Tierfotograf Paul Croes "Ich tue nichts, was einen Hund dämlich aussehen lässt"

Paul Croes ist einer der erfolgreichsten Hundefotografen, gemeinsam mit seiner Frau reist er für Shootings um die Welt. Ein Gespräch über die Wünsche der Kunden und die besondere Schönheit ihrer Tiere.

Paul Croes & Inge Nelis

Ein Interview von


Die Models, mit denen Paul Croes und Inge Nelis arbeiten, sind außergewöhnlich schön. Sie waren beim Friseur und wurden herausgeputzt vor dem Termin, man sieht es ihnen an. Das Paar aus Belgien setzt Hunde aller Rassen fotografisch in Szene, lichtet sie vor dunklen, handgemalten Hintergründen ab, damit die Porträts wie alte Gemälde aussehen.

Wenn Croes und Nelis in einer Stadt ihr Fotostudio aufbauen, sind die Termine oft schon Wochen vorher ausgebucht: Sehr viele Frauchen und Herrchen wollen ihre Lieblinge von dem Paar ablichten lassen.

Inge Nelis und Paul Croes
Paul Croes & Inge Nelis

Inge Nelis und Paul Croes

SPIEGEL ONLINE: Wie kommt man dazu, hauptberuflich Hunde zu porträtieren?

Paul Croes: Ich habe 15 Jahre in der Modefotografie gearbeitet, das ist ein hartes Geschäft. Gerade in Belgien ist es schwierig, in dieser Branche zu überleben. Vor allem, wenn man ein Perfektionist ist. Vor sieben Jahren kam ich eher durch Zufall dazu, einen Hund unter Studiobedingungen zu fotografieren. Der gehörte einem Freund. Seither bin ich dabeigeblieben. Meine Frau ist gelernte Köchin, aber sie hat ihren Beruf aufgegeben und arbeitet nun mit mir. Das passt ganz gut, da wir viel durch die Welt reisen.

SPIEGEL ONLINE: Sie fotografieren Hunde in aller Welt?

Croes: Ja, wir reisen etwa sechs Monate im Jahr herum, überwiegend durch Europa und die USA. Asien war noch nicht dabei, aber wer weiß, vielleicht kommt das noch. Die anderen sechs Monate sind wir zu Hause in Belgien und bearbeiten die Bilder. Deshalb kann es auch mal zehn Wochen dauern, bis die Kunden ihre Aufnahmen erhalten.

SPIEGEL ONLINE: Sie nennen sich Tierfotograf. Sie arbeiten also nicht nur mit Hunden?

Croes: Genau, allerdings habe ich zu 99 Prozent mit Hunden zu tun. Ich würde gerne öfter andere Tiere fotografieren, Ziegen, Schafe, was auch immer. Selten kommen Besitzer von Katzen und wollen Bilder von ihren Lieblingen. Aber Katzen harren nicht so gerne im Studio aus. Sie kommen meist in einer Transportbox an, die sie sonst nur von Tierarztbesuchen kennen. Deshalb sind sie oft von vornherein verängstigt. Hunde haben dagegen bei einem Shooting eine halbe Stunde Zeit, sich an das neue Umfeld zu gewöhnen. Dann klappt es in fast allen Fällen ganz gut. Nur wenige Hunde kommen mit dem Blitzlicht nicht klar.

Inge Nelis: Wir hatten es auch schon mit Kaninchen oder Schlangen zu tun.

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15  Bilder
Hundefotograf Croes: "Wir setzen das Tier so ins Licht, dass es schön ist"

SPIEGEL ONLINE: Wer sind Ihre Kunden?

Nelis: Fast ausschließlich Frauen. Sie wollen Porträts von ihren Hunden, oft auch von sich mit ihrem Tier. Und wenn mal ein Mann einen Termin ausmacht, dann ist es fast immer ein Geschenk für seine Frau.

Croes: Oder es sind Homosexuelle. Heterosexuelle Männer sind bemerkenswert selten unsere Kunden. Interessant ist auch: Bei Paaren oder Familien, die zu uns kommen, liebt meist derjenige den Hund am meisten, der ihn ursprünglich am wenigsten haben wollte. Das liegt sicher daran, dass Hunde eine Begabung dafür haben, gerade bei diesen Menschen die Herzen zu erobern.

SPIEGEL ONLINE: Sind die Hunde Kinderersatz für Ihre Kunden?

Nelis: In manchen Fällen vielleicht, aber man kann das nicht verallgemeinern. Auf jeden Fall spielen sie eine wichtige Rolle im Leben dieser Menschen. Ja, ich denke schon, dass sie für manche so etwas wie ein Kinderersatz sind. Viele Menschen legen sich auch im Alter einen Hund zu, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

SPIEGEL ONLINE: Ist das, was Sie anbieten, ein Luxusprodukt?

Croes: Die Frage ist ja: Was ist bei einem Haustier ein Luxus? Ein Welpe ist zunächst einmal das wert, was er kostet. Dann lebt der Hund zehn, fünfzehn Jahre bei seinen Besitzern. Wenn es am Ende die Möglichkeit gibt, sein Leben mit Hilfe einer Operation für 5000 Euro um drei Monate zu verlängern, sind die meisten Menschen bereit, das Geld auszugeben. Das Tier ist dann längst ein Familienmitglied.

SPIEGEL ONLINE: Welche Hunde lassen sich am besten fotografieren?

Croes: Das kann man nicht sagen, es wäre auch falsch, nach der Rasse zu gehen. Man kann ja auch Menschen nicht über einen Kamm scheren.

Nelis: Wir fotografieren oft Jagdhunde, Windhunde, eigentlich sind alle Rassen dabei.

SPIEGEL ONLINE: Aber überwiegend schöne, ästhetische Tiere, oder?

Nelis: Keineswegs. Das ist ja das Schöne im Vergleich zur Modefotografie: Es spielt keine Rolle, ob das Model alt ist, zu dick oder zu dünn oder ob ihm ein Fuß fehlt. Wir setzen das Tier so ins Licht, dass es schön ist.

Croes: Es gibt drei Linien bei Hunden: die Arbeitshunde, dazu zählen Jagd-, Rettungs-, Such- und Blindenhunde; dann die Schönheitshunde, bei denen das Äußere wichtig ist und die von Wettbewerb zu Wettbewerb ziehen; und schließlich die Familienhunde, also die klassischen Haustiere, bei denen es vor allem auf den guten Charakter ankommt. Wir fotografieren alle. Als Fotograf lege ich natürlich Wert auf Ästhetik, und die arbeiten wir bei allen heraus. Ich tue nichts, was einen Hund komisch oder dämlich aussehen lässt. Wir suchen die Schönheit der Hunde.

SPIEGEL ONLINE: Stimmt es eigentlich, dass Hund und Halter sich oft sehr ähnlich sehen?

Croes: Ja.

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