Hochwasser Mobile Schutzwände sollen erstmals Atomkraftwerk Krümmel sichern

Die Mitarbeiter des Atomkraftwerks Krümmel bereiten sich auf eine Ausnahmesituation vor. Wenn die Elbe Anfang nächster Woche wie erwartet einen Rekordpegel erreicht, müssen sie die Anlage erstmals mit mobilen Schutzwänden sichern.

Von manager-magazin-online-Redakteur Nils-Viktor Sorge

Kraftwerk mit Elbblick: Das Atomkraftwerk Krümmel bei Geesthacht
DPA

Kraftwerk mit Elbblick: Das Atomkraftwerk Krümmel bei Geesthacht


Hamburg - Die Elbe-Rekordflut macht besondere Maßnahmen zum Schutz des abgeschalteten Atomkraftwerks Krümmel (Schleswig-Holstein) erforderlich. Die Belegschaft sei darauf vorbereitet, erstmals in der Geschichte des Kraftwerks bei Hochwasser die Fluttore zu schließen, sagte ein Sprecher des Betreibers Vattenfall gegenüber manager magazin online. Zudem stehen mobile Schutzwände ("Dammtafeln") bereit, um das Kraftwerk vom Wasser abzuschotten.

"Krümmel verfügt über einen speziellen und umfassenden Hochwasserschutz und ist bestens für alle absehbaren Pegelstände gerüstet", sagte der Vattenfall-Sprecher. "Alle wesentlichen Teile des Kernkraftwerks bleiben dank unserer Vorsorge- und Sicherheitsmaßnahmen trocken und sind geschützt." Die schleswig-holsteinische Atomaufsicht steht mit Vattenfall bereits wegen des Hochwassers in engem Kontakt, wie das Kieler Umweltministerium manager magazin online mitteilte.

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Hochwasser: Kampf gegen die Fluten entlang der Elbe
Die Anlage in Krümmel ist trotz der Stilllegung auf eine verlässliche Stromversorgung angewiesen, um verbrauchte Brennelemente zu kühlen. Nach Angaben der Anti-Atom-Organisation ausgestrahlt lagerten zum Jahreswechsel noch etwa tausend Brennelemente in Abklingbecken.

Für Montag rechnen Experten mit einem Rekordpegel

Die Maßnahmen werden erforderlich, weil die Elbe zwischen Lauenburg und Geesthacht offiziellen Abschätzungen zufolge am Montag einen Rekordstand erreichen soll. Danach schwillt die Flutwelle Experten zufolge weiter an.

Ohne die besonderen Maßnahmen würde das Gelände ab einem Stand von 8,50 Meter geflutet. Um genügend Zeit für die Schutzmaßnahmen zu haben, müssen die Kraftwerksmitarbeiter die Fluttore laut Vattenfall ab einem Pegelstand von 7,80 Meter in Krümmel schließen. Ab 8,20 Meter erreichten sie den offiziellen Schutzbestimmungen zufolge die mobilen Wände.

Für Dienstag rechnet das Schleswig-Holsteinische Umweltministerium mit einem Stand in Krümmel von etwa 8,35 Meter, Tendenz steigend. Das geht aus einer E-Mail des Ministeriums an manager magazin online und Angaben der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hervor. Laut Ministerium wird der Wasserstand in Krümmel etwa zwei Meter unter dem Pegel Hohnstorf liegen, für den die Bundesbehörde einen Rekordstand von 10,35 Meter berechnet hat.

Deichbruch auf anderer Elbseite soll das Schlimmste verhindern

Zuletzt kam das Wasser dem Atomkraftwerk vor gut zwei Jahren nahe. Damals erreichte der Wasserstand "nur" etwa sieben Meter.

"Die Vorsorgemaßnahmen sind im Betriebsreglement fest verankert und genau beschrieben", heißt es im Umweltministerium. Nach dem Reaktorunglück von Fukushima hielt die Reaktorsicherheitskommission des Bundes keine weitergehenden Maßnahmen für erforderlich.

Die Schutzmaßnahmen bieten laut Vattenfall Sicherheit bis zu einem Wasserstand von 9,70 Meter in Krümmel. Sollte das Wasser weiter steigen, droht dem Kraftwerk laut Vattenfall dennoch keine Überflutung. Dann würden die Deiche auf der anderen Elbseite brechen - und der Fluss statt des Atomkraftwerks den gesamten Landstrich südlich des Stroms fluten.

