Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Hurrikan "Sandy": New York rüstet sich für Monstersturm

Die US-Ostküste bereitet sich auf einen Jahrhundertsturm vor. Vor allem New York wird der herannahende Hurrikan "Sandy" hart treffen. Die Behörden evakuieren ganze Viertel mit Hunderttausenden Menschen, die verbleibenden Einwohner decken sich mit Lebensmitteln ein. Wer kann, flüchtet aus der Stadt.

AP

New York - An der Penn Station herrscht Durcheinander. Der Bahnhof südlich des Central Parks ist für viele die letzte Hoffnung, noch rauszukommen aus New York. Hier sammeln sich am Sonntagnachmittag Tausende Besucher und Pendler, die die Stadt schnell verlassen wollen, bevor nichts mehr geht. Ab 19 Uhr stehen alle Busse, U-Bahnen und Züge still. Bis dahin gilt es, noch einen der Amtrak-Fernzüge zu erwischen. Polizisten versuchen, die Menschenströme zu lenken. "Hier geht's nach Washington!", ruft einer. "Hier nach Boston!"

Die Menschen flüchten vor dem Hurrikan "Sandy", der am Montag auf die Ostküste der USA treffen soll. Mehrere Bundesstaaten riefen den Notstand aus. Auch die Metropolen Bosten und Washington sollen betroffen sein. Für Sonntag und Montag wurden Tausende Flüge gestrichen (was Reisende jetzt wissen müssen, lesen Sie hier).

Die New Yorker sollen die volle Wucht erst in der Nacht zu Dienstag zu spüren bekommen. Doch sie rüsteten sich bereits am Sonntag für das, was da kommen wird.

Bürgermeister Michael Bloomberg forderte 375.000 Bewohner auf, ihre Häuser zu verlassen. Betroffen von den Zwangsevakuierungen sind vor allem die niedriger gelegenen Stadtteile im Süden Manhattans, darunter auch das beliebte Tribeca. "Dies ist ein ernstzunehmender und gefährlicher Sturm", warnte Bloomberg. Auch für schmale Inseln vor New York gab es am Sonntag Evakuierungsbefehle.

Fotostrecke

18  Bilder
Hurrikan "Sandy": New York rüstet sich für den Sturm

Doch nicht alle Bürger beugten sich dem Zwang. "Das haben wir das letzte Mal mitgemacht, das reicht uns", sagte der Bewohner eines Hauses direkt am Wasser in Battery Park City. "Wir bleiben."

In den Supermärkten sind Wasser und Brot ausverkauft

Den ganzen Sonntag über warnten Radio- und Fernsehsender die Bevölkerung an der Ostküste vor dem drohenden "Frankenstorm" - in Anlehnung an das von der Filmfigur Frankenstein geschaffene Monster. "Sandy" hatte in den Vortagen in der Karibik mindestens 57 Todesopfer gefordert.

"Ich denke, Montag und Dienstag werden schwierige Tage", sagte der Chef der New Yorker Verkehrsbehörde MTA, Joseph Lhota. Dass Busse und Züge wie U-Bahnen wegen schlechten Wetters gestoppt werden, gab es bislang erst einmal: Als Hurrikan "Irene" 2011 über New York hinwegzog.

Am Sonntag bildeten sich lange Menschenschlangen in den Supermärkten. Tausende New Yorker versuchten, sich noch in letzter Minute mit Proviant einzudecken. Viele Regale waren bereits leergeräumt, Wasser, Brot und Dosenkost waren längst ausverkauft. Bei "Tops on the Waterfront" in Brooklyn, einem Supermarkt direkt außerhalb der Evakuierungszone am East River, reichte die Schlange von den Kassen durch den gesamten Laden bis in die Tiefkühlabteilung.

An der Südspitze Manhattans, die schon während des letzten Hurrikans "Irene" teilweise überschwemmt worden war, wurden Sandsäcke und Barrikaden angeliefert. Bauarbeiter begannen, die ersten U-Bahn-Eingänge und die Gitterroste auf den Gehwegen, unter denen die Tunnel entlangführen, mit Sperrholzplatten zu verrammeln.

Auch die Wall-Street-Bank Goldmann Sachs schützte ihre Zentrale am Ground Zero mit Sandsäcken. Das Gebäude der Börse NYSE wird am Montag geschlossen bleiben, der Handel findet rein elektronisch statt. Ebenso bleibt das Hauptquartier der Vereinten Nationen am Montag geschlossen. Die Schließung werde "mindestens" einen Tag dauern, sagte Vize-Sprecher Eduardo del Buey.

Deutsche Kreuzfahrtpassagiere hängen in der Stadt fest

Auch Zigtausende Touristen sind in New York gestrandet. Hotel-Gäste in Manhattan wurden aufgefordert, bei Eintreffen des Sturms ihre Zimmer nicht zu verlassen, die Vorhänge zuzuziehen und von den Fenstern fernzubleiben. Die Gäste erhielten Instruktionen, wie man sich zu verhalten hat, wenn der Strom ausfällt. "Bitte geraten Sie nicht in Panik."

Rund hundert deutsche Passagiere der Kreuzfahrtgesellschaft "Aida", die gerade von den Bahamas und Bermuda zurückgekehrt waren, hängen in New York fest. Eigentlich sollten sie am Sonntag nach Deutschland zurückfliegen, doch die Flüge wurden gestrichen, nun warten sie in Hotels den Sturm ab.

Am großen Kreuzfahrt-Terminal in Midtown Manhattan herrschte am Sonntagmittag Chaos. Der komplette Hafen wurde evakuiert. Die Schiffe fuhren auf die hohe See hinaus, um dem Sturm zu entkommen.

