Indien Panischer Co-Pilot lässt Jet 2000 Meter tief stürzen

Es war ein folgenschweres Versehen: Bei dem Versuch, seinen Sitz nach vorne zu schieben, hat ein indischer Co-Pilot versehentlich eine Passagiermaschine 2000 Meter in die Tiefe stürzen lassen. Nur dem Kapitän ist es zu verdanken, dass niemand zu Schaden kam.

Boeing 737-800 der Air India Express: Panik in Tausenden Metern Höhe
REUTERS

Boeing 737-800 der Air India Express: Panik in Tausenden Metern Höhe


Neu-Delhi - Die Boeing 737 der Air India Express war auf dem Weg von Dubai nach Pune, als die 113 Passagiere in Angst und Schrecken versetzt wurden: In einer Höhe von 37.000 Fuß stürzte das Flugzeug plötzlich rund 2000 Meter in die Tiefe - um wenig später wieder an Höhe zu gewinnen. Für die Fluggäste war es eine zweiminütige Achterbahnfahrt.

Ein am Montag veröffentlichter Bericht der indischen Luftfahrtbehörde offenbart nun, was genau sich an Bord der Maschine während des Vorfalls am 26. Mai ereignete.

Demnach geschah das Beinahe-Unglück während einer Toilettenpause des 39-jährigen Kapitäns: Der Co-Pilot wollte seinen Sitz nach vorne schieben und habe dabei "aus Versehen" den Steuerknüppel herumgerissen, heißt es in dem Bericht der Luftfahrtbehörde. Vor lauter Schreck habe er offenbar völlig vergessen, was in einer solchen Situation zu tun sei. Er sei wegen der lauten Warngeräusche des Bordcomputers derart in Panik geraten, dass er "weder das Flugzeug unter Kontrolle bringen noch die Cockpit-Tür öffnen" konnte.

Dem Flugkapitän gelang es schließlich, die Tür mit einem Notfallcode zu öffnen, dem 25-Jährigen den Steuerknüppel zu entreißen und die 113 Passagiere vor dem Tod zu bewahren.

Im Passagierraum brach angesichts des steilen Sturzflugs Entsetzen aus; die Menschen schrien, während Gepäckstücke durch die Kabine flogen. Verletzt wurde jedoch niemand. Der Co-Pilot hatte laut dem Bericht weniger als tausend Stunden Flugerfahrung in einer Boeing 737.

"Gegen die Crew sollten angemessene Maßnahmen eingeleitet werden", schließt der Bericht. Der Kapitän versuchte die Passagiere zu beruhigen, indem er ihnen mitteilte, ein Luftloch sei schuld an den Turbulenzen.

Erst vier Tage zuvor war am Flughafen der indischen Hafenstadt Mangalore eine Maschine der Air India wegen eines eingeschlafenen Piloten abgestürzt. Bei dem Unglück kamen 158 Menschen ums Leben.

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han/AFP



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