Japan: Katastrophenhafen Sendai verlädt wieder Waren

Mit 300 Toyotas begann der Neuanfang: Im japanischen Sendai wurden erstmals seit dem Tsunami wieder Waren verschifft. Gleichzeitig wurden im Meer vor Fukushima erneut deutlich gestiegene Strahlenwerte genessen. Der Betreiber will radioaktive Partikel jetzt mit einem Mineral binden.

Japan: Neuanfang in Sendai, neue Probleme in Fukushima Fotos
AFP

Sendai - Fünf Wochen nach dem zerstörerischen Tsunami kehrt die Unglücksprovinz Miyagi langsam zur Normalität zurück. Im Hafen von Sendai wurden am Samstag erstmals wieder Güter verladen. Rund 300 Autos des weltgrößten Autobauers Toyota seien auf ein Frachtschiff geladen und in die Industriestadt Nagoya verschifft worden, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Das Distributionssystem sei wiederhergestellt, sagte ein zuständiger Beamter der Provinzregierung Miyagi. Man erwarte, dass auch weitere Unternehmen wieder ihren Warenverkehr über den Hafen abwickeln. Kurz zuvor war auch der Flughafen von Sendai teilweise wieder in Betrieb genommen worden. Ab Montag können Unternehmen in der Provinz ihre Industriegüter auf Strahlen testen lassen. Danach erhalten sie Prüfzertifikate, die sie ihren Kunden schicken können.

Bis Ende des Monats sollen in 13 verwüsteten Gemeinden rund 1300 Behelfshäuser fertig gestellt sein. Bis Mitte Mai soll mit dem Bau weiterer 10.000 solcher provisorischen Behausungen für die Überlebenden der Katastrophe begonnen werden.

Fukushima meldet hohe Strahlung im Meer

Im Unglücks-AKW Fukushima versuchen Arbeiter weiterhin, die havarierten Reaktoren unter Kontrolle zu bekommen. Im Meerwasser in der Nähe des Kraftwerks stiegen die Strahlenwerte stark an. Dies könne auf neue Lecks in der Anlage hindeuten, teilte die Regierung am Samstag mit. Betreiber Tepco wertete die Messungen hingegen positiv: Die Werte seien vor einer am Freitag installierten Sperrmauer im Meer gemessen worden. Dies deute darauf hin, dass die Wand helfe, eine weitere Verseuchung des Meeres zu verhindern.

Der Leiter der japanischen Atomaufsichtsbehörde sagte, die Strahlung habe sich möglicherweise erhöht, weil beim Bau verstrahltes Material aufgewirbelt worden sei. Es sei weiter möglich, dass radioaktiv verseuchtes Wasser aus der Anlage sickere.

Tepco erwägt nach Informationen von Kyodo nun den Einsatz neuer externer Kühlmaschinen, um die Temperatur der Reaktoren zu senken. Diese arbeiteten mit Wärmeaustauschern und Umwälzpumpen. So könne Wasser aus den Reaktoren abgepumpt, mit Meerwasser gekühlt und in die Reaktoren zurückgepumpt werden.

Die regulären Kühlsysteme waren vom Tsunami zerstört worden. Tepco pumpt seither Millionen von Litern Wasser in die Reaktoren und Abklingbecken, um sie zu kühlen. Das hat jedoch dazu geführt, dass nun gewaltige Massen an verstrahltem Wasser in der Anlage sind. Sie behindern Versuche, die Kühlsysteme im AKW wieder in Gang bringen.

Hoffen auf Zeolith

Die Arbeiter versuchen auch, mit Hilfe des Minerals Zeolith, ins Meer geflossenes radioaktives Material zu absorbieren. Dazu deponierten sie je 100 Kilogramm schwere Säcke mit Zeolith bei den Ansaugrohren im Meer. Unerwünschte Ionen wie das radioaktive Cäsium 137 sollen so entzogen und im Zeolith gebunden werden. Das Mineral wurde auch bei anderen Atomunfällen verwendet, unter anderem nach der Katastrophe im US-Atomkraftwerk Three Mile Island im Jahr 1979.

Unterdessen erschütterte ein weiteres Nachbeben der Stärke 5,9 die Katastrophenregion und den Großraum Tokio erschüttert. Berichte über Verletzte oder neue Schäden gab es jedoch nicht.

Um den Wiederaufbau nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe zu finanzieren, plant die japanischen Regierung einem Medienbericht zufolge, Staatsanleihen auszugeben. Um die Schulden zurückzuzahlen sollte erhoben werden, berichtete die Zeitung "Nikkei" ohne Angabe von Quellen.

