Italien ohne Strom Blackout in Deutschland in letzter Minute verhindert

Italien hat wieder Strom. Nach dem landesweiten Blackout kehrt langsam wieder Normalität in den italienischen Alltag ein. 56 Millionen Italiener waren am Sonntag ohne Strom, drei Menschen kamen ums Leben.


In ganz Italien ging gestern das Licht aus
AP

In ganz Italien ging gestern das Licht aus

Rom/Berlin - Das italienische Energieversorgungs-Unternehmen ENEL teilte mit, auch in Sizilien sei die Versorgung wieder hergestellt. Zugleich gibt es erste Schuldzuweisungen. Die Opposition wirft der Regierung vor, den Bau neuer Kraftwerke vernachlässigt zu haben. Die Regierung in Rom kündigte eine rasche Untersuchung der Ursachen an.

Am Sonntag war das ganze Land mehrere Stunden ohne Elektrizität. Über 56 Millionen Italiener waren betroffen, lediglich Sardinien hatte noch Strom. Nur weil kein Werktag war, fielen die Folgen glimpflich aus. Rund 30.000 Menschen strandeten in Zügen, Zug- und Flugverkehr fielen zeitweise aus.

Auch Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi plädierte für den Bau neuer Kraftwerke, um solche Pannen zu vermeiden. Das staatliche Fernsehen berichtete, vermutlich sei eine Panne in der Schweiz verantwortlich. Dort sei eine Höchstspannungsleitung ausgefallen, die Elektrizität nach Italien liefert. Erst vor kurzem hatten große Blackouts in den USA, London und Skandinavien Schlagzeilen gemacht. Experten sehen die Ursache unter anderem in der Privatisierung, die eine sichere Versorgung wegen des wirtschaftlichen Drucks vernachlässige.

In dem Chaos während des Stromausfalls kamen mindestens drei Menschen ums Leben. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa meldete, starben in Süditalien drei alte Frauen, als sie in der Dunkelheit umherirrten. Die Stromversorgung wurde bis zum Abend im ganzen Land wiederhergestellt.

Laut Ansa stürzten bei verschiedenen Zwischenfällen zwei Frauen im Alter von 81 und 72 Jahren in der Dunkelheit eine Treppe hinab und verunglückten tödlich. In einem weiteren Fall hantierte eine 92-jährige Frau in der Dunkelheit mit einer Kerze und zündete dabei ihre Kleidung an. Die Frau erlitt tödliche Verbrennungen.

Betroffen von dem Stromausfall, der von einer Kettenreaktion ausgelöst wurde, waren nach Angaben der staatlichen Gesellschaft ACEA 57 Millionen Menschen - das Ausmaß war damit größer als bei dem dramatischen Stromausfall in Nordamerika vor sechs Wochen.

Die deutsche Energiewirtschaft verhinderte nach eigenen Angaben nur durch blitzschnelle Gegenmaßnahmen, dass sich der Stromausfall auch auf das benachbarte französische Stromnetz auswirken konnte. Wie der Sprecher des drittgrößten heimischen Stromkonzerns, Vattenfall Europe (VE), Johannes Altmeppen, der "Berliner Zeitung" unter Berufung auf Netzfachleute seines Unternehmens erklärte, seien in Deutschland sofort Pumpspeicherwerke in Betrieb genommen worden, um Strom zu verbrauchen und um so ein Überschreiten der Normalnetzfrequenz von 50 Hertz in Frankreich zu verhindern.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.