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05. Oktober 2017, 16:20 Uhr

Hunde-Fotobuch

Maulhelden

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Wenn Hunde nach Leckerlis schnappen, drückt Christian Vieler ab: Im Interview spricht der Fotograf über die faszinierenden Aufnahmen. Ein Bild erinnert ihn an ein expressionistisches Meisterwerk.

SPIEGEL ONLINE: Herr Vieler, wie sind Sie auf den Hund gekommen?

Vieler: Sowohl auf den Hund als auch auf die Fotografie durch meine Labradorhündin Lotte, die bald zwölf wird. 2011 habe ich mir meine erste Spiegelreflexkamera gekauft. Um Freunde und Familie zu schonen und ihnen schlechte Bilder zu ersparen, habe ich meine ersten Fotoversuche mit Lotte gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Entstanden so auch die ersten "Schnappschüsse"?

Vieler: Ja, ich wollte wie ein kleiner Junge alles Mögliche ausprobieren - unter anderem ein Blitzsystem, um Bewegungen besser festhalten zu können. Lotte musste als Model herhalten, wollte sich aber partout nicht bewegen. Sie ist ein sehr gechillter Hund. Also habe ich ihr Leckerlis zugeworfen, um sie auf den Fotos in der Bewegung einfrieren zu können. Dass diese Bilder ziemlich cool aussehen, habe ich eher zufällig beim Aufräumen der Festplatte gemerkt.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie an die vielen anderen Hunde-Fotomodels herangekommen?

Vieler: Das lief anfangs ein bisschen wie bei so manchem Versicherungsmakler. Erst bedient man Freunde und Familie, dann weitet man die Kreise aus. Irgendwann kamen dann die Leute auf mich zu und sagten: "So was will ich auch von meinem Hund haben." Und schließlich wurde aus den "Schnappschüssen" ein Social-Media-Phänomen, meine Facebook-Seite ist quasi explodiert. Es gab Reaktionen aus aller Welt.

SPIEGEL ONLINE: Wann fiel die Entscheidung, das Hobby zum Beruf zu machen?

Vieler: Ich habe erst seit gut einem Jahr ein eigenes Fotostudio. Vorher lief die Fotografie immer nebenbei. Doch als die "Schnappschüsse" so erfolgreich liefen, habe ich den Wechsel gewagt.

SPIEGEL ONLINE: Was fasziniert Sie selbst an den Bildern?

Vieler: Ich freue mich immer wieder, wenn ich auf die Ergebnisse schaue. Man glaubt, in den Momentaufnahmen die Emotionen der Hunde zu erkennen - Freude, Verlangen, Panik. So deutlich können Hundebesitzer das im Alltag eher selten erleben.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Hunderassen, die besonders dankbare Models sind?

Vieler: Vor ein paar Monaten hätte ich noch gesagt, Labradore sind vor meiner Kamera die unkompliziertesten Charaktere. Aber zuletzt hatte ich dann doch auch mal ein paar sensiblere Kandidaten, die sehr ängstlich auf das Klacken der Kamera, den Blitz und den Schirm reagiert haben. Mit den meisten Hunden ist das Fotoshooting aber ein Klacks. Letztlich ist es eine sehr individuelle, von der Rasse unabhängige Geschichte, ob ein Hund gut mitmacht oder nicht.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie ein Lieblingsbild?

Vieler: Zwei! Einmal das Foto von Lotte in dem Buch. Es gibt bestimmt viel bessere Fotos, aber mit ihr hat alles angefangen. Und dann die Dogge auf dem Buchcover. Die erinnert mich irgendwie an das Bild "Der Schrei" von Edvard Munch.

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