Geisterstadt nach Hurrikan "Sandy": Der letzte Sommer

Eine Achterbahn ragt aus den Fluten, die Strandpromenaden sind komplett zerstört: Hurrikan "Sandy" fegte gnadenlos durch den kleinen Ferienort Seaside Heights in New Jersey. Für die Bewohner ist die einstige Heimat nun ein Sperrgebiet auf unbestimmte Zeit.

Seaside Heights nach "Sandy": Vom Winde verweht Fotos
AFP

"Der nächste Sommer wird nicht wie der letzte Sommer sein", sagt Chris Christie bei seinem Besuch in Seaside Heights. "Das ist leider die Wahrheit." Der Gouverneur von New Jersey ist sichtlich ergriffen angesichts der Schneise der Verwüstung, die der Wirbelsturm "Sandy" auf der Halbinsel vor der Küste seines Bundesstaates hinterließ.

Die berühmten Strandpromenaden sind vollständig zerstört, die Häuser des kleinen Ortes unbewohnbar. Und aus der See ragen die Überreste einer Achterbahn. Seaside Heights ist seit dem Hurrikan eine Geisterstadt. Als Kind hatte Christie hier viele Sommer verbracht.

Der beliebte Ferienort ist nicht mehr. Wann und wie Seaside Heights wieder aufgebaut wird, ist eine Frage, die auch der Gouverneur nicht beantworten kann. Die Instandsetzung werde allerdings "teuer und anstrengend und manchmal auch frustrierend sein", sagt Christie.

Fast Food vom Roten Kreuz

Wenige Tage vor dem Besuch des republikanischen Politikers hatten die Behörden den knapp 2900 Einwohnern von Seaside Heights einen kurzen Abstecher in ihre alten Heimat erlaubt. Nur für ein paar Stunden durften sie in die Stadt, um ihre wenigen Habseligkeiten zusammenzuraffen, die nicht in alle Winde zerstreut wurden. In gelben Schulbussen hatte man sie in den Ort gefahren und an der Kirche namens "Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe" ausgeladen. Das Rote Kreuz tischte Cheeseburger und Pommes auf.

Viele der Einwohner haben nicht nur ihr Dach über den Kopf verloren - auch die Jobs hat Wirbelsturm "Sandy" ihnen genommen. Der Gemeinde Seaside Heights ging es vor der Katastrophe blendend, der Tourismus boomte.

Das Naherholungsziel für die einfachen Leute aus New Jersey und New York erlebte in den vergangenen Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die beliebte MTV-Reality-Show "Jersey Shore" hatte für einen immensen Popularitätsschub gesorgt. Doch Restaurants, Hotels, Nachtclubs und der Freizeitpark sind nun entweder auf unbestimmte Zeit geschlossen - oder existieren nicht mehr. Der nächste Sommer wird definitiv nicht wie der vorige Sommer sein.

dkr

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Was die Hurrikan-Stärken bedeuten
Hurrikans werden nach der sogenannten Saffir-Simpson-Skala je nach Intensität in Kategorien von 1 bis 5 eingestuft. Wichtige Merkmale zur Einordnung sind Windgeschwindigkeit und Zerstörungskraft.
Windgeschwindigkeiten von 119 bis 153 Kilometer pro Stunde - minimale Schäden an Bäumen und schlecht verankerten Gebäuden.
Windgeschwindigkeiten von 154 bis 177 Kilometer pro Stunde - Bäume werden entwurzelt und Schilder umgerissen, auch können Hausdächer, Fenster und Türen beschädigt werden. Küstenstraßen werden überflutet, kleinere ungeschützte Schiffe aus der Verankerung gerissen. Bewohnern an Küstenstreifen wird empfohlen, sich in Sicherheit zu bringen.
Windgeschwindigkeiten von 178 bis 209 Kilometer pro Stunde - mobile Häuser werden zerstört, ebenso leichtere Bauwerke in Küstennähe. Der Wind drückt Fenster ein und deckt Dächer ab. Große Bäume werden entwurzelt oder knicken einfach um. Die Überflutungen werden stärker. Ein Küstenstreifen von etwa 400 Metern Breite sollte geräumt werden.
Windgeschwindigkeiten von 210 bis 249 Kilometer pro Stunde - extreme Schäden an Gebäuden. Wohnwagen werden zerstört oder weggeweht. Bauwerke an der Küste werden durch Wind und Wellen schwer beschädigt oder zerstört, tiefer liegende Gebiete überflutet. Massive Evakuierungen sind notwendig. Menschen können zu Schaden kommen oder getötet werden.
Windgeschwindigkeiten ab 250 Kilometer pro Stunde - die Zerstörungen sind katastrophal. Es gibt schwere Überschwemmungen, Häuser werden zerstört oder fortgeblasen. Es gibt massenweise abgedeckte Dächer, zertrümmerte Türen und Fenster. In Küstengebieten sind manchmal große Evakuierungsaktionen erforderlich. Wer sich nicht in Sicherheit bringt, kann verletzt oder getötet werden.

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