Hamburg - Nach dem Kentern eines mutmaßlichen Flüchtlingsboots südlich von Indonesien haben Rettungsboote 110 Überlebende auf die australische Weihnachtsinsel gebracht. Drei Leichen seien geborgen worden, sagte ein Sprecher der australischen Wasserschutzbehörde. Rund 90 Menschen würden vermisst. Es gebe Chancen, noch Überlebende zu finden, sagte der Sprecher.
Bis zu 36 Stunden könne man in dem knapp 30 Grad warmen Wasser des Indischen Ozeans überleben, sagte der australische Innenminister Jason Clare. "Wir sind jetzt in einem kritischen Zeitfenster, in dem noch mehr Leben gerettet werden können."
Laut australischer Regierung waren zwei Kriegs- und sieben Handelsschiffe sowie drei Flugzeuge an der Suche beteiligt. Ein Aufklärungsflugzeug hatte das Boot am Donnerstag kieloben treibend rund 200 Kilometer nördlich der Insel entdeckt.
Etwa 200 Menschen seien an Bord gewesen, erzählten Überlebende. Das Boot sei von Sri Lanka in Richtung Australien in See gestochen, teilte das australische Amt für Seesicherheit (Amsa) mit. Erstmals habe man Dienstagnacht von dem Schiff gehört. Jemand von Bord habe sich telefonisch gemeldet und gesagt, es gebe Schwierigkeiten. "Es gab bei dem Anruf aber keinen Hinweis darauf, wo sich das Boot befand", sagte Clare. Daraufhin seien die australischen und indonesischen Rettungsstellen alarmiert worden.
Die Weihnachtsinsel gehört zu Australien, liegt aber viel näher an Indonesien. Sie befindet sich rund 250 Kilometer südlich von Java und rund 2600 Kilometer nordwestlich der australischen Stadt Perth. Es gibt dort ein Flüchtlingslager.
Tausende Flüchtlinge versuchen jedes Jahr, mit teils kaum seetüchtigen Booten nach Australien zu gelangen. Die meisten Boote legen in Indonesien ab. Australischen Angaben zufolge wurden in der Nähe der Insel seit Mittwoch drei weitere Boote mit 238 Flüchtlingen aufgebracht.
hut/dpa/dapd
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