Höchststrafe: Dutroux muss lebenslänglich ins Gefängnis

Der belgische Mädchenmörder Marc Dutroux muss wegen dreifachen Mordes, Vergewaltigung und Entführung lebenslänglich hinter Gitter. Das entschied das Schwurgericht in Arlon. Auch Dutroux' Mitangeklagte müssen langjährige Haftstrafen verbüßen.

Dutroux: "Habe nichts mehr zu gewinnen"
DPA

Dutroux: "Habe nichts mehr zu gewinnen"

Arlon - Gegen Dutroux' Ex-Frau Michelle Martin verhängten die drei Richter eine Freiheitsstrafe von 30 Jahren, gegen seinen Komplizen Michel Lelievre eine von 25 Jahren. Der mitangeklagte Brüsseler Geschäftsmann Michel Nihoul muss fünf Jahre ins Gefängnis.

Unmittelbar vor Verkündung des Strafmaßes hatte Dutroux seine Schuld in wesentlichen Anklagepunkten erneut bestritten. "Ich habe nichts mehr zu gewinnen", sagte er in seinem Schlusswort. Er werde aber bis an sein Lebensende dafür kämpfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Die Jury hatte den 47-Jährigen vergangene Woche des dreifachen Mordes sowie der Entführung, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung von sechs Mädchen schuldig gesprochen. Heute bestritt Dutroux aber erneut, 1995 die damals 17 Jahre alte An Marchal, die 19-jährige Eefje Lambrecks sowie seinen Komplizen Bernard Weinstein ermordet zu haben. Auch die achtjährigen Mädchen Julie und Melissa will er nicht entführt haben. Die anderen Anklagepunkte hat er zugegeben. Als Dutroux neue Beweise vorlegen wollte, ermahnte ihn der Vorsitzende Richter Stephane Goux, seine Schuld sei bereits festgestellt worden.

Dutroux' mitangeklagte Ex-Frau Michelle Martin erklärte noch einmal ihr tiefes Bedauern über das Geschehene. Komplize Michel Lelievre sagte: "Ich werde jedes Strafmaß akzeptieren." Die Geschworenen hatten es als erwiesen angesehen, dass Martin und Lelievre an der Entführung und Freiheitsberaubung der Mädchen beteiligt waren.

Der vierte Angeklagte, der vorbestrafte Betrüger Michel Nihoul, sagte in seinem Schlusswort: "Ich werde Ihr Urteil akzeptieren." Nihoul wurde vom Vorwurf freigesprochen, an der Entführung und Freiheitsberaubung der Mädchen mitgewirkt zu haben. Die Geschworenen urteilten aber, dass er Mitglied einer Bande war, die sich des Menschenhandels, Drogenhandels und Handels mit gefälschten Papieren schuldig gemacht hat. Nihoul galt als mögliches Bindeglied zwischen der Dutroux-Bande und einem Pädophilen-Netzwerk. Diese These wurde mit dem Freispruch der vergangenen Woche entkräftet.

Lebenslang bedeutet in Belgien, dass ein Verurteilter zunächst nicht mit seiner Freilassung rechnen kann. Dutroux dürfte auch nicht darauf hoffen, irgendwann begnadigt zu werden. Berufung gegen das Urteil des Schwurgerichts ist nicht möglich, die Entscheidung kann höchstens wegen eines Verfahrensfehlers angefochten werden.

Der spektakulärste Prozess der belgischen Justizgeschichte hatte am 1. März begonnen. Die vier Angeklagten waren schon im August 1996 festgenommen worden. Die Vermutung, hinter den Entführungen könnte ein Pädophilen-Netzwerk stecken, zog die Ermittlungen in die Länge. In Belgien löste die Affäre eine Staatskrise aus, die zum Rücktritt mehrerer Minister und zur Reform des Polizeiwesens führte.

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