könnten. Edel geht die Welt zu grunde. Merkel hoffentlich auch bald.
2. das war ja klar
Rinax 06.06.2013
...da retten wir mit teurem Geld über hunderte Mrd Euro ein Land nach dem anderen und dann ist für uns im EU-Solidaritätsfonds, im zivilen Katastrophenfall nix drin. Da wird einem schlecht wenn man drüber nachdenkt
3.
-5m 06.06.2013
Vielen Dank. Mit Zahlen habe ich es nicht so..
4. Hilfsfonds
Hilfskraft 06.06.2013
dann werden sicher bald die Hilfsfonds der EU-Nachbarländer aktiviert werden, oder? Oder können wir auf deren Hilfe nicht rechnen, weil man UNS als einsamen permanenten Helfer bestimmt hat? Die EU als Solidargemeinschaft???? Jetzt zeigt sich, wo die "Freunde in der Not" sind! Dank an Merkel und Brüssel, schonmal vorab!
5. 'die kasse sei leer'
rainking 06.06.2013
zumindest, wenn in deutschland geld gebraucht wird. hat jemand etwas anderes erwartet?
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