Fluten in Deggendorf: "Es herrscht absolute Lebensgefahr"

Isar und Donau haben Teile des Landkreises Deggendorf meterhoch unter Wasser gesetzt. Zwei Dämme sind gebrochen, mehrere Ortsteile und umliegende Gemeinden wurden evakuiert. Einigen Anwohnern blieb nur die Flucht auf die Dächer.

Deggendorf - Häuser stehen bis zum Dach unter Wasser, Autobahnen verschwinden in den Fluten, etliche Dörfer sind fast komplett vom Umland abgeschnitten: Die Bilder aus dem bayerischen Landkreis Deggendorf sind dramatisch - wie die Lage vor Ort.

Immer wieder starten die Hubschrauber vom Volksfestplatz in Deggendorf zu Einsätzen. Sie retten die vom Hochwasser eingeschlossen Menschen aus dem überspülten Ortsteil Fischerdorf. "Einige sind trotz der dramatischen Lage in ihren Häusern geblieben und warten mittlerweile auf den Dächern auf Hilfe", sagt Einsatzleiter Alois Schraufstetter. Von der Luft aus werden die Eingeschlossenen mit Winden in den Hubschrauber gezogen. Auch per Boot bringen Einsatzkräfte die Anwohner in Sicherheit.

"Es herrscht absolute Lebensgefahr. Die Häuser stehen bis zu drei Meter im Wasser", sagt Schraufstetter, 57, Kommandant der Deggendorfer Feuerwehr. Nach zwei Dammbrüchen mussten die Ortsteile Fischerdorf und Natternberg sowie die Gemeinde Niederalteich evakuiert werden. Etwa 2000 Menschen haben ihr Hab und Gut zurückgelassen. Die meisten sind bei Freunden und Verwandten untergekommen. Nur wenige warten in den Notunterkünften in der Deggendorfer Stadthalle oder in einer Schule.

"Im Erdgeschoss stand es ruckzuck 1,50 Meter hoch"

Gisela und Hans Löfflmann aus Fischerdorf haben bereits am Dienstag ihr Haus verlassen. "Nach dem Dammbruch stieg das Wasser rasend schnell. Im Erdgeschoss stand es ruckzuck 1,50 Meter hoch," sagt die 64-Jährige. Sie hätten nur noch das Nötigste wie Unterwäsche und Kleidung mitgenommen - Möbel, Fernseher oder andere Wertgegenstände in Sicherheit zu bringen, schaffte das Ehepaar nicht mehr. "Es hieß: Wir setzen unser Leben aufs Spiel, wenn wir daheim bleiben", sagt Hans Löfflmann.

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Hochwasser an der Donau: Deggendorf versinkt

Bereits als Jugendlicher hatte der heute 75-Jährige die sogenannte Jahrhundertflut von 1954 erlebt. "Damals habe ich selbst noch geholfen, aber so schlimm wie jetzt war es damals nicht", erinnert er sich. Er ist zwar froh, dass seine Frau und er in Sicherheit sind. Die Sorge um ihr Haus ist ihm aber anzumerken. "Die Garage war komplett unter Wasser, als wir weggebracht wurden. Und wir wissen nicht, ob die Versicherung alle Schäden bezahlt." Das Ehepaar ist zumindest den Anweisungen der Einsatzkräfte gefolgt und damit in Sicherheit.

Schaulustige behindern Helfer

Andere Bewohner harrten dagegen in ihren Häusern aus, obwohl die Fluten die Umgebung in eine gigantische Seenplatte verwandelte. "Selbst jetzt ist nicht jeder bereit, sein Haus zu verlassen", sagt Einsatzleiter Schraufstetter. Dabei sei die Lage äußerst kritisch - inzwischen läuft Öl aus den Heizungstanks, einige Gastanks treiben auf dem Wasser.

Unmittelbar nach dem Dammbruch in Winzer wurden vier Landwirte auf ihrem Traktor von den Wassermassen umspült. Sie hielten sich mit letzter Kraft an dem Fahrzeug fest, bis sie aus der Luft gerettet wurden.

Am Mittag erreichte die Hochwasserwelle der Donau in Deggendorf ihren Scheitelpunkt. Der Landkreis ist nach der Sperrung der Autobahnen A3 und A92 fast vollständig vom Umland abgeschnitten. Die Region sei nur noch über einige wenige Straßen für Helfer und Fahrzeuge zu erreichen, sagte eine Sprecherin des Landkreises. Autofahrer werden gebeten, den Raum Deggendorf großräumig zu umfahren.

Laut Polizei behinderten Schaulustige zunehmend die Helfer beim Kampf gegen das Hochwasser in Niederbayern. "Die Einsatzkräfte vor Ort haben derzeit wahrlich anderes zu tun, als Touristen, die sich selber in Gefahr bringen, zu retten", sagte der Vizepräsident der niederbayerischen Polizei, Anton Scherl.

wit/dpa/Reuters

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1. Es ist ein Drama
spon-facebook-10000338717 05.06.2013
Alle Menschen, welche so etwas erleben bedaure ich. 1954 habe ich selbst ein Hochwasser erlebt. Liefe Betroffene lasst den Kopf nicht hängen - es geht weiter- es muss weiter gehen
2. Glück gehabt
Scaldagali3 05.06.2013
ich wohne in Augsburg,da ist es nicht so schlimm,aber ich muss immer an solche armen Leute denken,die alles aufgeben müssen
3. Es ist ein Drama
spon-facebook-10000338717 05.06.2013
Alle Menschen, welche so etwas erleben bedaure ich. 1954 habe ich selbst ein Hochwasser erlebt. Liefe Betroffene lasst den Kopf nicht hängen - es geht weiter- es muss weiter gehen
4. Aufmunterung
widower+2 05.06.2013
Zitat von spon-facebook-10000338717Alle Menschen, welche so etwas erleben bedaure ich. 1954 habe ich selbst ein Hochwasser erlebt. Liefe Betroffene lasst den Kopf nicht hängen - es geht weiter- es muss weiter gehen
Sie haben recht. Die Betroffenen sollten den Kopf nicht hängen lassen. Angesichts der Zerstörungen und Schäden wird das aber für viele alles andere als einfach sein. Die bisher genannten 100 Millionen Hilfsgelder dürften nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Insgesamt dürfte diese Flut bundesweit Schäden in Höhe von etlichen Milliarden anrichten. Und das sind nur die materiellen Schäden.
5. Warum wurden die zwei Daemme nicht
gandhiforever 05.06.2013
nicht wie in Niederalteich von einem katholischen Geistlichen gesegnet? Dort hat der Zauber doch offensichtlich gewirkt, oder hat jemand anderslautende Informationen?
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