Gerettete Fußballmannschaft in Thailand "Sie wollten nur eine Stunde in der Höhle bleiben"

Fast drei Wochen haben zwölf thailändische Jungen und ihr Fußballtrainer in einer überfluteten Höhle überlebt. Nach ihrer Rettung sind sie wohlauf. Jetzt haben sich Eltern und Helfer geäußert.

Banphot Kokum, Vater von Duangpetch Promthep, zeigt ein Foto seines aus der Höhle geretteten Sohnes
DPA

Banphot Kokum, Vater von Duangpetch Promthep, zeigt ein Foto seines aus der Höhle geretteten Sohnes


Die Freude und Dankbarkeit kann Banphot Konkum nicht zurückhalten. Sein 13-jähriger Sohn Duangpetch Promthep, genannt Dom, gehört zu der thailändischen Fußballmannschaft, die von Militärtauchern aus einer überfluteten Höhle gerettet wurde.

"Ich werde Dom sagen, dass er sich bei allen Menschen in Thailand bedanken muss und all den Menschen aus der ganzen Welt, die freundlich genug waren, ihm zu helfen", sagte Banphot. "Ohne die Navy Seals, die Offiziellen und alle, die geholfen haben, wäre Dom heute nicht hier. Er könnte nicht bei seiner Großmutter sein, und sie hätte sein Gesicht nie wieder gesehen. Er wird von jetzt an ein guter Mensch sein müssen."

Im Video: Animation zeigt Rekonstruktion der Rettung

REUTERS

Die gesamte Mannschaft befindet sich zurzeit noch im Krankenhaus, mit Ausnahme leichter Infektionen sind aber alle Jungen wohlauf und durften schon Besuch empfangen. Dabei berichteten sie ihren Eltern, wie es am 23. Juni zu dem Einschluss gekommen war (Lesen Sie hier einen Text über das Drama in der Höhle und die Show darum). Das Fußballteam hatte geplant, zur Belohnung nach einem Spiel nur einen kurzen Ausflug zu machen, als Monsunregen einsetzte.

"Sie wollten nur eine Stunde in der Höhle bleiben, aber als sie gehen wollten, stieg das Wasser. Deshalb gingen sie tiefer hinein, um sich vor dem Wasser zu retten. Die Strömung war sehr stark", sagte Banphot. Aus der Stunde wurden 17 Tage.

Die Mutter des mit elf Jahren jüngsten Spielers Chanin Wiboonrungruang erzählte der "Bangkok Post", dass ihr Sohn der Mannschaft explizit geraten hätte, kein Essen mitzunehmen, weil es ja ohnehin nur ein kurzer Ausflug werden sollte. "Nach drei Nächten ohne Essen bekam mein Sohn so großen Hunger, dass er anfing zu weinen", sagte sie. "Das Einzige, was sie hatten, war Wasser, das von einem Stein herabtropfte. Es war nachts sehr kalt und stockdunkel. Sie mussten sich eng aneinanderschmiegen."

"Etwas Vergleichbares wurde noch nie gemacht"

Auch die britischen Taucher, die die Mannschaft gefunden hatten, meldeten sich erstmals öffentlich zu Wort. "Etwas Vergleichbares wurde noch nie gemacht", sagte Rick Stanton bei einer Pressekonferenz in London nach seiner Rückkehr aus Thailand. Er sei "natürlich sehr aufgeregt und erleichtert" gewesen, dass die Jungen noch am Leben waren.

Karte Thailand Höhle Überflutung
SPIEGEL ONLINE

Karte Thailand Höhle Überflutung

"Als wir sie das erste Mal gezählt haben, kamen wir auf 13. Das war einfach unglaublich", sagte Stanton. "Und sie sahen gesund aus. Natürlich war das Einzige, woran wir dachten, wie wir sie da rausbekommen sollten. Deswegen mischte sich in die Erleichterung auch Unsicherheit."

