Indien Mindestens 145 Tote bei Massenpanik in Hindu-Tempel

Tragödie beim Pilgergang: Eine Massenpanik vor einem hinduistischen Bergtempel am Rande des Himalajas hat mindestens 145 Menschen das Leben gekostet. Unter den Toten sollen sich 40 Kinder befinden.


Neu Delhi - Angst war der Auslöser. Tausende Pilger gerieten nach Gerüchten über einen Erdrutsch in Panik und begannen einen schmalen und steilen Bergweg hinabzurennen, berichtete die Polizei im nordindischen Bundesstaat Himachal Pradesh. Nach heftigen Regenfällen hatten sich Steine aus einer Stützmauer gelöst. Die Furcht, lebendig von Erdmassen begraben zu werden, löste die Massenpanik unter Zehntausenden Gläubigen aus, die sich zum zehntägigen Sharavan-Ashtami-Fest am Tempel versammelt hatten.

Verwandte von Opfern vor dem Anandpur-Sahib-Civil-Krankenhaus: Insbesondere Kinder, Frauen und Alte starben
AP

Verwandte von Opfern vor dem Anandpur-Sahib-Civil-Krankenhaus: Insbesondere Kinder, Frauen und Alte starben

Unter den flüchtenden Menschen sei schließlich ein Treppengeländer zusammengebrochen. Ein schockierter Überlebender sagte im Fernsehsender CNN-IBN, die Pilger seien übereinander gefallen. Besonders die Schwachen - Kinder, Frauen und alte Menschen - wurden dann von der panischen Menge zu Tode getrampelt.

Der Polizeioffizier R.N. Dhoke teilte mit, alle Leichen seien in ein Krankenhaus im Staat Punjab gebracht worden, wo auch die Autopsie vorgenommen werde. Die Behörden gingen zuletzt von mindestens 48 weiteren Verletzten aus.

Bilder vom Unglücksort zeigten den Pilgerweg mit Leichen übersät. Darunter waren sowohl tote Frauen und Kinder in farbenfrohen Festgewändern als auch Männer. Die Polizei setzte zur Bergung der Opfer auch Hubschrauber und eine Seilbahn ein. Der Regen behinderte die Rettungsarbeiten und die Bergung der Verletzten.

Der Ursprung des Gerüchts über den angeblichen Erdrutsch blieb unklar. Der Regierungschef des Bundesstaats, Prem Kumar Dhumal, ordnete eine Untersuchung des Unglücks und der Sicherheitsvorkehrungen an. Er kündigte an, Verletzte und Angehörige von Opfern würden entschädigt.

In indischen Tempeln ist es in der Vergangenheit bereits häufiger zu Massenpaniken mit Toten gekommen. So wurden vor drei Jahren im Bundesstaat Maharashtra etwa 265 Pilger zu Tode getrampelt.

cjp/AP/Reuters/dpa



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