"Sandy": Auge des Wirbelsturms prallt auf US-Ostküste

Das Zentrum von "Sandy" hat die Ostküste der USA erreicht. In New Jersey traf der Wirbelsturm am späten Abend auf Land. Es gibt die ersten Toten. Das öffentliche Leben in den Metropolen ist erlahmt.

REUTERS

New York - Der Supersturm "Sandy" hat das amerikanische Festland erreicht. Er traf gegen 20 Uhr Ortszeit (1 Uhr MEZ) auf die Ostküste der USA. Mindestens fünf Menschen - darunter zwei Kinder - kamen ersten Medienberichten zufolge ums Leben, weil sie von herabstürzenden Ästen getroffen wurden. In vielen Küstenabschnitten kam es zu katastrophenartigen Zuständen mit sintflutartigen Regenfällen und Überflutungen. Rund drei Millionen Menschen waren von der Stromversorgung abgeschnitten.

In der Nähe von New York wurden zwei Kinder in einem Haus von einem herabstürzenden Ast erschlagen. Nach Angaben der Behörden spielten die beiden im ersten Stock des Hauses im Landkreis Westchester, als der große Ast das Dach durchschlug und die Kinder unter sich begrub. Ihr Alter wird mit "unter 14" Jahren angegeben. Auch im New Yorker Stadtteil Queens durchschlug ein Ast das Dach eines Holzhauses und tötete einen 30-jährigen Mann. In Toronto wurde eine Frau laut Polizeiangaben von einem herunterfallenden Schild erschlagen. Ein Sprecher sagte, die Winde in der kanadischen Metropole hätten Werte von bis zu 65 Stundenkilometern erreicht.

Das öffentliche Leben in Millionenmetropolen wie New York, Washington und Philadelphia kam zum Erliegen. Die Nahverkehrssysteme sowie Schulen, Behörden, Theater, Büchereien, Parks und zahlreiche Restaurants und Geschäfte blieben vielerorts geschlossen. Auch die Vereinten Nationen und die Wall Street waren zu.

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Jahrhundertsturm: "Sandy" wütet an der US-Ostküste
New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg appellierte am Nachmittag (Ortszeit) noch einmal an die Einwohner tief gelegener Gegenden: "Gehen Sie sofort. Die Verhältnisse verschlechtern sich sehr schnell, und das Zeitfenster für sie, gefahrlos herauszukommen, schließt sich rasch."

Nach Angaben des US-Hurricane Centers erreichte das Auge von Zyklon "Sandy" gegen 20 Uhr Ortszeit (1 Uhr MEZ) im Bundesstaat New Jersey nahe Atlantic City die Küste. Teile der Strandpromenade in der Spielermetropole wurden beschädigt. Dann wirbelte der Sturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometern pro Stunde an der US-Ostküste entlang. Wetterexperten befürchteten, dass er im Nordosten auf einen Wintersturm treffen könnte. Diese Kombination könnte zum schwersten Unwetter seit Jahrzehnten führen.

In New York knickte der Ausleger eines Baukrans ein und die Fassade eines mehrstöckigen Hauses krachte zusammen. Feuerwehr und Polizei mussten immer wieder zu Notfällen ausrücken. Die meisten Brücken und Tunnel waren geschlossen. In das U-Bahnsystem der Stadt drang Wasser ein. Die Wassermassen überschritten die Flutmauern von Manhatten. Fast 400 000 Menschen in tiefer gelegenen Gebieten der Metropole hatten zuvor ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssen. Tausende Flüge an die US-Ostküste - auch von und nach Deutschland - wurden gestrichen.

Der Sturm wirkte sich auch bereits auf den Endspurt zur US-Wahl am 6. November aus. Sowohl Präsident Barack Obama als auch sein Herausforderer Mitt Romney sagten mehrere Termine ab. Obama kehrte von einer Wahlkampftour in Florida nach Washington zurück und rief die Bevölkerung eindringlich dazu auf, den Anweisungen der Behörden zu folgen. "Dies wird ein großer und mächtiger Sturm", warnte er im Weißen Haus. Er machte aber auch Mut: "Wir werden das zusammen überstehen." Obama rief für Washington und New York sowie für die Bundesstaaten Maryland, Massachusetts und Delaware den Notstand aus.

Bei einer dramatischen Rettungsaktion brachten zwei Hubschrauber der US-Küstenwache 14 Besatzungsmitglieder des Filmschiffs "Bounty" in Sicherheit. Eine Stunden später geborgene Frau starb. Der Kapitän des Schiffes wurde zunächst weiter vermisst. Der aus dem Hollywood-Klassiker "Die Meuterei auf der Bounty" von 1962 bekannte Großsegler war etwa 150 Kilometer südöstlich von North Carolina in Seenot geraten und aufgegeben worden.

Die Sturmschäden könnten sich nach Ansicht von Fachleuten auf etwa drei Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) belaufen. Insgesamt könnten rund 60 Millionen Menschen die Auswirkungen "Sandys" zu spüren bekommen, schätzte der Energieversorger National Grid.

Die Schiffe der Navy, die im Hafen Norfolk im Bundesstaat Virginia liegen, wurden verlegt. 61 000 Mitglieder der Nationalgarde waren in Katastrophen-Bereitschaft. Vielerorts sicherten Menschen ihre Häuser mit Brettern und Sandsäcken. "Sandy" hatte bereits auf ihrem Weg durch die Karibik nach jüngsten Angaben 67 Menschen in den Tod gerissen.

ler/tok/dpa/dapd

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evg8596 30.10.2012
Das sollen die drei wichtigsten Nachrichten des Tages sein?! So intensiv wurde bei SPON über kein anderes Thema der letzten Wochen berichtet. Als gäbe es in Europa oder anderswo (z. B. Syrien) nichts berichtenswertes mehr. Tagtäglich werden wir mit Berichten aus den USA überschüttet. Dabei schert sich in den USA kaum jemand um Europa. Hätte dieser "Super/Mega/Jahrtausendsturm" Europa heimgesucht, so wäre dies den amerikanischen Medien nur eine kurze Meldung wert. Auch im dortigen Wahlkampf spielt Europa überhaupt keine Rolle, bis auf die abwertenden Äußerungen Romneys nach dem Motto: Wenn ihr nicht wollt, dass die US zu einem sozialistischen Staat nach europäischem Vorbild verkommen, dann wählt mich! Die große Beachtung, die dem US-Wahlkapf im SPON geschenkt wird, steht in keinem Verhältnis dazu.
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"Sandys" Weg an der US-Ostküste

Vorhersage für Sandy:
Die rote Linie zeigt den vorhergesagten wahrscheinlichsten Weg von "Sandys" Sturmzentrum.

Der grüne Bereich zeigt weitere mögliche Pfade, die "Sandy" einschlagen könnte.

Der rote Punkt zeigt die Position des Sturmzentrums.

Stand: 13:20 Uhr

Fotostrecke
Hurrikan: US-Ostküste wappnet sich für "Sandy"

Fotostrecke
Hurrikan: "Sandy" nimmt Kurs auf die US-Ostküste
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.