Modegeschäft in Indien "Hitler"-Laden bekommt neuen Namen

Die Besitzer eines Ladens in Indien wollen ihr Geschäft nicht mehr "Hitler" nennen. Gegen den Namen hatte es international Proteste gegeben. Nun sind sich die Eigentümer sicher: "Am besten wäre ein Name, der völlig unpolitisch ist."

Mitbesitzer Manish Chandani mit Visitenkarte: "Hitler" soll als Name verschwinden
REUTERS

Mitbesitzer Manish Chandani mit Visitenkarte: "Hitler" soll als Name verschwinden


Ahmedabad - Ein Modeladen in Indien soll nicht mehr "Hitler" heißen. Man habe sich zu einer Umbenennung entschieden, sagte Rajesh Shah, einer der Eigentümer, zu SPIEGEL ONLINE. Grund für den Sinneswandel seien die heftigen Proteste. Neben der jüdischen Gemeinde von Ahmedabad hatten israelische Diplomaten die Umbenennung des Ladens gefordert. "Der Druck wurde immer größer. Wir haben Anrufe von Journalisten aus aller Welt bekommen, aus Deutschland, England, Russland, selbst aus Brasilien und Japan." Auch von der Stadtverwaltung sei Druck ausgeübt worden, den Namen zu ändern.

Wie der Laden künftig heißen soll, ist noch unbekannt. Es gebe acht, neun neue Namensvorschläge. Mehr wollte Shah nicht verraten - aus Angst, die Konkurrenz könnte die Ideen klauen. "Am besten wäre ein Name, der völlig unpolitisch ist", sagte er.

Offenbar haben sich die Geschäftsleute in den vergangenen Tagen mit dem Namenspatron des Ladens beschäftigt. Der Großvater von Shahs Geschäftspartner hatte sie nach ihren eigenen Angaben auf den Namen gebracht. Er wurde demnach "Hitler" genannt, weil er immer so streng gewesen sei. "Jetzt weiß ich, dass Hitler ein Diktator war, der Millionen von Menschenleben auf dem Gewissen hat. Vor allem weiß ich, dass die ganze Welt nicht will, dass ein Geschäft 'Hitler' heißt. Wir wollten niemanden verletzen", sagt Shah.

Das Geschäft war im August in der westindischen Großstadt Ahmedabad eröffnet worden. Es bietet Herrenbekleidung an. Über dem Eingang hatten die Besitzer den Namen des Diktators angebracht und den I-Punkt als Hakenkreuz dargestellt. Das Schild werde am Mittwoch demontiert, versicherte Shah.

Er verwahrte sich gegen Kritik, man habe mit dem Namen bewusst provozieren wollen, um Aufmerksamkeit auf das Geschäft zu lenken. Das sei falsch. Kaum jemand in Indien kenne Hitler und wisse, was er angerichtet habe. "Die meisten Menschen wissen so viel über ihn wie wir vor der ganzen Geschichte. Keiner wäre also auf die Idee gekommen, bei uns einzukaufen, nur weil unser Laden diesen Namen hat." In den vergangenen Tagen seien ein paar Neugierige gekommen, hätten aber den Umsatz nicht gesteigert, sondern nur ein Foto gemacht oder eine Tüte mit Aufdruck mitgenommen.

kaz/ulz/dpa



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