US-Präsident Barack Obama sagte alle Wahlkampfveranstaltungen ab und blieb in Washington. Am Vormittag hatte er noch mit seinen Töchtern Sasha und Malia am Gottesdienst in St. Johns gegenüber dem Weißen Haus teilgenommen. Am Nachmittag besuchte er ein Unwetter-Zentrum. "Sandy" sei mächtig, warnte Obama, die Bewohner der Ostküste müssten den Sturm ernst nehmen und sich schützen.

Seine Mitarbeiter hätten ihm versichert, dass alle notwendigen Vorbereitungen für den Aufschlag des Hurrikans auf die Küste getroffen seien, sagte der Präsident. Man müsse dann schnell reagieren. Daher sei verabredet, möglichst unbürokratisch zu handeln. Nach Schätzungen der Regierung könnten rund 50 Millionen Menschen in den USA die Folgen von "Sandy" zu spüren bekommen. Experten schätzen, dass sich der Schaden allein durch den Wind auf mehr als drei Milliarden Dollar belaufen könnte.

Der Sturm ist nicht so sehr wegen seiner Windgeschwindigkeit gefürchtet, sondern wegen seiner enormen Fläche und seines besonderen Charakters: Er ist eine Mischung aus Wintersturm mit arktischer Kaltluft und einem typischen Tropensturm. Aus dieser Kombination, so fürchten Experten, könnte ein besonders schwerer Sturm mit katastrophalen Folgen entstehen.

sef/ron/pit/stk/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 66 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Man kann...
Binideppert? 28.10.2012
...allen Betroffenen nur wünschen, dass die Sache einigermaßen glimpflich ausgeht.
2. Was irgendwie irritiert
EchoRomeo 28.10.2012
in den US-Online-Medien wird das Monster erheblich tiefer gehängt. Nach den europäischen Aufmachungen scheint sich die Jahrtausendkatastrophe anzubahnen, nach US-Medienberichten rechnet man dort mit sehr schwerem Wetter, aber nicht mit dem Weltuntergang. Einfaches Surfen genügt.
3. UHUHUUUHUU Monstersturm...
aetschm 28.10.2012
...oder einfach ein großer Hurrikan, um mal die RTL II-typische Sprache zu vermeiden... gell Spiegel?
4.
sigmaplus 28.10.2012
Zitat von sysopAPDie US-Ostküste bereitet sich auf einen Jahrhundertsturm vor. Vor allem New York wird der herannahende Hurrikan "Sandy" hart treffen. Die Behörden evakuieren ganze Viertel mit Hunderttausenden Menschen, die verbleibenden Einwohner decken sich mit Lebensmitteln ein. Wer kann, flüchtet aus der Stadt. http://www.spiegel.de/panorama/hurrikan-sandy-new-york-ruestet-sich-fuer-monstersturm-a-863916.html
Na, wenn das nicht mal wieder eine gute Gelegenheit ist für das Drama-Lama: http://images.ncix.com/forumimages/150E4218-1564-1249-125899662B5C2F2F.jpg Kriegen wir auch wieder so einen spannenden Liveticker ???
5. Monstersturm
huaroux 28.10.2012
...hat Spon nichts besseres zur Schlagzeile (wie auch andere On-Mag's) als den ganzen Tag über diesen Blödsinn zu berichten ???
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Was die Hurrikan-Stärken bedeuten
Hurrikans werden nach der sogenannten Saffir-Simpson-Skala je nach Intensität in Kategorien von 1 bis 5 eingestuft. Wichtige Merkmale zur Einordnung sind Windgeschwindigkeit und Zerstörungskraft.
Windgeschwindigkeiten von 119 bis 153 Kilometer pro Stunde - minimale Schäden an Bäumen und schlecht verankerten Gebäuden.
Windgeschwindigkeiten von 154 bis 177 Kilometer pro Stunde - Bäume werden entwurzelt und Schilder umgerissen, auch können Hausdächer, Fenster und Türen beschädigt werden. Küstenstraßen werden überflutet, kleinere ungeschützte Schiffe aus der Verankerung gerissen. Bewohnern an Küstenstreifen wird empfohlen, sich in Sicherheit zu bringen.
Windgeschwindigkeiten von 178 bis 209 Kilometer pro Stunde - mobile Häuser werden zerstört, ebenso leichtere Bauwerke in Küstennähe. Der Wind drückt Fenster ein und deckt Dächer ab. Große Bäume werden entwurzelt oder knicken einfach um. Die Überflutungen werden stärker. Ein Küstenstreifen von etwa 400 Metern Breite sollte geräumt werden.
Windgeschwindigkeiten von 210 bis 249 Kilometer pro Stunde - extreme Schäden an Gebäuden. Wohnwagen werden zerstört oder weggeweht. Bauwerke an der Küste werden durch Wind und Wellen schwer beschädigt oder zerstört, tiefer liegende Gebiete überflutet. Massive Evakuierungen sind notwendig. Menschen können zu Schaden kommen oder getötet werden.
Windgeschwindigkeiten ab 250 Kilometer pro Stunde - die Zerstörungen sind katastrophal. Es gibt schwere Überschwemmungen, Häuser werden zerstört oder fortgeblasen. Es gibt massenweise abgedeckte Dächer, zertrümmerte Türen und Fenster. In Küstengebieten sind manchmal große Evakuierungsaktionen erforderlich. Wer sich nicht in Sicherheit bringt, kann verletzt oder getötet werden.

Fotostrecke
"Sandy": US-Ostküste wappnet sich für Monstersturm
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: