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Hunde in Thailand: Zur Delikatesse verdammt

Von Karl-Ludwig Günsche, Bangkok

In Deutschland werden sie als Haustiere verhätschelt, doch in vielen asiatischen Ländern landen die besten Freunde des Menschen auf der Speisekarte exquisiter Restaurants. Vor allem das Fleisch schwarzer Hunde gilt als Aphrodisiakum. Die Haut wird den Tieren oft bei lebendigem Leib abgezogen.

Thailand: Die grausamen Methoden der Hundefleisch-Mafia Fotos
AP

Karin Hawelka irrt durch die Gassen von Sanpatong. "Mii Boon" ruft sie wieder und wieder - zunehmend verzweifelt. "Mii Boon" ist ein Straßenhund. Kurz vorher ist er aus einem der grausamen Tiertransporte gerettet worden, in denen jährlich Tausende seiner Artgenossen über die thailändische Grenze nach Laos und dann weiter nach Vietnam geschmuggelt werden. Dort enden sie dann in den Kochtöpfen von sogenannten Feinschmeckerlokalen.

"Mii Boon" hatte zunächst Glück. Karin Hawelka, die seit fast sechs Jahren in Chiang Mai ein Tierheim unterhält und die Tierschutzorganisation "Care for Dogs" aufgebaut hat, fand neue Besitzer für ihn. Doch kaum hatten diese für einen Moment vergessen, die Haustür zu schließen, war "Mii Boon" weg. Nun suchen die Deutsche und ihr thailändischer Mitarbeiter Chaay ihn. Sie hängen Plakate auf, sprechen mit den Menschen auf den Straßen, befragen Mönche. Vergeblich.

"Mii Boon" finden die beiden Tierschützer nicht. Stattdessen entdecken sie in Sanpatong auf dem Herd eines Straßenrestaurants die berüchtigten schwarzen Tontöpfe, die Eingeweihten signalisieren: Hier gibt es Hundefleisch. Die Besitzerin des kleinen Restaurants zeigt ihnen stolz das Curry, das in dem schwarzen Topf schmurgelt - und entschuldigt sich. Normalerweise biete sie auch gegrilltes Hundefleisch an. Doch das sei im Moment knapp. Deshalb habe sie leider nur das Curry auf der Speisekarte.

Es gilt als gesellschaftliches Tabu, aber für viele Thailänder ist Hundefleisch immer noch eine Delikatesse. Es gilt als Energiespender und Aphrodisiakum. Vor allem schwarze Hunde sind begehrt: Ihr Fleisch soll besonders anregend wirken. In den Dörfern rund um Chiang Mai und Chiang Rai in Thailands Norden und vor allem im armen Isaan im Nordosten reichen Mütter die traditionellen Rezepte zur Zubereitung von Hundefleisch an ihre Töchter weiter. Es wird gegrillt, gebraten, gekocht, gesotten. "Hauptsache es wird gut gewürzt und mit Kräutern zubereitet, damit der starke Geruch überdeckt wird," sagt eine Restaurantbesitzerin. "Dann ist es köstlich."

Jeder weiß es, niemand spricht gerne darüber

Die Methoden, mit denen die Hunde umgebracht werden, sind barbarisch: Sie werden vor ihrem Tod gequält und geschlagen. Meist wird ihnen das Fell noch bei lebendigem Leib abgezogen. Die Todesängste, die die Tiere dabei ausstehen, führen zur vermehrten Adrenalinausschüttung - und machen das Fleisch angeblich zarter und schmackhafter.

Das Zentrum des illegalen Hundehandels in Thailand ist die kleine Stadt Tha Rae in der Provinz Sakon Nakhon. 17 Hundeschlachtereien mit insgesamt rund 300 Mitarbeitern gibt es dort laut offiziellen Angaben. Sie produzieren pro Tag vier Tonnen Hundefleisch. Jeder weiß es, niemand spricht gerne darüber.

Doch seit die Polizei im August vergangenen Jahres in der Provinz Nakhon Phanom eine Gang stellte, die 1800 Hunde über den Mekong nach Laos schmuggeln wollte, ist es vorbei mit der Heimlichtuerei, dem Schweigen und Wegschauen. Fast jeden Monat berichten die thailändischen Zeitungen seitdem über neue Hundetransporte, die im Grenzgebiet zu Laos von der Polizei aufgebracht werden. Mal sind es 800, mal 600, mal auch nur 120 Tiere.

Fotos der gequälten Hunde in den engen Drahtkäfigen riefen nicht nur die Tierschützer auf die Barrikaden. Viele Thailänder sind entsetzt und spenden spontan Geld zur Rettung der Tiere. Tierschutzorganisationen wie Karin Hawelkas "Care for Dog" in Chiang Mai und die "Soi Dog Foundation" des britischen Rentnerpaares Gill und John Dalley in Phuket machen mobil.

