IV. Zwei Jahre Pontifikat Ratzinger Ranke-Heinemann ist tief enttäuscht

Von Alexander Schwabe


Ratzinger kommt in seinem öffentlichen Auftreten bei den Menschen an. Mit seiner Bescheidenheit und mit tiefen Predigten gewinnt er sehr viel Sympathie. Doch er bleibt Traditionalist.

In Ehe und Familie sieht der Papst keine "soziologische Konstruktion", sondern ein Abbild der Liebe Gottes. Für ihn steht fest: Sexualität ist nur in einer Ehe mit Kinderwunsch legitim. Ehen ohne Trauschein und Ehe-ähnliche Verbindungen zwischen Homosexuellen sind für ihn "Ausdruck einer anarchischen Freiheit". Auch in der Aids-Frage bleibt Benedikt XVI. unnachgiebig: Kondome bleiben verboten.

Ranke-Heinemann ist ernüchtert: "Sehr schnell musste ich feststellen, dass die Unfehlbarkeit der Vorgängerpäpste das selbstständige Denken der Nachfolgerpäpste lahm legt. Ein Papst ist dazu verdammt, der ewig Gestrige zu bleiben."

Ratzinger, den sie noch immer liebevoll "Ratzipatzi" nennt, wird für Ranke-Heinemann zunehmend zum Rätsel: Wie kann ein "denkender, intellektueller Typ", der "weder schlecht, noch dumm ist", trotz seiner theologischen Brillanz eine derart lebensfeindliche Praxis vertreten?

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