Erdbeben auf Lombok Dutzende Tote, Tausende ohne Zuhause

Innerhalb weniger Tage bebte auf der indonesischen Ferieninsel Lombok zum zweiten Mal die Erde. Dutzende Menschen starben. Zerstörte Straßen und Brücken behindern die Rettungsarbeiten.

REUTERS/ Antara Foto/ Ahmad Subaidi

Tausende flohen in Panik aus ihren Häusern, der Strom fiel aus, viele Menschen haben ihr Zuhause verloren. Nach dem neuen schweren Erdbeben auf der indonesischen Ferieninsel Lombok steigt die Zahl der Todesopfer immer weiter. Bei dem Beben der Stärke 6,9 kamen nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde des Landes mindestens 98 Menschen ums Leben.

In den Trümmern einer eingestürzten Moschee suchten Rettungskräfte nach Verschütteten. Auch dadurch könnte die Zahl der Opfer weiter steigen, sagte Behördensprecher Sutopo Nugroho. Zudem gab es auf der Nachbarinsel von Bali mehrere Hundert Verletzte. Am Montag gab es immer wieder kräftige Nachbeben.

Unklar war am Morgen noch, ob ausländische Touristen unter den Opfern sind. Hinweise, dass auch Deutsche zu Schaden kamen, gab es bislang nicht. Das Auswärtige Amt teilte mit: "Nach bisherigen Erkenntnissen sind keine Deutschen ums Leben gekommen oder schwer verletzt worden." Erst vor einer Woche waren bei einem Beben auf Lombok 16 Menschen getötet worden.

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Immer wieder bebt dort die Erde, oder es brechen Vulkane aus. Lombok ist die kleinere Nachbarinsel von Bali. Lange Zeit galt sie als Geheimtipp für Leute, denen Bali zu touristisch geworden war. Inzwischen sind aber auch dort viele Urlauber unterwegs.

Das neue Beben hatte die Insel gegen 19.46 Uhr Ortszeit am Sonntagabend erschüttert. Das Zentrum des Bebens lag rund 18 Kilometer nordöstlich von Lombok im Meer, in etwa 15 Kilometern Tiefe. Die größten Schäden gab es an der Nordküste. Auch die Hauptstadt Mataram wurde sehr in Mitleidenschaft gezogen. Der Süden und der Westen, wo sich die meisten Urlauber aufhalten, ist weniger betroffen.

"Jeder ist draußen im Freien"

Aus Angst vor Nachbeben verbrachten viele Menschen die Nacht im Freien - meist ohne Licht, weil durch das Beben auch zahlreiche Stromleitungen gekappt waren. "Wir sammeln uns hier im Dunkeln ohne Strom. Jeder ist draußen im Freien", sagte der Distriktchef von Nord-Lombok, Najmul Akhyar.

Viele Schulen blieben am Montag geschlossen, weil nicht klar war, ob die Gebäude noch sicher sind. Manche Gebiete der Insel sind für die Helfer immer noch nicht erreichbar. Zerstörte Brücken und Straßen oder weitere Stromausfälle erschweren ihre Arbeit.

Wegen zerstörter Häuser und Wohnungen wurden rund 20.000 Menschen in provisorische Unterkünfte gebracht. Helfer stellten Zelte auf. Videos zeigen, wie Menschen nach dem Erdbeben schreiend und weinend auf die Straße flohen. Helfer und Soldaten brachten Menschen auf Tragen zu den Evakuierungszentren. Viele Opfer mussten draußen behandelt werden, weil auch die Krankenhäuser zerstört wurden.

Mehrere Hundert Urlauber evakuiert

Von den kleineren Gili-Inseln wurden mehrere Hundert Urlauber mit Booten in Sicherheit gebracht, zunächst nach Lombok. Von dort aus wollten die meisten die Insel dann mit dem Flugzeug Richtung Heimat verlassen. Am Flughafen der Stadt Mataram bildeten sich lange Schlangen von Touristen, die ihre Ferien abbrachen. Es gab auch Urlauber, die innerhalb einer einzigen Woche gleich zwei schwere Beben miterlebten.

An der Nordküste Lomboks wurde zudem eine kleine Tsunamiwelle von 13 Zentimetern Höhe registriert. Der Katastrophenschutz rief die Bevölkerung zunächst auf, Meeresküste und Flussufer zu meiden. Daraufhin flohen viele Menschen auf höher gelegene Gebiete im Inselinneren. Die Tsunami-Warnung wurde nach einigen Stunden jedoch wieder aufgehoben.

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Das Beben war auch auf der bekannteren Nachbarinsel Bali zu spüren. Dort rannten Urlauber in Panik aus ihren Hotels. Nach Medienberichten wurden das Gebäude des internationalen Flughafens Ngurah Rai sowie zwei Einkaufszentren in der Stadt Ubud, die im Inselinneren liegt, beschädigt. Der Flugbetrieb ist nach Angaben der Behörden von dem Beben aber nicht beeinträchtigt. Indonesiens Präsident Joko Widodo versprach den Opfern finanzielle Hilfe.

Konferenzen mit Ministern abgesagt

Wegen des Bebens wurden auch zwei Konferenzen mit Ministern aus Nachbarländern abgesagt, die am Montag auf Bali und Lombok beginnen sollten. Alle bereits angereisten Gäste seien sicher und unversehrt, hieß es von offizieller Seite. Unter ihnen befindet sich auch die australische Außenministerin Julie Bishop. Auf Bali soll Mitte Oktober eine große Tagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank stattfinden.

Lombok war erst vor einer Woche von einem Erdbeben der Stärke 6,4 erschüttert worden. Dabei wurden 16 Menschen getötet. Außerdem gab es mehr als 350 Verletzte. Gut 500 Ausflügler wurden in den folgenden Tagen von dem aktiven Vulkan Rinjani in Sicherheit gebracht, wo sie zeitweilig festsaßen. Unter ihnen waren auch annähernd 200 Touristen aus dem Ausland, darunter etwa zwei Dutzend Deutsche.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels war in der Überschrift von 142 Opfern die Rede, da ein Sprecher der zuständigen Provinzbehörde beim TV-Sender Metro TV diese Zahl genannt hatte.

sen/dpa/AP/Reuters



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