Eingeschneit: Autofahrer sitzen über Nacht auf A72 fest

Der Winter hat Deutschland fest im Griff, in weiten Teilen herrschen Schnee und Eis. Hunderte Autofahrer haben die Nacht auf der A72 bei Chemnitz verbracht. Ihre Fahrzeuge schneiten nach einem Unfall auf glatter Fahrbahn in kilometerlangen Staus ein.

Winter in Deutschland: Eine Nacht im Auto Fotos
DPA

Hamburg - Mehrere hundert Autofahrer haben die Nacht auf der Autobahn 72 bei Chemnitz verbracht. Ihre Fahrzeuge schneiten auf glatten Fahrbahnen in kilometerlangen Staus ein. Auslöser war ein Unfall am Montagnachmittag, bei dem eine Frau bei Stollberg mit ihrem Auto ins Schleudern geraten und quer stehengeblieben war. Drei nachfolgende Lastwagen fuhren auf. Wegen der Bergungsarbeiten wurde die Autobahn für mehr als sechs Stunden gesperrt.

Zwar war die Unfallstelle am späten Abend geräumt, dann aber fiel neuer Schnee, und wieder blieben Fahrzeuge stecken. Zeitweise war der Stau Richtung Hof rund 20 Kilometer lang. Zusätzliche Probleme entstanden, weil die Rettungsgasse auf der Autobahn blockiert war. Die Räumfahrzeuge kamen nicht durch, auch drei Schneepflüge blieben stecken.

Der Stau löste sich erst in den Morgenstunden auf. Dann kam es aber an der Anschlussstelle Chemnitz-Süd erneut zu Behinderungen, weil Lastwagen liegenblieben. Es bildete sich erneut ein kilometerlanger Stau. Schneewehen blockierten auch andere Autobahnen und Nebenstrecken in Sachsen.

Eiskratzen, Schneeschippen, über Bürgersteige schliddern - und dann doch zu spät kommen. In weiten Teilen Deutschlands war der Weg zur Arbeit am frühen Morgen recht beschwerlich. In Hamburg hatten der Schneefall vom Vorabend und die Minusgrade der Nacht ungünstige Verkehrsbedingungen geschaffen, in Hannover wurde Radfahren zur Rutschpartie.

Ein vermisster 41-Jähriger hat enormes Glück gehabt: Der Mann konnte nach mehreren Stunden in der Kälte gefunden worden - dank seiner Fußspuren im Schnee. Die Polizei suchte unter anderem mit einem Hubschrauber in Baden-Württemberg nach dem Vermissten, der Durchbruch gelang dann aber am Boden: Beamte entdeckten auf schneebedecktem Waldboden Fußspuren und fanden den unterkühlten und hilflosen 41-Jährigen. Der geistig behinderte Mann war am Montagabend in Heiligkreuzsteinach im Rhein-Neckar-Kreis nach einem Streit mit seinem Betreuer weggelaufen, wie die Polizei in Heidelberg mitteilte. Der Mann habe mehrere Stunden in der Kälte ausharren müssen, bevor er gefunden worden sei.

Weniger über Spuren im Schnee dürften sich zwei Einbrecher im sächsischen Hoyerswerda gefreut haben. Ein 29-jähriger Mann und seine gleichaltrige Lebensgefährtin waren am Sonntagabend in eine medizinische Fachschule eingebrochen, wie die Polizei in Görlitz mitteilte. Frische Schuhspuren im Schnee führten die Beamten direkt vor die Wohnungstür der Diebe. Laut Polizei gestand der 29-Jährige die Tat und gab die Beute, einen Laptop im Wert von etwa 800 Euro, wieder heraus.

Erstes Eis in Ostseehäfen

In Österreich war es Montagabend auf der Bundesstraße zwischen Mondsee und St. Gilgen bei dichtem Schneetreiben zu einem schweren Verkehrsunfall mit einem Reisebus gekommen. 19 deutsche Reisende wurden leicht und die Leiterin aus Salzburg schwer verletzt. Ein mit Schotter beladener Lastwagen war laut Polizei auf schneeglatter Fahrbahn ins Rutschen geraten und in den entgegenkommenden Bus geschlittert.

