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"Sandy": Zahl der Toten steigt auf mehr als 80

Nach Hurrikan "Sandy" sind in den USA weitere Leichen gefunden worden - darunter zwei New Yorker Kleinkinder, die von ihrer Mutter nicht gerettet werden konnten. Teile Manhattans könnten noch mehr als eine Woche ohne Strom bleiben, teilte Energieversoger Con Edison mit.

Trümmer in Erlebnispark in Seaside Heights, New Jersey: Dutzende Tote in den USA Zur Großansicht
AFP

Trümmer in Erlebnispark in Seaside Heights, New Jersey: Dutzende Tote in den USA

New York - Die Zahl der Toten durch den Wirbelsturm "Sandy" ist in den USA noch einmal deutlich angestiegen. Der Nachrichtensender CNN meldete zunächst ebenso wie die "Los Angeles Times" rund 75 Tote. Wenig später hob der Sender die Zahl auf 88 Opfer an. Allein in New York kamen laut Bürgermeister Michael Bloomberg 38 Menschen ums Leben.

Eine 23-Jährige trat in eine Pfütze, in die ein abgerissenes Elektrokabel hineingefallen war. Sie starb an einem Stromschlag. Im Stadtteil Staten Island wurden laut dem Fernsehsender NBC die Leichen zweier Jungen im Schlamm gefunden. Die Mutter der zwei und vier Jahre alten Jungen hatte während des Sturms versucht, sie festzuhalten. Die Wassermassen spülten sie aber fort.

Ein 28-jähriger Polizist rettete sieben Menschen das Leben. Als das Wasser in der Sturmnacht in seinem Haus immer weiter stieg, schaffte er alle nach oben - der Älteste ein fast 70-jähriger Mann, der Jüngste sein 15 Monate alter Sohn. Ein letztes Mal tauchte der Polizist in den Keller - kam nicht mehr zurück.

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Wirbelsturm "Sandy": Zerstörung aus der Luft
Noch immer gibt es in Teilen der Millionenmetropole weder Strom, Licht, Heizung, Trinkwasser, noch funktionierende Telefone oder Toiletten. Die Gegenden, die bislang noch nicht wieder ans Netz angeschlossen seien, würden vermutlich mindestens bis zum nächsten Wochenende, wenn nicht sogar noch eine Woche länger ohne Strom auskommen müssen, teilte der zuständige Versorger Con Edison laut NBC mit.

Hart wurden auch kleine Ortschaften in New Jersey und anderen Ostküsten-Bundestaaten getroffen. Bisher wurden fast 20 Millionen Dollar für die Betroffenen gespendet. Am Freitag ist in New York ein Benefizkonzert mit Stars wie Bon Jovi, Sting und Bruce Springsteen geplant.

In Teilen der Stadt normalisiert sich das Leben langsam wieder: Alle drei großen Flughäfen nahmen ihren Betrieb wieder auf. Busse fahren wieder und auch die ersten U-Bahnen, Züge und Fähren. Viele Geschäfte und auch einige Museen und Theater waren wieder geöffnet. Auf Baustellen dürfe wieder gearbeitet werden, sagte Bloomberg. Parks und Spielplätze sollen am Wochenende wieder geöffnet werden. Der weltberühmte Marathon soll am Sonntag wie geplant stattfinden - diese Entscheidung wurde allerdings auch kritisiert. Der Marathon werde nicht von Sicherheit und Wiederaufbau der Stadt ablenken, entgegnete Bloomberg. Polizeichef Ray Kelly sagte, ihm seien bisher nur wenige kriminelle Taten bekannt, die im Sturmchaos begangen wurden.

Schätzungen der Bundesbehörden zufolge verursachte "Sandy" im Osten der USA einen Gesamtschaden von 20 Milliarden Dollar. Der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister Eqecat geht sogar von einem volkswirtschaftlichen Schaden zwischen 30 und 50 Milliarden Dollar aus. Besonders schwer traf es das New Yorker Viertel Breezy Point. Mehr als 80 Häuser brannten dort nieder.

Bevor er die USA traf, hatte der Wirbelsturm bereits in der Karibik gewütet. Mehr als 60 Menschen kostete "Sandy" dort das Leben.

hut/dpa

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Das Rezept des Supersturms

Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.

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