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insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
DeutscherimAusland 05.06.2013
1. Irgendwie, klingt dieser......
letzte Satz: "Dann würden die Deiche auf der anderen Elbseite brechen - und der Fluss statt des Atomkraftwerks den gesamten Landstrich südlich des Stroms fluten." , wie eine, technisch "sogenannte" Soll-Bruchstelle. Ich hoffe in diesem Bereich lebt niemand!?!? Denn, wenn in Dresden es ueber die 9,40m gehtm wonach es entgegen der offiziellen Mitteilungen aussieht, denn in Schoena sind es jetzt 10,46m und von der CZ Seite kommt der Scheitel noch (+ ca 0,40m), zuzueglich der seitlichen Elbe-Zufluesse, dann ergibt das eine "sehr grosse Menge" und die Aecker werden auch nicht viel aufnehmen! Mein Mitgefuehl an ALLE betroffenen und die, die dazu werden!!!
zitrone73 05.06.2013
2. Trocken??
Zitat von sysopDPADie Mitarbeiter des Atomkraftwerks Krümmel bereiten sich auf eine Ausnahmesituation vor. Wenn die Elbe Anfang nächster Woche wie erwartet einen Rekordpegel erreicht, müssen sie die Anlage erstmals mit mobilen Schutzwänden sichern. http://www.spiegel.de/panorama/hochwasser-schutzwaende-sollen-atomkraftwerk-kruemmel-sichern-a-903912.html
Na hoffentlich ist das Abklingbecken für den Atommüll NICHT trocken. Sonst Supergau. Na ja die wissen bestimmt was sie tun.
Flari 05.06.2013
3. Hoffentlich diesmal richtig gerechnet..
Zitat von DeutscherimAuslandletzte Satz: "Dann würden die Deiche auf der anderen Elbseite brechen - und der Fluss statt des Atomkraftwerks den gesamten Landstrich südlich des Stroms fluten." , wie eine, technisch "sogenannte" Soll-Bruchstelle. Ich hoffe in diesem Bereich lebt niemand!?!? Denn, wenn in Dresden es ueber die 9,40m gehtm wonach es entgegen der offiziellen Mitteilungen aussieht, denn in Schoena sind es jetzt 10,46m und von der CZ Seite kommt der Scheitel noch (+ ca 0,40m), zuzueglich der seitlichen Elbe-Zufluesse, dann ergibt das eine "sehr grosse Menge" und die Aecker werden auch nicht viel aufnehmen! Mein Mitgefuehl an ALLE betroffenen und die, die dazu werden!!!
2002 waren die zuständigen Behörden etc. einfach zu dämlich, die erhöhte Fliessgeschwindigkeit bei Hochwasser in ihre Planung zu integrieren. Und natürlich auch zu hochnäsig und arrogant, anderen einfach mal etwas zu glauben. Diverse Schäden durch zu spät angelaufene Massnahmen wären damals vermeidbar gewesen. In welcher Höhe sich eine Flutwelle auswirkt, kommt natürlich immer auf die jeweile Fluss(tal)breite an. Und die ist im Gebirge natürlich immer enger, somit die Pegeldifferenz grösser. "Krümmel" liegt im Flachland. Der gegenüberliegende Deich ist quasi auf Jahrhunderthochwasserhöhe ausgelegt und stellt also keine Sollbruchstelle dar. Für das AKW ist es lediglich "beruhigend", dass bei einem absolut unwahrscheinlichem Megahochwasser-Ereignis das Wasser diesen Deich lange vorher überschwemmt und dadurch die maximale Wasserhöhe lange begrenzen würde, wobei das Kraftwerksgelände eben noch nicht gefährdet wäre.
abominog 05.06.2013
4. Hoffnung
Man kann nur hoffen, dass die Betreiber im Fall einer Katastrophe tatsächlich jede Möglichkeit nutzen, um einen GAU zu verhindern. Mobile Pumpen und Stromaggregate sollten jederzeit bereitstehen, Hubschrauber könnten wichtiges Material schnell zur Unglücksstelle transportieren. Wir sind doch hoffentlich vorbereitet und nicht so naiv und langsam wie unsere japanischen Freunde?
Hugo55 05.06.2013
5. Hoffnungslos
Zitat von abominogMan kann nur hoffen, dass die Betreiber im Fall einer Katastrophe tatsächlich jede Möglichkeit nutzen, um einen GAU zu verhindern. Mobile Pumpen und Stromaggregate sollten jederzeit bereitstehen, Hubschrauber könnten wichtiges Material schnell zur Unglücksstelle transportieren. Wir sind doch hoffentlich vorbereitet und nicht so naiv und langsam wie unsere japanischen Freunde?
- nicht zu wissen, dass Krümmel schon lange abgeschaltete ist.
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