Vorbild für Omar aus "The Wire": Donnie Andrews ist tot

Er war die Inspiration für die Kultfigur Omar aus der Erfolgsserie "The Wire": Donnie Andrews, ein früherer Straßengangster aus Baltimore. Seit seiner Läuterung im Gefängnis engagierte er sich in sozialen Projekten. Nun ist er im Alter von 58 Jahren gestorben.

Vorbild und Serienfigur: Donnie und Omar Fotos
HBO

Hamburg - Von allen Charakteren der TV-Serie "The Wire" ist Omar Little wahrscheinlich die größte Kultfigur: ein homosexueller Gangster, der die Drogenbosse von Baltimore ausraubt und dabei immer seinen Code befolgt - keine Gewalt gegen unbeteiligte Zivilisten. Fans der erfolgreichen Serie wissen, dass der Charakter durch mehrere Personen aus dem realen Leben inspiriert wurde. Eine entscheidende war der frühere Straßenräuber Donnie Andrews. Vergangene Woche ist er im Alter von 58 Jahren gestorben.

Larry Donnell Andrews, wie er laut "Baltimore Sun" mit bürgerlichem Namen hieß, war als junger Mann ein berüchtigter Verbrecher. Aufgewachsen in den Sozialwohnungen im Westen Baltimores, wurde Gewalt schon früh Teil seines Lebens. Seine Mutter schlug und misshandelte ihn. Im Alter von zehn Jahren wurde er Zeuge, wie ein Rentner in einem Waschsalon totgeprügelt wurde. Mit 13 war er selbst auf den Straßen unterwegs, hing mit den Gangs aus der Gegend ab. So erzählte es Andrews einst dem britischen "Independent".

Andrews überfiel vor allem Drogendealer aus seiner Gegend. "Das Wort Zukunft gehörte nicht zu meinem Vokabular, weil ich ich nicht wusste, ob ich morgen tot oder lebendig sein würde. In meiner Nachbarschaft wetteten die Leute, ich würde nicht mal 21 Jahre alt", sagte er dem Blatt. Dem Artikel zufolge wurde er bis zu seinem 32. Lebensjahr 16-mal festgenommen. Sechs Jahre lang saß er wegen bewaffneter Raubüberfälle in Haft, zweieinhalb wegen Einbrüchen.

Dann kam die Tat, die alles veränderte: Im Auftrag eines Drogendealers ermordete Andrews einen Rivalen - für eine Belohnung von 5000 Dollar und rund 50 Gramm Heroin. Er konnte die Tat nicht vergessen und gestand sie schließlich 1987 der Polizei. Andrews stellte sich als Lockvogel zur Verfügung und traf sich, von Ermittlern verwanzt, mit den Auftraggebern des Mordes. Trotz seiner Kooperation wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.

Damals kam er mit Ed Burns von der Mordkommission in Kontakt. Und später, als Häftling, mit Reporter David Simon von der "Baltimore Sun". Simon und Burns sind die Schöpfer der Serie "The Wire", die 2002 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. In all den Jahren hielten sie Kontakt zu Andrews, der im Gefängnis seine Heroinsucht überwand und die Bibel las. Er wollte mit seinem alten Leben brechen. "Donnie wollte sich verändern, mehr noch als er atmen wollte", sagte Simon.

2005 kam Andrews frei - und wenig später fand er sich in einer Nebenrolle in "The Wire" wieder: als Kompagnon von Omar, zu dessen Figur er Simon mit seinen eigenen Erlebnissen erst inspiriert hatte.

In den vergangenen Jahren war Andrews Teil von sozialen Hilfsprojekten und TV-Dokumentationen und arbeitete laut "Independent" als Sicherheitschef einer Kirche in Baltimore. Er starb in New York an Herzversagen.

hut

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