Indonesien: Mehr als 300 Tote nach Tsunami und Vulkanausbruch

Indonesien kämpft gegen die Folgen der beiden Naturkatastrophen, die den Inselstaat im Abstand von weniger als 24 Stunden trafen. Die Zahl der Toten ist drastisch gestiegen, Vulkanologen warnen vor neuen Eruptionen.

Jakarta - Als ob die Welt untergeht - so beschreibt ein Indonesier am Mittwoch im Fernsehen die gewaltige Eruption des Vulkans Merapi auf der Insel Java, bei dem nach aktuellen Erkenntnissen mindestens 29 Menschen starben. Der Ausbruch folgte auf das heftige Erdbeben vor den Mentawai-Inseln einige hundert Kilometer weiter westlich. Keine 24 Stunden zuvor hatte eine meterhohe Tsunamiwelle dort Dutzende Dörfer zerstört. Insgesamt kamen dabei mindestens 272 Menschen um, teilten die Behörden nun mit. Mehr als 400 Bewohner werden noch vermisst.

Damit ist die Zahl der Toten insgesamt auf mehr als 300 angestiegen. Hilfsorganisationen rechnen jedoch mit weiteren Todesopfern in den kommenden Tagen.

Zahlreiche Bewohner der vom Vulkanausbruch auf Java betroffenen Ortschaften wollten am Mittwoch bereits in ihre Häuser zurückkehren. Mit Atemmasken als Schutz vor den Aschepartikeln drängten sie die Hänge hinauf. Sie wollten nach ihrem Vieh sehen und ihren Besitz sichern. Die Polizei versuchte, dies mit Straßensperren zu verhindern. Die Behörden warnten vor einer Rückkehr in das Vulkangebiet.

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Katastrophen in Indonesien: Beben, Flutwelle, Asche
Experten halten weitere Eruptionen für möglich, nachdem sie erhebliche Spannungen im Inneren des Berges festgestellt hatten. Nach Einschätzung des Münchner Vulkanologen Donald Bruce Dingwell könnte der Ausbruch des Merapi noch Wochen, wenn nicht gar Monate dauern. "Das ist kein Vulkan, der mit einem großen Bang alles erledigt", so Dingwell, "sondern einer, der eher Stück für Stück, Schritt für Schritt etwas abschüttet." Gerade die vielen kleineren Explosionen seien das Gefährliche beim Merapi: Sie könnten den Berg destabilisieren und heiße Gerölllawinen auslösen.

Rettungsarbeiten ohne internationale Hilfe

Auf der Inselkette Mentawai ging unterdessen die Suche nach Überlebenden weiter. Immer wieder behinderten jedoch Nachbeben die Rettung. Zudem ist die Gegend für Hilfskräfte nur schwer erreichbar.

Vorläufigen Angaben zufolge kamen bei der Katastrophe in der bei Surfern beliebten Region keine ausländischen Touristen ums Leben. Nachdem zunächst befürchtet worden war, auch neun Australier könnten unter den Opfern sein, gaben die indonesischen Behörden Entwarnung. Angesichts der Verwüstung bot nach US-Präsident Barack Obama auch die australische Regierungschefin Julia Gillard dem Land Unterstützung an. Auch Papst Benedikt XVI. rief die internationale Gemeinschaft zur Hilfe auf. "Der ganzen Bevölkerung Indonesiens bin ich im Gebet nahe", sagte er am Mittwoch bei der Generalaudienz in Rom. Den Familien der Opfer drückte er sein Beileid aus.

Indonesiens Außenminister Marty Natalegawa sagte allerdings vor einem Treffen der Gruppe südostasiatischer Staaten (Asean) in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi, sein Land benötige voraussichtlich keine internationale Hilfe. Die Rettung würde vorerst "national" geführt. Staatschef Susilo Bambang Yudhoyono verließ Vietnam vorzeitig, um die Arbeiten zu überwachen.

jus/AFP/dpa

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