Jagdsaison in USA Elfjähriger erlegt Monster-Keiler

Was für ein fettes Schwein! Ein elfjähriger Schüler aus Alabama will einen 477-Kilo-Keiler erlegt haben. Amerikanische Jagdliebhaber sind entzückt, Tierschützer reagieren empört.


Montgomery - "Ich werd' wahrscheinlich nie wieder so was Großes schießen." Mit dieser Prognose dürfte Jamison Stone Recht behalten. Der elfjährige Schüler aus Pickensville im US-Bundesstaat Alabama will ein Wildschwein erlegt haben, für das gerade neue Superlative erfunden werden: Mega-Eber, Monster-Schwein, Goliath-Keiler.

Jamison Stone, 11, mit 477-Kilo-Keiler: 700 Pfund Würste
AP

Jamison Stone, 11, mit 477-Kilo-Keiler: 700 Pfund Würste

Die Aufnahme des gigantischen Tieres löste bei vielen SPIEGEL-ONLINE-Lesern ungläubiges Staunen aus. Experten hingegen halten es für denkbar, dass ein so großes Schwein in freier Wildbahn herumläuft - wenn auch wohl kaum als reinrassiges Wildschwein.

"Das Tier ist ohne Frage gewaltig", sagte Michael Wendt, Professor an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, SPIEGEL ONLINE. Möglicherweise handele es sich um eine Kreuzung zwischen Hausschwein und Wildschwein, und in diesem Fall sei auch das hohe Gewicht vorstellbar. "Eber von Hausschweinen können bis zu 400 Kilo schwer werden", sagte er. Im Einzelfall könnten Extreme wie bei dem Tier in den USA vorkommen.

Nun allerdings, so viel steht fest, ist der Riese tot. Am 3. Mai, so schildern es der Junge und sein Vater Mike, waren beide in den Wäldern Alabamas unterwegs, genauer in der "Lost Creek Plantation", einem Gebiet, in dem kommerzielle Jagden veranstaltet werden. Jamison ist trotz seines zarten Alters ein erfahrener Schütze, brachte mit fünf Jahren seinen ersten Hirsch zur Strecke.

Acht Mal, so Jamison, feuerte er mit seinem Smith&Wesson.50-Kaliber-Revolver auf den Alpha-Eber, dem er, sein Vater und zwei Führer dann durchs Unterholz nachsetzten. Drei Stunden dauerte die Hatz, dann stellte man das verwundete Tier in einem ausgetrockneten Flussbett. Mit einem Blattschuss kriegte der Eber den Rest.

"Ich war schon ein wenig aufgeregt"

Vater Mike gibt an, er und die Führer hätten ihre Gewehre im Anschlag gehabt - für den Fall, dass das verletzte Wildschwein auf die Jäger losgegangen wäre. "Das war ne gute Leistung. Ich hatte ein bisschen Angst, und ich war schon ein wenig aufgeregt", sagte Jamison hinterher. Stolz posierte der Junge mit seiner Trophäe.

In Amerika wird die Hatz auf den Mammut-Eber kontrovers diskutiert: Als Tat eines "feinen jungen Amerikaners" wird die Keiler-Hatz in den Jäger-Internetforen gelobt, Tierschützer hingegen bedauern, dass der Keiler nicht ebenfalls eine Waffe zur Hand gehabt habe.

Um den toten Eber aus dem Wald abtransportieren zu können, mussten etliche Bäume gefällt werden. Auf der Farmer-Viehwaage in Lineville wurde Maß genommen: Der Keiler wog 477 Kilo, war 2,80 Meter lang, sein Nackenumfang betrug 1,88 Meter. Damit winkt ein Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde: Ein posthum "Hogzilla" getaufter Eber, der 2004 in Georgia erlegt wurde, brachte es "nur" auf 400 Kilo.

Der Rest sind Schweine-Würste. "Wir kriegen wahrscheinlich 500 bis 700 Pfund Wurst raus", sagt Vater Mike Stone. Jamison Stone will weiterjagen. Statt Eber sollen es in Zukunft allerdings Rebhühner sein: "Die sind nicht ganz so gefährlich."

pad/ffr/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.