Im Rheingau-Taunus-Kreis knallte am Montagabend ein Linienbus auf schneeglatter Fahrbahn gegen ein freistehendes Lagerhaus. Der 49 Jahre alte Busfahrer hatte an einer Kreuzung die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, kam nach links von der Fahrbahn ab und krachte frontal gegen die Wand des Gebäudes. Der Mann zog sich dabei leichte Verletzungen zu, Fahrgäste befanden sich nicht in dem Bus. Das Haus wurde bei dem Unfall stark beschädigt. Die Feuerwehr musste die Gebäudefront abstützen und Teile der Mauer einreißen, um ein Herabstürzen zu verhindern.

Der Winter hat Deutschland weiter fest im Griff. Für den Süden und den Osten sagte der Deutsche Wetterdienst mäßigen Schneefall voraus, im Bergland bestehe wegen stürmischer Böen die Gefahr von Schneeverwehungen. Die Temperaturen sollen demnach auf maximal minus fünf Grad in den östlichen Mittelgebirgen und zwei Grad im Emsland und am Niederrhein steigen.

In der Nacht zu Mittwoch ist laut DWD vor allem in den südöstlichen Mittelgebirgen und am Alpenrand noch längere Zeit mit Schneefall zu rechnen. Die Tiefstwerte erreichen demnach zwischen null Grad unmittelbar an der Nordsee und bis minus zehn Grad. Bei längerem Aufklaren können sie auch noch darunter fallen.

In den Zufahrten zu den deutschen Ostseehäfen bildet sich das erste Eis. Von Schleswig bis Greifswald wurden vielerorts dünne Eisschichten gemeldet, wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Rostock mitteilte. Die Schifffahrt sei noch nicht behindert. Auch die Boddengewässer bekommen langsam eine Eishaut. Südlich von Darß und Zingst gebe es bereits Eis in den Randbereichen, hieß es. Vor allem in den inneren Gewässern sei in den kommenden Tagen mit zunehmender Eisbildung zu rechnen, so das BSH.

Zehntausende Menschen in der Ukraine ohne Strom

Besonders schwer hat die Kältewelle den Osten Europas erwischt. Polen meldete bis Montagabend mindestens zehn Kältetote. Außerdem starben einer Sprecherin des Warschauer Innenministeriums zufolge vier Menschen an den Folgen von Kohlenmonoxidvergiftungen. Damit stieg die Zahl der Kältetoten seit Anfang Dezember auf 22. Bei den meisten der Toten handelte es sich um Obdachlose oder Betrunkene, die bei klirrender Kälte eingeschlafen waren. Am Montag lagen die Temperaturen bei minus fünf Grad.

In den Balkanstaaten Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien sind infolge des Wintereinbruchs in den vergangenen Tagen mindestens zehn Menschen gestorben. Bei Nachttemperaturen von bis zu Minus 24 Grad Celsius starben im Osten Bosniens laut Behörden zwei Männer an Erfrierungen. Viele Ortschaften waren wegen des Sturms und heftiger Schneefälle ohne Strom. Auch in Serbien erfroren seit Beginn des Wochenendes drei Menschen. Das Winterwetter legte weite Teile des Landes lahm. Die Armee setzte Panzer in Bewegung, um Straßen freizuräumen.

In der Ukraine hat heftiger Schneefall bei Temperaturen um den Gefrierpunkt Zehntausende Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten. Im Gebiet um die Hauptstadt Kiew seien etwa 200 Orte betroffen, teilte das Zivilschutzministerium der Ex-Sowjetrepublik mit. Unter den Schneemassen stürzten in Kiew viele Bäume um. Etwa 50 Zentimeter Neuschnee und vereiste Straßen lösten ein Verkehrschaos aus. Schon am Freitag hatten nach einem Schneesturm Tausende Menschen ohne Strom auskommen müssen.

siu/dapd/dpa

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