Japan Feuer in Atomkraftwerk

In dem japanischen Atomkraftwerk Onagawa hat es gebrannt. Das Feuer konnte erst nach einer halben Stunde gelöscht werden. Radioaktivität trat nach Angaben der Betreiber nicht aus.


Tokio - Nur wenige Monate nach dem Strahlenunglück in der Atomanlage Tokaimura hat sich damit in Japan erneut ein Zwischenfall in einer Reaktoranlage ereignet. Wie ein Sprecher der Betreiberfirma des Atomreaktors Onagawa am Donnerstag mitteilte, war das Feuer in einem Gebäudeteil ausgebrochen, der nicht direkt mit der Stromerzeugung zu tun hat. Zwar versicherte er, Radioaktivität sei nicht ausgetreten, doch könnte der Vorfall die nach dem Unglück in Tokaimura entstandene Diskussion um die Sicherheitsstandards in japanischen Kernkraftwerken wieder anfachen.

Über die Ursache oder Einzelheiten ds Zwischenfalls gab die Betreiberfirma Tohoku Electric Power bislang nichts bekannt. Radioaktivität sei nicht freigesetzt worden, hieß es aber. Der Reaktor, der rund 300 Kilometer nördlich der japanischen Hauptstadt Tokio ligt, ist zu Wartungsarbeiten seit 17. Januar abgeschaltet. Das Wiederanfahren ist für Anfang April vorgesehen.

Im September hatte das Unglück in der Wiederaufarbeitungsanlage für Uran-Brennstäbe in Tokaimura die Nation schockiert. Zu dem Unglück war es gekommen, nachdem Arbeiter eine sieben Mal größere Menge angereicherten Urans als zulässig in eine Mischanlage gekippt und damit eine Kettenreaktion verursacht hatten. Dabei wurden nach offiziellen japanischen Angaben 440 Menschen zum Teil schwer verstrahlt. Unter Missachtung der Sicherheitsvorschriften hatten die Arbeiter das Uran in einem einfachen Korb herum getragen. Experten für Atomunfälle stuften den Vorfall auf der sieben Punkte umfassenden Störfallskala mit Stufe Vier ein.

Nach heftiger Kritik an der Regierung wegen der zögernden Reaktionen der Regierung auf das Atomunglück hatte das japanische Parlament im Dezember eine Reihe von Gesetzentwürfen eingebracht, die auf eine Verbesserung der Sicherheit in japanischen Atomanlagen zielen. Im energiehungrigen Japan sorgen 51 Atomreaktoren für 30 Prozent des Strombedarfs. Bis 2010 sieht das Regierungsprogramm den Bau von 20 weiteren Reaktoren vor.



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