Der frühere Gouverneur der Provinz Sakon Nakhon, Panchai Borvornratanapran, hatte sich gleich nach der Verhaftung der Schmugglerbande an die Spitze der Bewegung gestellt. Er wollte Handel und Verkauf von Hundefleisch in seiner Provinz verbieten. Doch gegen die alteingesessene Hundefleisch-Mafia hatte der Gouverneur keine Chance. "Für die Menschen hier ist dieser Handel ihre Lebensgrundlage," sagte Sawong De-chalert, ein pensionierter Englischlehrer, der jetzt die Lobby der Hundeschlächter von Tha Rae anführt. "Außerdem ist das ein ehrenwerter Beruf."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1.
hochbetagt 20.02.2012
Zitat von sysopAPIn Deutschland werden sie als Haustiere verhätschelt, doch in vielen asiatischen Ländern landen die besten Freunde des Menschen auf der Speisekarte exquisiter Restaurants. Vor allem das Fleisch schwarzer Hunde gilt als Aphrodisiakum. Die Haut wird den Tieren oft bei lebendigem Leib abgezogen. Hunde in Thailand: Zur Delikatesse verdammt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,812982,00.html)
Warum kümmert es niemanden, dass bei uns zu Tausenden die Schweine und Hühner getötet werden? Das ist wahrscheinlich nicht nur ein Millionen-, sondern ein Milliardengeschäft!?
2.
Thraex 20.02.2012
Zitat von sysopAPIn Deutschland werden sie als Haustiere verhätschelt, doch in vielen asiatischen Ländern landen die besten Freunde des Menschen auf der Speisekarte exquisiter Restaurants. Vor allem das Fleisch schwarzer Hunde gilt als Aphrodisiakum. Die Haut wird den Tieren oft bei lebendigem Leib abgezogen. Hunde in Thailand: Zur Delikatesse verdammt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,812982,00.html)
Für Hunde und Katzenfreunde nicht nachzuvollziehen, deshalb habe ich mir weder den Bericht noch die Bilder dazu angeschaut. Ich hab 2x gesehen wie die Robbenjagt von statten geht, seit dem bekomme ich die Bilder nicht mehr aus meinem Kopf. Schlimm wozu Menschen fähig sind, Menschen sind eindeutig die schlimmsten Tiere! Und ja, ich bin Fleischesser, boykotiere aber die Hersteller die bekanntermaßen scheiße mit den Tieren umgehen, natürlich kann ich nicht jeden Schlachthof besuchen. Ich bin auch gegen die europaweiten Tiertransporte, muss auch nicht sein. Aber wie überall, wir kleinen Bürger und Verbrauchen haben wenig einflussmöglichkeiten, leider.
3. Unsere Essenskultur
mikestichel 20.02.2012
Ist es wirklich einen Bericht wert, das es in anderen Ländern Hund auf der Speisekarte gibt? Die Moslems essen kein Schwein, wir tun es. In Indien ist die Kuh heilig, wir verspeisen sie in rauhen Mengen. Wieso müssen wir immer mit unseren Maßstäben messen? Wir werben für Tierfutter. In den großen Supermärken gibt es ganze Regalzüge mit Tierfutter, für die liebsten Haustiere, welche nicht selten in viel zu kleinen Wohnungen gehalten werden. Tierschützer machen sich auf in die abgelegensten Ecken dieser Erde um Hund oder Katze zu retten, ohne sich mit der Kultur der Menschen und ihren dortigen Nöten zu beschäftigen. Laßt die Menschen auf der Welt das Essen, was sie möchten! Überdenken wir doch erst mal unsere Lebensmittelsituation hier daheim.
4. Suchen/Ersetzen "Hund" -> "Schwein"
Vier 20.02.2012
Wenn ich das Wort "Hund" mit "Schwein" oder Ferkel, oder Kalb, oder Hähnchen ersetze, ist der Text akzeptabel (Ich kann mir vorstellen, dass auch Schweine dort (so sie denn gegessen würden) unter nicht besonders tierfreundlichen Umständen befördert werden.). Ich glaube den Absatz mit dem "Adrenalin macht das Fleisch zart" nicht, denn die Angststoffe, die der Körper bei Panik freisetzt, sind bei allen mir bekannten Tierarten NICHT besonders lecker.
5. Andere Kulturkreise
gsm1800 20.02.2012
Zitat von ThraexFür Hunde und Katzenfreunde nicht nachzuvollziehen, deshalb habe ich mir weder den Bericht noch die Bilder dazu angeschaut. Ich hab 2x gesehen wie die Robbenjagt von statten geht, seit dem bekomme ich die Bilder nicht mehr aus meinem Kopf. Schlimm wozu Menschen fähig sind, Menschen sind eindeutig die schlimmsten Tiere! Und ja, ich bin Fleischesser, boykotiere aber die Hersteller die bekanntermaßen scheiße mit den Tieren umgehen, natürlich kann ich nicht jeden Schlachthof besuchen. Ich bin auch gegen die europaweiten Tiertransporte, muss auch nicht sein. Aber wie überall, wir kleinen Bürger und Verbrauchen haben wenig einflussmöglichkeiten, leider.
haben sich eben doch nicht dem simpeln Multikluti-Gemüt deutscher Gutmenschen angepasst.
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