Havarie im Hurrikan Ermittler machen "Bounty"-Kapitän für Untergang verantwortlich

Die "Bounty" war ein stolzes Schiff, sie war in Blockbustern zu sehen, eine Touristenattraktion. Im Oktober 2012 sank der Dreimaster, als ihn der Kapitän auf dem Meer vor Hurrikan "Sandy" in Sicherheit bringen wollte. Der Untersuchungsbericht zeigt nun, wie es zu der Tragödie kam.

REUTERS/USCG

New York - Als sich Hurrikan "Sandy" im Oktober 2012 seinen Weg von der Karibik gen Norden bahnte, als sich die US-Ostküste auf diesen Monstersturm vorbereitete, traf Robin Walbridge im Hafen von New London, Connecticut, eine Entscheidung: Die "Bounty" sollte auslaufen.

Das Schiff war einer der weltweit berühmtesten Nachbauten eines historischen Seglers. Seine drei Masten waren in verschiedenen Filmen zu sehen, darunter der Blockbuster "Fluch der Karibik" oder der "Meuterei auf der Bounty" mit Marlon Brando.

Walbridge wollte das Schiff retten, im Hafen war es nicht sicher, so dachte er wohl, und brachte das Schiff auf See. Insgesamt 16 Menschen waren an Bord. Die Entscheidung endete in einer Katastrophe: Die "Bounty" sank rund 160 Kilometer vor der Küste.

Zwei Crew-Mitglieder waren gerade erst an Bord gekommen

14 Menschen überlebten das Unglück, zwei starben: Die 42-jährige Claudene Christian und Walbridge selbst. Mitarbeiter der Küstenwache hatten erfolglos versucht, Christian wiederzubeleben, die Leiche des Kapitäns wurde nie gefunden.

Fotostrecke

5  Bilder
Hurrikan "Sandy": Warum die "Bounty" gesunken ist
Nun, knapp eineinhalb Jahre nach dem Untergang der "Bounty", hat die Nationale Behörde für Transportsicherheit ihren Untersuchungsbericht vorgelegt. Überraschende Erkenntnisse waren nicht zu erwarten, doch der Bericht macht deutlich, dass Walbridge das Risiko hätte bekannt sein müssen.

Indem Walbridge das Schiff in den Sturm navigierte, "brachte er das alternde Schiff und seine unerfahrene Crew in eine Lage, in der das Schiff nicht zu retten war", heißt es in dem Bericht. Zehn Crew-Mitglieder waren seit nicht einmal einem Jahr an Bord, zwei waren erst einen Monat vor dem Untergang auf das Schiff gekommen.

"Die Crew der 'Bounty' wurde durch Entscheidungen in eine außergewöhnlich gefährliche Situation gebracht, bei denen die Sicherheit nicht Priorität hatte", kommentierte die Chefin der Behörde, Deborah Hersman.

"Robin dachte viel über die Sicherheit nach"

Dem Bericht zufolge könnte es sein, dass Walbridge sich "zu sehr auf das Auge des Sturms konzentriert hat, anstatt auf das gesamte Ausmaß von 'Sandy'". Der Sturm hatte einen Durchmesser von mehr als 1500 Kilometern. Die "Bounty" fuhr in eine Gegend, in der eine Verschlechterung der Wetterverhältnisse vorhergesagt worden war. Trotzdem nahm der Kapitän laut dem Untersuchungsbericht an, dass er dem Sturm entkommen könnte.

Als Kapitän und Crew realisierten, dass das Schiff sinken würde, türmten sich die Wellen laut Bericht bis zu neun Meter hoch, der Wind erreichte Geschwindigkeiten von mehr als 160 Kilometern in der Stunde. Das Schiff kippte schließlich zur Seite, alle Crew-Mitglieder gingen über Bord.

