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Hurrikan: Hunderttausende auf der Flucht - "Sandy" gewinnt an Stärke

Amerikas Ostküste bereitet sich auf Hurrikan "Sandy" vor. Der Sturm gewinnt an Kraft, schon jetzt peitscht er den Atlantik auf. New York und umliegende Staaten könnten durch eine 3,30 Meter hohe Sturmflut getroffen werden. "Das ist das Worst-Case-Szenario", sagt ein Experte.

DPA

New York - In der Karibik hat "Sandy" nach jüngsten Angaben 67 Menschen in den Tod gerissen - nun bedroht der Hurrikan die US-Ostküste. Auf seinem Weg dorthin haben Ausläufer des Wirbelsturms einen Großsegler in Seenot gebracht, wie die Küstenwache mitteilte. Rund 200 Kilometer vor der Küste des Bundesstaats North Carolina trieb das Schiff manövrierunfähig auf See. Die 16 Besatzungsmitglieder der HMS "Bounty", ein Nachbau des legendären Schiffs aus dem 18. Jahrhundert, seien mit Überlebensanzügen und Rettungswesten in zwei Rettungsboote gestiegen, teilte die US-Küstenwache mit.

Umgehend wurde eine Rettungsaktion gestartet. Inzwischen ist der Großteil der Besatzung in Sicherheit. Die Küstenwache habe 14 Crewmitglieder mit zwei Hubschraubern von den Rettungsbooten befreit, teilte die Direktorin der HMS "Bounty" Organization mit. Zwei Personen würden noch vermisst, so die Küstenwache, die die Zahl der Besatzungsmitglieder von 17 auf 16 korrigierte.

Die Eignerin des 55 Meter langen Schiffs, das für den Filmklassiker "Meuterei auf der Bounty" von 1962 gebaut worden war, hatte die Küstenwache am Sonntagabend alarmiert, nachdem der Kontakt zu der Besatzung abgebrochen war. Die HMS "Bounty" war etwa 140 Kilometer südöstlich von Hatteras in stürmische See geraten - die Mannschaft kämpfte mit mehr als fünf Meter hohen Wellen und Sturmböen. Die Küstenwache hatte daraufhin ein Flugzeug losgeschickt, das den Kontakt mit der Schiffsbesatzung wiederherstellen konnte.

An der dicht besiedelten US-Ostküste beeinträchtigt der Hurrikan bereits jetzt das Leben von Millionen Amerikanern. Bürger, Behörden und Unternehmen wappnen sich mit enormem Aufwand gegen den Sturm: Allein in New York sollen fast 400.000 Bewohner ihre Häuser verlassen, insgesamt bedroht der Hurrikan fast 50 Millionen Menschen. Tausende Flüge wurden gestrichen, darunter auch Verbindungen nach Deutschland. Allein die Sturmschäden könnten sich nach Ansicht von Fachleuten auf mehr als drei Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) belaufen.

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Hurrikan: "Sandy" nimmt Kurs auf die US-Ostküste
"Sandy" soll am Montagabend (Ortszeit) auf Land treffen - irgendwo zwischen Washington und Boston. Am Morgen befand sich der Wirbelsturm mit Spitzengeschwindigkeiten von fast 140 Kilometern pro Stunde in seinem Inneren noch etwa 600 Kilometer südöstlich von New York. Er bewegte sich mit etwa 24 Kilometern pro Stunde in Richtung Küste, gewann aber an Fahrt.

Über Land wird der Sturm nach Prognosen der Meteorologen auf zwei winterliche Wetterfronten prallen, was seine Wirkung noch zu einem "Monstersturm" verstärken könnte. "Sandy" wurde bisher von den Meteorologen als Hurrikan der Kategorie 1 eingestuft, das bedeutet Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 km/h. Jedoch fürchten die Experten, dass in seinem Zentrum Windgeschwindigkeiten von bis zu 280 Kilometern pro Stunde erreicht werden könnten. Da zur Zeit auch noch Vollmond ist, könnten New York City, Long Island und das nördliche New Jersey im Zusammenspiel mit den Gezeiten von einer bis zu 3,30 Meter hohen Sturmflut getroffen werden. "Das ist das Worst-Case-Szenario", sagte ein Experte der Nationalen Wetter- und Ozeanografie-Behörde (NOAA).

Konserven werden knapp

Sollte der Bundesstaat New York von der befürchteten Sturmflut getroffen werden, wären allein dort 20 Millionen Menschen gefährdet. Außerdem befindet sich in Manhattan einer der großen Kommunikationsknotenpunkte der USA. Dessen Einrichtungen könnten von der Flut lahmgelegt werden. Den Experten zufolge könnte der befürchtete Megasturm in einem 1300 Kilometer breiten Streifen von der Ostküste bis zu den Großen Seen Chaos anrichten - im Zentrum seine Weges liegen New York City, New Jersey und Long Island.

Die Menschen in den betroffenen Bundesstaaten decken sich mit Vorräten ein. Wasserflaschen, Lebensmittel in Dosen, Taschenlampen und Batterien werden knapp. Vielerorts sicherten Menschen ihre Häuser mit Brettern und Sandsäcken. In New York, Washington und Philadelphia wurden die öffentlichen Verkehrsnetze stillgelegt. Schulen, Unis, Büros, Geschäfte, Lokale oder auch Theater bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Die Börsen in New York setzen den Handel aus.

Auch die US-Marine bereitet sich auf "Sandy" vor. Ihre Schiffe, die im Hafen Norfolk im Bundesstaat Virginia liegen, wurden verlegt. 61.000 Mitglieder der Nationalgarde sind in Katastrophen-Bereitschaft.

