Sexismus-Debatte um IBM-Spot Viel Ärger um einen Föhn

Mit einem PR-Spot wollte der Technologieriese IBM Frauen für die Forschung begeistern. Das ging gründlich daneben. Am Ende war die Entrüstung der Umworbenen groß.

IBM/YouTube


Der Spot ist gut anderthalb Minuten lang - und trägt den Titel "Hack a hairdryer". Wie passend, das dachten sich offenbar die Macher beim Technologiekonzern IBM. Frauen für eine Karriere in der Forschung zu begeistern, das war die Aufgabe. Und wie begeistert man Frauen am meisten? Indem man es ihnen per Video schmackhaft macht, mit einem Föhn zu experimentieren, der ihnen qua Natur sehr nahe sein muss. Sind ja Frauen. Von wegen.

Vor wenigen Tagen fegte ein Shitstorm durch das Netz. Sexismus hieß der Vorwurf, der IBM alarmierte. Mit eindeutigen Tweets wehrten sich offenkundig erfolgreiche Wissenschaftlerinnen gegen vermeintlich tumbe PR. Eine Nutzerin schrieb zum Beispiel, niemand fordere männliche Wissenschaftler dazu auf, mit Rasierern zu experimentieren.

Eine andere Nutzerin schrieb ironisch: "Ich benutze keinen Föhn. Das ist wahrscheinlich das Ende meiner Karriere in der Wissenschaft." Und sogar die Londoner Feuerwehr meldete sich - weniger entrüstet wegen eines vermeintlich sexistischen Affronts, sondern besorgt um die Sicherheit. Es sei gefährlich, an einem Föhn zu schrauben.

IBM gab klein bei. Ein Sprecher sagte nach Angaben des "Guardian": "Die Videos waren Teil einer größeren Kampagne. Sie sind für einige über das Ziel hinausgeschossen. Dafür entschuldigen wir uns." Und: "Die Kampagne wird nicht fortgesetzt."

Immer wieder ziehen auch renommierte Unternehmen mit Werbespots Kritik auf sich. Jüngst zog Coca-Cola in Mexiko einen Spot zurück, der als Kränkung der indigenen Bevölkerung kritisiert worden war. In Deutschland stoppte der Kleinwagenhersteller Smart einen Radiospot zu Weihnachten. Die Kritik: Er nehme Kindern den Glauben an den Weihnachtsmann.

sms

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insgesamt 44 Beiträge
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ekel-alfred 08.12.2015
1. Es wird immer enger.....
Wird die Menschheit immer intoleranter? Müssen wir demnächst auf jedes gesprochene, geschriebene Wort noch mehr achten als sonst? So langsam macht es keinen Spaß mehr, wenn sich bei jedem Pups irgend jemand auf den Schlips (sorry, gilt ja nur bei Männern..) getreten fühlt.
spon-facebook-10000166919 08.12.2015
2.
und wenn ein männlicher Techniker bei der Entwicklung eines Föns gezeigt würde, wäre es auch wieder nicht richtig. Von wegen Gleichberechtigung und ein Mann könnte einen Fön doch gar nicht so konstruieren, dass eine Frau ihn benutzen kann. Also irgendwie leben wir gerade in seltsamen Zeiten ... aber die gehen vorbei.
die-physiker 08.12.2015
3. lächerlich
Einfach nur lächerlich diese künstliche Aufregung und dieser Eifer alles überzuinterpretieren sobald es um Sexismus geht.
laverdad 08.12.2015
4. nur laut genug schreien
und schon kann man alles niedermachen. Die schweigende Mehrheit schmunzelt über vieles, die selbsternannten Sittenwächter ereifern sich über jede Kleinigkeit. Und kommen damit immer öfter durch. Wird langsam lästig.
vish 08.12.2015
5. Skandal!
In Zukunft bitte immer neutrale Dinge wie z.B. einen Stein benutzen. Was für eine lächerliche Debatte. Männer werden in der Werbung ständig klischeehaft dargestellt, Pizza futternd vor dem TV beim Fussball gucken, mit Kumpeln Bier trinkend, verliebt in ihre Autos, etc. . Gabs deswegen schonmal nen Shitstorm? Reflexhaftes Schnappen wie dieses fördert in hohem Maße das Bild von der feministischen Schreckschraube und ist dem erstrebenswerten Ziel der Gleichberechtigung wohl eher abträglich.
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