Jahrhundertflut in Indien Etwa 1,2 Millionen Menschen harren in Notunterkünften aus

Bei der Flutkatastrophe in Kerala im Süden Indiens sind bislang mehr als 350 Menschen gestorben - mindestens 30 werden vermisst. Betroffen ist vor allem die arme Bevölkerung.

Überflutetes Gebiet in Kerala
REUTERS

Überflutetes Gebiet in Kerala


Bei der sogenannten Jahrhundertflut im südindischen Kerala sinken die Wasserstände langsam. Der Monsunregen, der seit dem 8. August besonders heftig gewesen war, ließ am Wochenende nach, und für diese Woche war nur leichter Regen vorhergesagt.

Bei der Flutkatastrophe starben bislang mehr als 350 Menschen, die Angaben schwanken jedoch. Laut dem Chef der Katastrophenschutzbehörde des Bundesstaates, P.H. Kurien, lag die Zahl der Todesopfer bei 351. Mindestens 30 Menschen werden demnach noch vermisst. In anderen Berichten ist von bis zu beziehungsweise mehr als 400 Toten die Rede.

Die meisten der zwischenzeitlich mehr als 100.000 Menschen, die von der Außenwelt abgeschnitten waren, wurden Kurien zufolge inzwischen gerettet. Etwa 600 Boote der Streitkräfte, unterstützt von lokalen Fischern, seien in der Nacht im Einsatz gewesen.

Videos von dramatischen Rettungen machten im Fernsehen und in sozialen Medien die Runde. Eines davon soll eine schwangere Frau im Rollstuhl zeigen, die von einem Retter an einem Seil von einem Dach geholt und dann in einen Hubschrauber hochgezogen wird. Um ihr Haus herum sind Baumwipfel zu sehen, die aus dem braunen Wasser ragen.

Die inzwischen gut 1,2 Millionen Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten und in mehr als 3600 Notunterkünften in dem Bundesstaat an Indiens Südwestküste ausharren, müssen laut Kurien allerdings voraussichtlich noch ein paar Tage dort bleiben. Wegen der hygienischen Verhältnisse wird der Ausbruch von Krankheiten befürchtet.

Indiens Nachrichtenmedien berichteten in den vergangenen Tagen beinahe pausenlos über die "Jahrhundertflut". Die Fischer Keralas wurden für ihre Teilnahme an den Hilfseinsätzen als Helden gefeiert. Ein Video zeigt, wie einer von ihnen sich im Flutwasser hinkniet, damit Frauen auf seinen Rücken und von dort in ein Schlauchboot steigen können.

Überschwemmungen und Erdrutsche

Die Regenfälle der Monsunzeit von Juni bis September verursachen jedes Jahr Überschwemmungen und Erdrutsche. Mit insgesamt knapp Tausend Toten in ganz Indien ist die diesjährige Monsunzeit bislang verheerend gewesen. Im vergangenen Jahr waren es allerdings etwa 1700 Todesfälle. Damals war die mediale Aufmerksamkeit deutlich geringer.

Ein Grund, warum es diesmal anders ist: Kerala ist ein bei Touristen beliebter Bundesstaat, dessen Bildungsniveau als das höchste Indiens gilt. Die Bewohner sind besser in der Lage, auf die Not in ihrer Region aufmerksam zu machen, als viele andere Inder. Trotzdem sind es auch hier arme, sozial benachteiligte Menschen, die es am schlimmsten erwischt - etwa weil sie in einfachen Hütten oder an Hängen leben, wo Erdrutschgefahr herrscht.

An der Küste - der sogenannten Malabarküste am Arabischen Meer - seien die Schäden an der Infrastruktur besonders groß und wegen der dichten Besiedlung viele Menschen betroffen, sagte Peter Seidel, Referent für Südasien bei der katholischen Hilfsorganisation Caritas international. "Nichtsdestotrotz ist die Situation für die arme Bevölkerung, die oben in den abgelegenen Bergregionen lebt, wahrscheinlich noch dramatischer - wobei man da im Moment noch wenig davon weiß, weil die Region relativ unzugänglich ist."

bbr/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 4 Beiträge
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Rick73 20.08.2018
1. Monokultur, Raubbau und Staudamm
furchtbar um die Opfer lange vorhergesagt dass es zu solchen Katastrophen kommen wird durch die immense Abholzung, Trockenlegungen, Verwüstungen. Der Monsun ist längst aus dem Gleichgewicht natürliche Becken gibt es kaum noch. Auf ARTE gab es vor 3 Jahren eine Doku dazu die damals schon ein paar Jahre alt war. Behörden scheren sich nicht um Rechte es geht um Geld, Enteignung der kleinen Bauern und es herrscht durchweg Korruption. Ein leichtes es auf Naturkatastrophen zu schieben wenn dem Großteil der Bevölkerung die nötige Bildung fehlt der oberen Kaste das Wasser zu reichen. Indien ist ein Paradebeispiel dafür wie es läuft wenn man im großen Stil ein Ökosystem zerstört welches so sensibel ist dass es globale Auswirkungen hat. Die Folge: Millionen leiden und es wird noch schlimmer kommen wenn nicht Vernunft und Einsicht erfolgt.
ein-berliner 20.08.2018
2. 12 Millionen Menschen harren in Notunterkünften
Und die indische Staatführung verspricht Hilfe. Ein Paar Euro... Welch ein Staat.
bucketfor99 20.08.2018
3. Steuern
zahlt in Indien halt auch fast niemand, deshalb gibt der Staat fast kein Geld.
freigeist1964 20.08.2018
4. Hilfe vom indischen Staat?
ein Witz! Das Geld kommt NIE bei der armen Bevölkerung an. Indien hat zwar genug Geld, aber man sch... auf die arme Bvölkerung und rechtfertigt das dann mit "Karma".
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