Unwetter und Hochwasser Schifffahrt auf mehreren Flüssen eingestellt

Auf Oberrhein, Neckar und Mosel dürfen keine Schiffe mehr fahren, im Schwarzwald rutschten Hänge ab: Vor allem in Süddeutschland sind viele Menschen von den Folgen des Dauerregens betroffen.


Heftige Regenfälle nach Sturmtief "Burglind" haben im Süden und Westen Deutschlands Hochwasser und Erdrutsche ausgelöst. Auch die Schifffahrt ist massiv betroffen. Mittlerweile dürfen auf dem Oberrhein bei Karlsruhe keine Schiffe mehr fahren. Auf den Rhein-Nebenflüssen Neckar und Mosel wurde der Verkehr schon zuvor eingestellt. An diesem Wochenende könnte es dann auch Köln treffen.

An der Mosel bei Trier stieg der Wasserstand in der Nacht über die kritische Acht-Meter Marke. In Heidelberg wurde die B37 an der historischen Altstadt gesperrt, weil der Neckar über die Ufer trat.

Auch der Hochschwarzwald ist massiv betroffen. In St. Blasien rutschten Hänge ab. Etwa 150 Menschen wurden in der Nacht in eine Turnhalle gebracht, die meisten konnten bis zum Morgen in ihre Häuser zurückkehren. Verletzt wurde niemand. Ein Geologe soll nun vom Hubschrauber aus das Ausmaß der Schäden begutachten. "Wir müssen wissen, wie die Beschaffenheit der Berghänge aussieht", sagte Bürgermeister Adrian Probst.

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Nach heftigem Regen: Hochwasser und Erdrutsche

Inzwischen hat sich die Lage in Baden-Württemberg etwas entspannt. Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) dankte den mehreren tausend Helfern für ihren Einsatz. Das Ministerium warnte jedoch davor, dass es wegen durchnässter Böden und hoher Wasserstände auch in den kommenden Tagen noch zu Erdrutschen, umstürzenden Bäumen und volllaufenden Kellern kommen könne. Uferbereiche und Wälder sollten nicht betreten werden.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartete bis Freitagabend Dauerregen im Schwarzwald mit 70 bis stellenweise 120 Litern pro Quadratmeter. Dazu kommt, dass Schneemassen in den Höhenlagen wegen der milden Temperaturen schnell wegschmelzen. Im Allgäu wurden Abflussmengen von 50 bis 100 Litern pro Quadratmeter bis zum Abend erwartet. Die Schneefallgrenze soll an den Alpen bis auf etwa 1800 Meter steigen, es gelten Unwetterwarnungen.

Am Pegel Trier lag der Stand laut Holger Kugel vom Hochwassermeldezentrum Mosel in der Nacht zum Freitag fünf Meter über normal. In Kürze werde das Wasser bei 8,50 stehen und über den Tag weiter leicht ansteigen, hieß es am Morgen. Mehrere Gemeinden entlang der Mosel seien dann von Hochwasser betroffen. Beim Hochwassermeldezentrum gingen zahlreiche Anrufe besorgter Bürger ein.

Bei einer Hochwasserübung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in der Nähe des baden-württembergischen Schwäbisch Hall ertrank eine Rettungsschwimmerin im Fluss Kocher. Die 28-Jährige wurde von den Wassermassen mitgerissen, als ihr Boot am Donnerstagnachmittag kenterte.

In Frankreich wird ein Deutscher vermisst. Der ungefähr 70-jährige Mann sei vermutlich ins Wasser gefallen, sagte die Präfektin des Verwaltungsbezirks Haute-Marne, Françoise Souliman. Sein Grundstück in Rouvres-sur-Aube, etwa 60 Kilometer Luftlinie nördlich von Dijon, liege neben dem Hochwasser führenden Fluss Aube.

Sachschäden in dreistelliger Millionenhöhe

Der DWD erwartet für die kommenden Tage trockeneres Wetter. Am Sonntag soll es kaum noch Niederschläge geben, im Norden sogar die Sonne scheinen. Zuvor allerdings fällt weiter Regen vom Himmel, zu rechnen ist damit in einem Streifen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bis nach Sachsen und Brandenburg sowie an den Küsten. An den Alpen soll es schon am Samstag zeitweise blauen Himmel und Sonnenschein geben.

Zugleich wird es kälter, am Samstag sinken die Temperaturen auf Werte zwischen zwei bis zehn und am Sonntag auf ein bis zu neun Grad. Hinzu kommt laut DWD Nordostwind, sodass sich die Luft im Norden wie bei minus zwei Grad anfühlen könnte. In der Nacht auf Sonntag ist im Norden dann Frost möglich.

Das Tief "Burglind" hatte am Mittwoch in Teilen Deutschlands orkanartige Böen und peitschenden Regen gebracht. Nach ersten Schätzungen hinterließ der erste Sturm des neuen Jahres Sachschäden in dreistelliger Millionenhöhe.

bbr/AFP/dpa



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kmgeo 07.01.2018
1. hochwasservermeidund
warum nutzen wir nicht die kanäle ald Puffer für hochwasserlagen und pumpen das Wasser in die richtige Richtung? wenn der rmd-Kanal genutzt würde, um einen Teil des Donau Wassers dort zwischenzulagern, würden die wassermassen der flussabwärtsliegenden zuläufe nicht solche Folgen haben. gilt genauso für Rhein und Mosel
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