"Achtet auf eure Mitmenschen" "Southside" und "Hurricane"-Festival wegen Unwetter evakuiert

In vielen Teilen Deutschlands geht Starkregen herunter und toben heftige Gewitter. Aufgrund des Unwetters sind auch die Festivals "Hurricane" und "Southside" unterbrochen worden. Aktuell wird in Baden-Württemberg vor schweren Unwettern gewarnt.

"Hurricane"-Festivalbesucher in Scheeßel
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"Hurricane"-Festivalbesucher in Scheeßel


Zwei der größten Musikfestivals Deutschlands mussten wegen Unwetters unterbrochen werden. Die Veranstalter des "Hurricane"-Festivals im niedersächsischen Scheeßel meldete am Freitagabend: "Wir unterbrechen für zwei Stunden den Veranstaltungsbetrieb aufgrund eines schweren Unwetters." Dies sei keine Absage des Festes. "Bleibt ruhig und achtet auf eure Mitmenschen."

Just als das "Hurricane" via Twitter mitteilte, dass das Veranstaltungsgelände wieder geöffnet sei, meldete das parallel stattfindende "Southside"-Festival in Neuhausen ob Eck, die Konzerte müssten wegen Unwetters unterbrochen werden. Die Besucher wurden aufgerufen, in ihre Fahrzeuge zu gehen. Niemand solle in seinem Zelt bleiben. Die Unwetterwarnung gelte bis Mitternacht.

Die Zwillingsfestivals waren am Freitag bei bestem Wetter gestartet. Doch während das Programm beim baden-württembergischen "Southside" pünktlich beginnen konnte, hatten die Veranstalter beim "Hurricane" noch mit Unwetterschäden zu kämpfen. Bereits am Donnerstag hatten heftige Gewitter das Festivalgelände "in Mitleidenschaft gezogen", wie eine Sprecherin sagte.

Die Festivals warten mit einem nahezu identischen Line-up auf und gehören zu den größten Festivals für Rock, Independent und Alternative. Rund hundert Musiker und Bands werden von Freitag bis Sonntag auf den Bühnen stehen. Beim "Southside" werden 60.000 Zuschauer erwartet, beim "Hurricane", das in diesem Jahr 20. Jubiläum feiert, sogar 75.000.

Nachdem beim Festival "Rock am Ring" Anfang Juni in der Osteifel 71 Menschen durch Unwetter verletzt worden waren, lag das Augenmerk in diesem Jahr besonders auf dem Wetter. Die Polizei gab bereits im Vorfeld an, dass es für Unwetter Notfallpläne gebe.

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Wetter: Unwetter in NRW und Niedersachsen

Katastrophenalarm im Hunsrück

Schon den ganzen Tag hatten extremer Starkregen und heftige Gewitter mit Sturm und Hagel in weiten Teilen Deutschlands Anwohner, Feuerwehr und Rettungskräfte in Atem gehalten.

Katastrophenalarm lösten die Behörden in einer Kleinstadt im Hunsrück aus. Wie der Südwestrundfunk berichtet, war die Gemeinde Stromberg am Nachmittag nach schweren Regenfällen von der Außenwelt abgeschnitten. Das Wasser stand demnach in einigen Straßen bis zu zwei Meter hoch.

Rettungskräfte forderten nach Informationen des Senders Boote an, weil Anwohner ihre Häuser nicht mehr verlassen konnten. Im rund 25 Kilometer entfernten Bad Kreuznach wurde demnach ein Katastrophenzentrum eingerichtet, von wo aus die Einsatzkräfte koordiniert wurden.

17-Jähriger stirbt nach Unfall

Am Rhein unterspülte heftiger Regen die Bahngleise der Strecke Wiesbaden-Koblenz. Betroffen sei linksrheinisch der Abschnitt zwischen Niederheimbach und Bingen, rechtsrheinisch der Abschnitt zwischen Lorch und Kaub, sagte eine Bahnsprecherin.

Vier Zentimeter dicke Hagelkörner kamen bei einem Gewitter in Mittelhessen herunter. Menschen wurden nicht verletzt, aber Keller liefen voll. Teilweise fielen bis zu 60 Liter Regen pro Quadratmeter.

Hagelkörner in Mittelhessen
DPA

Hagelkörner in Mittelhessen

Im nordrhein-westfälischen Sendenhorst ging der Dachstuhl eines Einfamilienhauses nach einem Blitzeinschlag in Flammen auf. Auch in Krefeld brannte ein Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses vermutlich nach einem Blitzeinschlag. Aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen wurden ebenfalls mehrere Dachstuhlbrände gemeldet, deren Ursache möglicherweise Blitzeinschläge waren.

Im nordrhein-westfälischen Dinslaken starb am Freitagmorgen ein 17-jähriger Radfahrer nach einem Unfall auf einer Kreuzung, an der die Ampel wegen des Unwetters außer Betrieb war. Nach Polizeiangaben wurde der Jugendliche auf seinem Fahrrad von einem Lastwagen erfasst. Der 17-Jährige erlag noch am Unfallort seinen Verletzungen.

Am späteren Freitagnachmittag warnte der Deutsche Wetterdienst vor schweren Gewittern vor allem in der Mitte Deutschlands, im Raum Osnabrück und im östlichen Bayern. Am Abend bezogen sich die Warnungen vor allem auf Baden-Württemberg und den Südwesten Bayerns.

Für diese Landkreise gilt laut DWD zurzeit die höchste Warnstufe ("Warnung vor extremem Unwetter", Stand 23 Uhr):

  • Kreis Böblingen
  • Kreis Tübingen
  • Kreis Rottweil
  • Zollernalbkreis
  • Kreis Tuttlingen
  • Kreis Sigmaringen
  • Alb-Donau-Kreis und Stadt Ulm
  • Kreis Biberach
  • Kreis Ravensburg
  • Bodenseekreis
  • Kreis Heidenheim
  • Kreis Günzburg
  • Kreis Unterallgäu
  • Kreis Neu-Ulm
  • Kreis Dillingen a. d. Donau
  • Kreis und Stadt Augsburg
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msc/sun/dpa



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