Panorama

Instagram-Projekt

Studentin macht Selfies mit Männern, die sie belästigen

Belästigungen auf der Straße sind für Frauen auf der ganzen Welt bitterer Alltag. Eine niederländische Studentin stellt sich dem Problem auf kreative Weise.

Freitag, 06.10.2017   12:28 Uhr

"Catcalling" ist in den vergangenen Jahren zu einem Schlagwort geworden. Der Begriff bezeichnet folgendes Szenario: Männer pfeifen Frauen auf der Straße hinterher oder belästigen sie durch Rufe oder Gesten, oft aus Gruppen heraus. Für viele Frauen ist es lästiger Alltag.

Eine der Betroffenen ist Noa Jansma aus Amsterdam. Pfiffe und Rufe sind dabei noch die harmloseren Formen von Belästigung, denen die 20-Jährige ausgesetzt ist. Bisweilen kommt es vor, dass fremde Männer sich ihr auf der Straße in den Weg stellen oder sie zum Sex auffordern.

"Ich habe in solchen Situationen nie gewusst, was ich tun soll", sagte die Studentin der BBC. Wenn sie sich in der Vergangenheit zu Wehr setzte, sei die Situation oft eskaliert. Das habe ihr Angst gemacht. Andererseits habe sie nicht gewollt, dass Männer mit einem solchen Verhalten davonkommen.

Dann fand Jansma eine kreative Art, sich dem Problem zu stellen: ein einmonatiges Instagram-Projekt. Sie begann Selfies mit den Männern zu machen, die sie belästigten, sagte ihnen aber nicht, zu welchem Zweck. Die Fotos postete sie dann auf dem Instagram-Account "dearcatcallers".

"Ich will die Männer nicht öffentlich an den Pranger stellen", sagt die 20-Jährige. "Wenn sie darum bitten, das Foto vom Account zu nehmen, dann tue ich das. Ich will ihr Leben nicht ruinieren." Es sei ihr vielmehr darum gegangen, auf eine Situation aufmerksam zu machen, die Frauen auf der ganzen Welt häufig erleben.

Jansma ist nicht die erste Frau, die in den sozialen Medien auf das Problem aufmerksam macht: 2014 wurde ein Video der US-Amerikanerin Shoshana Roberts veröffentlicht: Roberts ist darin zu sehen, wie sie unauffällig gekleidet und mit neutralem Gesichtsausdruck durch New York läuft. In zehn Stunden wird sie mehr als hundertmal angesprochen, teilweise auch belästigt.

asa

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