Die thailändische Regierung hatte den "British Cave Rescue Council" um Hilfe gebeten, als die Mannschaft verschwunden war. Die Taucher hatten sich am 26. Juni mit Spezialausrüstung aus London auf den Weg gemacht. Am 2. Juli, neun Tage nach Beginn des Martyriums, fanden sie die Jungen. Bis zur erfolgreichen Bergung aller Vermissten vergingen weitere acht Tage.

An der Rettungsaktion beteiligten sich neben den britischen Experten unter anderem auch der australische Arzt Richard Harris und die thailändischen Navy Seals. Zu Ehren des Tauchers Saman Kunan, der ums Leben gekommen war, als er Pressluftflaschen in die Höhle gebracht hatte, werden die Geretteten nach thailändischer Tradition in ein buddhistisches Kloster gehen und dort für eine kurze Zeit als Mönche leben. "Wir suchen nach einem geeigneten Termin und werden es tun, sobald alle Familien bereit sind", sagte Banphot.

mmm/ap

insgesamt 12 Beiträge
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Seraphan 14.07.2018
1. Beeindruckend
Beeindruckend, wie anders die Menschen dort doch sind. Im Westen würde wohl jeder mit Klage drohen, weil es so lange gedauert hat, und man würde die Rettung als Selbstverständlichkeit nehmen. Stattdessen werden die Jungs zum Ausdruck ihrer Dankbarkeit verpflichtet, um dann noch einige Zeit im Kloster verbringen. Das ist genauso stark wie die Rettungsaktion selbst.
dancar 14.07.2018
2. Merkwürdige Grafik des Höhlensystems
Also wenn ich mir die Grafik des Höhlensystems anschaue, dann denke ich, warum sind sie nicht einfach links aus dem Berg rausmarschiert? Die Grafik endet dann aber an einer Stelle, wo die linke Seite unklar ist. Hätte man die Grafik nicht so verlängern können, dass das Problem an der linken Seite erkennbar gewesen wäre?
lostandfound 14.07.2018
3. Und warum waren keine Frauen beim Rettungsteam dabei?
Immer wieder werden Frauen diskriminiert, auch hier, weil sie nicht an der Rettung teilnehmen durften. Und das gilt auch für multikulturelle und Transgender-TaucherInnen im Rettungsteam, und auch bekennend lesbischen Frauen. Sie hätten genauso gut oder vielleicht sogar besser retten können, aber man lässt sie einfach nicht. In Zukunft muss dafür gesorgt werden, dass eine angemessene Quote für all diese Gruppen bei den publizitätsträchtigen Aktionen dabei sein darf. Und nicht nur da! Auch die Feuerwehren sollten geschlechtergerecht besetzt werden. Bei der Polizei ist man ja auch schon soweit. Und da zeigte sich, dass Polizistinnen, die nur 1,60 m groß sind, genau so leistungsfähig sind wie ihre männlichen Kollegen und bei gewalttätigen Demonstrationen und Auseinandersetzungen mit Randalierern Ihre Frau stehen.
spontanistin 14.07.2018
4. Viele offene Fragen bleiben!
Wer nur einen Höhlenbesuch für eine Stunde plant, geht nicht vier und mehr Kilometer in eine Höhle und zwängt sich noch durch extreme Engstellen. Wenn die Höhlenskizze richtig ist, wäre für die Nichtschwimmer ein Abwarten auch in 1 km Entfernung vom Höhleneingang vor der ersten Wasseransammlung möglich gewesen. Angesichts der Wettersituation einfach nur bodenloser jugendlicher Leichtsinn, da ja die Höhle und deren Gefahren nicht unbekannt waren. Der Trainer hat letztlich unverantwortlich agiert.
ColynCF 14.07.2018
5.
"Er wird von jetzt an ein guter Mensch sein müssen." Das ist eine verdammt schwere Last für einen 11-16 Jährigen, das er sein Leben lang mitschleppen soll. Die Sache mit dem Kloster halte ich aber für eine sehr gute Sitte. Dabei kann man sich hoffentlich auch von dieser Bürde und den posttraumatischen Belastungen befreien. Manchmal kann Religion auch was gutes bewirken. Das hilft dann auch mehr als 1000 Stunden Gespräche bei einem Psychologen.
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