Die Regierung von Ministerpräsident Naoto Kan hatte bereits angekündigt, für eine erste Phase des Wiederaufbaus mehr als vier Billionen Yen (rund 33 Milliarden Euro) zur Verfügung stellen zu wollen. Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau von Häusern, Industrieanlagen und Infrastruktur wie Straßen und Brücken schätzt die Regierung aber auf das Vier- bis Sechsfache.

dab/AFP/dpa/AP

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Nicht selektiv prüfen!
alaxa 16.04.2011
Zitat von sysopMit 300 Toyotas begann der Neuanfang: Im japanischen Sendai wurden erstmals seit dem Tsunami wieder Waren verschifft. Gleichzeitig wurden vor Fukushima erneut deutlich gestiegene Strahlenwerte genessen. Der Betreiber will radioaktive Partikel jetzt mit*einem Mineral binden. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,757527,00.html
Wer kann es den Japanern verdenke, dass sie nicht wieder produzieren und exportieren. Die Frage ist nur, ob man die Importe selektiv auf Radioaktivität prüft oder jedes Stück einzeln. Mir wäre wohler, wenn z.B. jede Flasche Sojasauce separat geprüft würde. Aber ist das machbar? Nur Stichproben zu machen, entspricht nicht den Verbraucherinteressen bei importierten japanischen Waren!
2. äh ?
Oldar 16.04.2011
Zitat von sysopMit 300 Toyotas begann der Neuanfang: Im japanischen Sendai wurden erstmals seit dem Tsunami wieder Waren verschifft. Gleichzeitig wurden vor Fukushima erneut deutlich gestiegene Strahlenwerte genessen. Der Betreiber will radioaktive Partikel jetzt mit*einem Mineral binden. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,757527,00.html
...ich dachte wir wären mit dem japan-atom-ding durch ? War doch Alles so weit klar, oder? Keine Gefährdung von Niemandem, etc. Möchte auch nochmal aud die Verteilungswirkung im Wasser hinweisen!!! Harhar. Alles in Butter !
3. Weshalb ...
robusto, 16.04.2011
Weshalb ist Sendai ein "Katastrophen"-Hafen ?? Kann man nicht etwas Sensations-ärmer berichten ?? Ich gönne es dem Japanischen Volk dass sie zur Normalität zurcükkehren und hoffe mit Ihnen für das Beste.
4. Bereits verstrahlte Ware in Wladiwostok entdeckt
4mocPeter, 16.04.2011
Zitat von alaxaWer kann es den Japanern verdenke, dass sie nicht wieder produzieren und exportieren. Die Frage ist nur, ob man die Importe selektiv auf Radioaktivität prüft oder jedes Stück einzeln. Mir wäre wohler, wenn z.B. jede Flasche Sojasauce separat geprüft würde. Aber ist das machbar? Nur Stichproben zu machen, entspricht nicht den Verbraucherinteressen bei importierten japanischen Waren!
Servus Alaxa, dann lies mal diesen Artikel über Wladiwostok, dort wurden bereits am 14. April verstrahlte (gebrauchte) Autos entdeckt. Siehe: http://de.rian.ru/society/20110414/258837203.html Grüßle
5. .
Seska Larafey 16.04.2011
---Zitat--- Tepco erwägt nach Informationen von Kyodo nun den Einsatz neuer externer Kühlmaschinen, um die Temperatur der Reaktoren zu senken. Diese arbeiteten mit Wärmeaustauschern und Umwälzpumpen. So könne Wasser aus den Reaktoren abgepumpt, mit Meerwasser gekühlt und in die Reaktoren zurückgepumpt werden ---Zitatende--- Hoffentlich vergisst diese Firma nicht, das alles. Ja alles was "repariert" werden muss, von faktor Mensch, sprich Mitarbeiter, abhängt. Roboter können nur einfache aufgaben erfüllen. Aber nur Menschen können neues Kühlsystem installieren. Und wie behandelt diese Firma seine Mitarbeiter? Auch wenn es um 3 Ecken angestellt sind. Die riskieren ihre Gesundheit für Nippon und der Welt. Es sind keine Kamikaze Mitarbeiter. Gibt ihn würde. Gebt ihnen das was Sie brauchen. Und nicht nur einen kalten harten Boden zum Schlafen. Respektiert ihre Opfer. Behandelt Sie dementsprechend. Das sind wir ihnen Schuldig
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