Holland Bereits acht Tote nach Brandkatastrophe

Bei der Brandkatastrophe in der niederländischen Stadt Volendam sind bislang acht Menschen gestorben. 90 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Die Ärzte befürchten für die nächsten Tage weitere Tote.


Den Haag - Das neue Jahr war noch keine Stunde alt, als in der Bar "Kleiner Himmel" im holländischen Touristendorf Volendam die Katastrophe ausbrach. Feuer raste blitzschnell durch den dreigeschossigen Gaststättenkomplex am Deich und schuf das Inferno. Die vorläufige Bilanz: mindestens acht Tote, 130 zum Teil lebensgefährlich Verletzte.

Zahlreiche Brandopfer wurden medizinisch versogt
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Zahlreiche Brandopfer wurden medizinisch versogt

"Gerade hatten wir noch herrlich gefeiert, und da - bumm - war das Licht aus", schilderte Stunden später ein Überlebender. Mit noch bebender Stimme gab er einen Eindruck von dem, was sich unter den etwa 500 jugendlichen Gästen abgespielt hatte. Schreiend drängten viele zur Treppe, andere stürzten auf Fenster zu. Wer sich nicht auf den Beinen halten konnte, wurde niedergetrampelt. Fensterscheiben wurden eingeschlagen, einige sprangen in Todesangst auf den Weg vor dem Haus. Überlebende schilderten später, dass Notausgänge versperrt gewesen seien. Andere bestritten das.

Vor dem Haus, in dem noch die Gaststätten "Blokhut" und "Wir War" untergebracht sind, herrschte Chaos. Junge Leute im Schock, viele mit rauchgeschwärzten Gesichtern, zerrissenen Kleidern und deutlich sichtbaren Brandwunden, irrten umher. Manche rangen nach Luft. Ihre Atemwege waren von den Rauchschwaden angegriffen. Viele mussten künstlich beatmet werden.

Rettung kam relativ schnell in Gang

Erste Hilfe kam von Nachbarn. "Da stand das Mädchen mit den verbrannten Händen. Die haben wir erst mal in einen Eimer Wasser gehalten", schilderte einer von ihnen den Reportern. Andere bescheinigten den Nachbarn, sie hätten "Wunderbares getan". Die Rettung kam relativ schnell in Gang - aber der gerade erfolgte Jahreswechsel und die Lage Volendams machten die schnelle Anfahrt der Rettungsfahrzeuge nicht leichter. Mehr als drei Stunden dauerte es, ehe der letzte Verletzte in ein Krankenhaus gebracht worden war. Aber da wussten viele in Volendam nicht, wo Angehörige geblieben waren. Für manche Eltern dauerte die Ungewissheit noch Stunden an.

Der Ort des Grauens war nach dem Abtransport des letzten Opfers schon am Morgen abgesperrt. Mit Spanholzplatten waren Fenster und Türen verriegelt, damit die Ermittler nicht bei der Suche nach der Brandursache gestört würden. Während sie die ausgeglühte Flammenhölle durchsuchten, klangen die Kirchenglocken in Volendam wie an jedem Feiertag. In der Kirche wurde für die Opfer der letzten Nacht gebetet.

"Das ist deren Problem."

Derweil ging der Tourismusbetrieb im einstigen Fischerdörfchen weiter, als sei nichts gewesen. Busse brachten aus Amsterdam wie auch sonst an jedem Tag Reisende, die sich an der in Prospekten ausführlich beschriebenen malerischen Szenerie ergötzten. Ob es sie nicht berühre, dass sich in der Nacht hier eine Katastrophe ereignet hatte, fragte ein Rundfunkreporter eine Besucherin in englischer Sprache. "Das ist deren Problem. Wir sind Touristen", lautete die überraschende Antwort.

Von Edgar Denter, dpa



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