Veränderter Speiseplan: Hype um Hyänenfleisch in Somalia

Hyänenfleisch ist der neue Verkaufsschlager auf den Märkten im Süden Somalias. Die Rebellen der radikalislamischen Schabab-Miliz erlauben seit kurzem den Verzehr der Aasfresser - nicht zur Freude aller Muslime in der Region.

Tüpfelhyäne in Kenia: Rebellen in Somalia erlauben neuerdings den Verzehr der Aasfresser Zur Großansicht
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Tüpfelhyäne in Kenia: Rebellen in Somalia erlauben neuerdings den Verzehr der Aasfresser

Addis Abeba/Mogadischu - Gewiefte Händler wittern bereits das große Geschäft: Die radikalislamische Schabab-Miliz hat Hyänenfleisch neuerdings als halal - also zulässig - auf den Speiseplan der Muslime gestellt. Und das obwohl die Tiere ein miserables Image haben. Sie fressen Aas und Knochen, gelten als feige und gemein.

Die Jagd und der Verzehr von Hyänenfleisch seien mit der islamischen Gesetzgebung Scharia ganz und gar vereinbar, erklärten die Rebellen. Die Schabab-Miliz kontrolliert große Gebiete und deren Bewohner im Zentrum und Süden des Krisenlandes. Was sie sagt, ist dort Gesetz.

In Kismayo in der Provinz Lower Juba werden die Innereien der Hyänen bereits auf den Märkten angeboten. Unter den Einwohnern sind hingegen heftige Diskussionen über das Hyänenfleisch entbrannt. Abdi Dahir ist einer, der es probiert hat. "Hyänen schmecken süß und sehr lecker, fast wie Kamele oder Ziegen, die Somalier ja seit jeher essen", sagt der Mann aus Kismayo. Viele seiner Landsleute sind hingegen schockiert und können sich kaum vorstellen, das Fleisch zu testen. Selbst die islamischen Führer des Landes am Horn von Afrika sind sich nicht ganz einig, was der Koran denn nun genau über die Zubereitung von Hyänen sagt.

Einige Händler machen bereits Werbung mit den angeblich wundersamen Heilkräften des Hyänenfleisches, das ihnen zufolge unterschiedlichste Krankheiten kurieren soll. Deshalb sind die Raubtiere auch relativ teuer: Ein Kilogramm des Fleisches kostet rund vier Euro. Das durchschnittliche Jahreseinkommen in Somalia liegt bei unter 250 Euro. "Es ist wirklich teuer, teurer als Kamelfleisch", sagt Sahra, eine Frau aus Kismayo.

Die Viehbesitzer in der Region sind den Schabab-Rebellen dankbar, mussten sie doch bisher fürchten, dass ihre Tiere von den Aasfressern gerissen werden. "Hyänen sind sehr gefährliche Tiere, die unser Vieh töten", sagt der Hirte Ali Guret. "Sie jagen nicht nur andere Tiere, sondern auch Menschen. Deshalb sind wir froh, dass wir jetzt die Hyänen jagen dürfen."

wit/dpa

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1. Nichts Neues!
Airkraft 21.08.2012
Hat nicht die katholische Kirche im Mittelalter auch den Biber zum Fisch erklärt, damit man sein Fleisch freitags essen konnte? Wie man's halt gebraucht!
2.
rancher 21.08.2012
Zitat von AirkraftHat nicht die katholische Kirche im Mittelalter auch den Biber zum Fisch erklärt, damit man sein Fleisch freitags essen konnte? Wie man's halt gebraucht!
Gott als Spielball der Religionsführer. Hier sieht man schön wie wenig Religion mit Gott zu tun hat. Gott dient nur zur Steuerung der Einfachen!
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