Vor der Präsidentenwahl am 6. November gefährdet "Sandy" auch Terminpläne im Endspurt des Wahlkampfs. Präsident Barack Obama rief für die Millionenmetropolen Washington und New York sowie die Bundesstaaten Maryland, Massachusetts, Connecticut und New Jersey den Notstand aus. Er sprach von einem gefährlichen Sturm. Bewohner sollten den Warnungen der Behörden folgen. Der Amtsinhaber will vor der Wahl unbedingt ein Desaster wie nach Hurrikan "Katrina" vor sieben Jahren vermeiden. Der damalige Präsident George W. Bush geriet 2005 heftig wegen der unkoordinierten Hilfe der Regierung in die Kritik.

Sowohl Obama als auch sein Herausforderer Mitt Romney sagten Auftritte ab. Es gibt düstere Prognosen, nach denen der Sturm zu weit verbreiteten Stromausfällen führen wird, die bis zum Wahltag auch die Stimmabgabe beeinträchtigen könnten.

wit/AP/Reuters/AFP/dpa

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insgesamt 118 Beiträge
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1. Hurrikan Sandy LIVE-Monitor
Dr.Nasa 29.10.2012
Sandy-LIVE: http://www.qicknews.de/Monitore/sandy.php/
2. Seenot / Sturm war lange angekündigt
gerdjuergen 29.10.2012
Man fragt sich, wieso das Schiff in den Sturm geraten ist, über den schon so lange berichtet wird. Konnte oder wollte man dem nicht ausweichen oder rechtzeitig einen Hafen anlaufen?
3. Hurrikan niedrigster Kategorie
peacefool 29.10.2012
"Sandy" wurde von den Meteorologen als Hurrikan der höchsten Kategorie 1 eingestuft, in seinem Zentrum könnten Windgeschwindigkeiten von bis zu 280 Kilometern pro Stunde erreicht werden." Bitte lernt das doch endlich. Kategorie 1 ist die niedrigste und kommt gleich nach dem Tropensturm. 280 Km/h ist Kategorie 5, so wie Katharina in New Orleans und erst dann wirklich ein Superorkan. Derzeit liegt Sandy bei 85 mph = ca. 136 km/h, Orkanstärke hierzulande, aber eben nicht in den USA. Ihn macht nicht die Spitzengeschwindigkeit gefährlich sondern der Ort des "Landgangs", die noch unbekannten Wechselwirkungen mit anderen Stürmen und vor allem der Vollmond heute!
4. Category 1 ist die niedrigste hurricane Kategorie!
towiha 29.10.2012
Max. Geschwindigkeit 153km/h.
5. Hurricane Stufe 1 ist die schwaechste
frangster 29.10.2012
und nicht die staerkste Stufe (vgl. Hurricane Katrina Stufe 5). Die Stufungen in den USA und in der Schifffahrt: Tropical Depression
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"Sandys" Weg an der US-Ostküste

Vorhersage für Sandy:
Die rote Linie zeigt den vorhergesagten wahrscheinlichsten Weg von "Sandys" Sturmzentrum.

Der grüne Bereich zeigt weitere mögliche Pfade, die "Sandy" einschlagen könnte.

Der rote Punkt zeigt die Position des Sturmzentrums.

Stand: 13:20 Uhr

Twitter zum Hurrikan "Sandy"

Was die Hurrikan-Stärken bedeuten
Hurrikans werden nach der sogenannten Saffir-Simpson-Skala je nach Intensität in Kategorien von 1 bis 5 eingestuft. Wichtige Merkmale zur Einordnung sind Windgeschwindigkeit und Zerstörungskraft.
Windgeschwindigkeiten von 119 bis 153 Kilometer pro Stunde - minimale Schäden an Bäumen und schlecht verankerten Gebäuden.
Windgeschwindigkeiten von 154 bis 177 Kilometer pro Stunde - Bäume werden entwurzelt und Schilder umgerissen, auch können Hausdächer, Fenster und Türen beschädigt werden. Küstenstraßen werden überflutet, kleinere ungeschützte Schiffe aus der Verankerung gerissen. Bewohnern an Küstenstreifen wird empfohlen, sich in Sicherheit zu bringen.
Windgeschwindigkeiten von 178 bis 209 Kilometer pro Stunde - mobile Häuser werden zerstört, ebenso leichtere Bauwerke in Küstennähe. Der Wind drückt Fenster ein und deckt Dächer ab. Große Bäume werden entwurzelt oder knicken einfach um. Die Überflutungen werden stärker. Ein Küstenstreifen von etwa 400 Metern Breite sollte geräumt werden.
Windgeschwindigkeiten von 210 bis 249 Kilometer pro Stunde - extreme Schäden an Gebäuden. Wohnwagen werden zerstört oder weggeweht. Bauwerke an der Küste werden durch Wind und Wellen schwer beschädigt oder zerstört, tiefer liegende Gebiete überflutet. Massive Evakuierungen sind notwendig. Menschen können zu Schaden kommen oder getötet werden.
Windgeschwindigkeiten ab 250 Kilometer pro Stunde - die Zerstörungen sind katastrophal. Es gibt schwere Überschwemmungen, Häuser werden zerstört oder fortgeblasen. Es gibt massenweise abgedeckte Dächer, zertrümmerte Türen und Fenster. In Küstengebieten sind manchmal große Evakuierungsaktionen erforderlich. Wer sich nicht in Sicherheit bringt, kann verletzt oder getötet werden.
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.


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