Inge Meysel ist tot Großmutter Courage

Die Schauspielerin Inge Meysel ist tot. Sie starb im Alter von 94 Jahren in Hamburg. Meysel wurde schon zu Lebzeiten zur Legende der deutschen Film- und Fernsehunterhaltung.


Schauspielerin Inge Meysel: Tod im Alter von 94 Jahren
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Schauspielerin Inge Meysel: Tod im Alter von 94 Jahren

Inge Meysel ist tot. Am Samstagmittag bestätigte der Pfleger Meysels, dass sie in ihrer Villa in Bullenhausen bei Hamburg verstorben sei. Bereits seit Wochen waren immer wieder Meldungen über den sich verschlechternden Gesundheitszustand der Schauspielerin erschienen. Am Ende konnte sie offenbar kaum noch das Haus verlassen. Aus der Öffentlichkeit hatte sich die Künstlerin schon Jahre zuvor zurückgezogen.

"Inge starb friedlich im Schlaf. Sie hatte keine Schmerzen, als sie von uns gegangen ist", sagte Meysels Pfleger Peter Kurth der "Bild am Sonntag". Meysel habe einen Herzstillstand erlitten.

Meysel, die meist resolute Frauengestalten des Alltags darstellte, wurde als "Mutter der Nation" bekannt. Sie galt schon zu Lebzeiten als Legende der deutschen Fernseh- und Theaterunterhaltung. Oft waren es resolute Frauengestalten mit rauer Schale, die sie treffend darstellen konnte.

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Inge Meysel: Die "Mutter der Nation" ist tot
Die 1910 in Berlin als Tochter eines jüdischen Tabakhändlers geborene Meysel kam nach zwölfjährigem Auftrittsverbot während der NS-Zeit im Jahr 1945 ans Hamburger Thalia Theater. "Ich bin immer in Kampf- und Abwehrstellung, weil ich mit 23 wegen der Nazis nicht mehr arbeiten durfte", erklärte Meysel. "So habe ich eine Abwehr in mir hochgezüchtet, damit mich niemand mehr verletzen kann." Debütiert hatte die Schauspielerin 1930 in Zwickau mit dem Stück "Etienne und Louise".

In den folgenden Jahren bespielte sie vorwiegend das Fach der Salondame in Boulevardstücken. Die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit ihrem zweiten Mann, dem Regisseur John Olden, brachte Inge Meysel ins Charakterfach.

Der große Erfolg kam 1959 mit Curt Flatows "Das Fenster zum Flur". Ihre Rolle als Portiersfrau mit hohen Ambitionen für ihre Kinder brachte ihr den Ruf als "Mutter der Nation" ein. Seit den 60er Jahren arbeitete Meysel fast nur noch fürs Fernsehen. Für ihre letzte TV-Rolle stand sie im Frühjahr 2003 in der Krimi-Serie "Polizeiruf 110: Mein letzter Wille" vor der Kamera.

Couragiert zeigte sich die Schauspielerin nicht nur in ihren Rollen. Ende der 70er Jahre protestierte Meysel zusammen mit Frauenrechtlerin Alice Schwarzer gegen die Vermarktung der Frau als Sexualobjekt im Magazin "Stern". Mit der PDS-Politikerin Angela Marquardt war Meysel befreundet. Die Künstlerin engagierte sich in der "Deutschen Gesellschaft für humanes Sterben" und wandte sich gegen die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Sie sprach offen über eigene Erfahrungen mit der Liebe zu Frauen.

Für ihre Arbeit erhielt Meysel zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem fünf Mal ein goldenes Bambi, eine Goldene Kamera und den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises. Das Bundesverdienstkreuz lehnte sie 1981 ab. Es sei keinen Orden wert, dass jemand "sein Leben anständig gelebt hat".



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