Von den Überlebenden, die für den Bericht aussagten, machte keiner Kapitän Walbridge für den Untergang verantwortlich. Jessica Hewitt übte gegenüber CNN sogar Kritik an der Untersuchung. Die Ergebnisse erweckten fälschlicherweise den Eindruck, Walbridge habe die Sicherheit der Crew missachtet. "Robin machte sich viele Gedanken über die Sicherheit", sagte sie. Er habe sich bei Stürmen immer dafür entschieden rauszufahren, habe es aber immer geschafft. "Das Boot hat alles überstanden, weil er gut war."

Vor dem Auslaufen der "Bounty" hatte Claudene Christian in einer SMS an ihre Mutter geschrieben: ""Wir machen uns keine allzu großen Sorgen wegen des Hurrikans. Der Kapitän liebt Hurrikane, und wir werden sicherstellen, dass wir in Richtung Osten ausweichen."

Klage gegen Schiffseigner

Gegenüber der Küstenwache hatten Crew-Mitglieder allerdings ausgesagt, dass die "Bounty" den Ruf gehabt habe, schlecht gewartet zu sein, das Personal an Bord werde nur unregelmäßig trainiert.

"Zum Untergang hat das Fehlen einer effektiven Überwachung der Sicherheit durch die Besitzer des Schiffes beigetragen", stellt der Bericht fest. Ein Mitarbeiter der HMS Bounty Organization wollte den Bericht nicht kommentieren.

Die "Bounty" war meist von Hafen zu Hafen getourt, Touristen konnten an Bord gehen und sich das Schiff ansehen, dann fuhr es zur nächsten Station. Um für die Touren die nötige Zulassung zu bekommen, musste die "Bounty" nur oberflächlich untersucht werden. Die Küstenwache überprüfte, ob das Schiff größere Lecks hatte und ob die Notfallausrüstung einsatzbereit war. Ein solcher Check fand zwei Monate vor dem Untergang statt.

Der Bericht könnte nun dazu führen, dass Vergnügungsschiffe wie die "Bounty" künftig strenger auf ihre Sicherheitsvorkehrungen hin untersucht werden.

Die Familie von Claudene Christian hat eine Zivilklage gegen die Schiffseigner eingereicht. Derzeit wird über einen Vergleich verhandelt.

bim



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
KäptnBlaubär 11.02.2014
1. Bounty Kapt. verantwortlich....
.... schlechter Artikel. Der Bericht über die Zeugenvernehmung der Crew zeigt eindeutig die Lage der Sicherheit und die Handlungsweise des Kapt. etliche Stunden vor dem Untergang. Aber kein Hinweis darauf in diesem Beitrag. Quote ?
expendable 11.02.2014
2. Landratten...
...sollten sich ja im Allgemeinen hüten, die Taten und Verhaltensweisen echter Salzbuckel zu kritisieren, trotzdem glaube ich, das der Kapitän bei der Entscheidung, mit einem altersschwachen Segelschiff sicherheitshalber den Hafen zu verlassen und mitten in einen Hurrikan zu fahren, einen kleinen Klabautermann im Ohr hatte.
liquimoly 11.02.2014
3. Willkommen im 3. Jahrtausend
Im 19. Jahrhundert wäre sicherlich das Auslaufen zur Rettung des Schiffes durch die Admiralität angeordnet worden. Matrosen waren damals billiges, leicht beschaffbares Gut, sie wurden "gepresst." Heutzutage zählt ein Menschenleben glücklicherweise mehr als ein Schiff, Kapitäne vom alten Schlage eines Käpt´n Ahab gehört der Segelschein bzw. das Kapitänspatent entzogen.
detrius 11.02.2014
4.
"Sturm und Gewitter" sind nicht mit einem Hurrikan zu vergleichen. Stürme wie Sandy haben in den USA schon ganze Fischereiflotten zu Kleinholz verarbeitet, auch wenn diese in den Häfen vor Anker lagen. Was da passiert ist, ist doch ganz offensichtlich: der Kapitän ist tot, kann sich nicht mehr verteidigen und wird deshalb zum Sündenbock gemacht.
c.PAF 11.02.2014
5.
Jemand vergleicht sein "Boot" mit einem Schiff. Sehr verwegen... ;)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.