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20. März 2011, 10:23 Uhr

+++ Japan-Liveticker +++

Regierung empfiehlt Trinkwasser in Fukushima zu meiden

Die Rettungskräfte machen Fortschritte, doch die Lage bleibt kritisch: Feuerwehrleute besprühen den Katastrophenreaktor Fukushima mit Wasser. Deutsche AKW-Betreiber schicken Spezialgerät nach Japan. Die wichtigsten Ereignisse im Liveticker.

+++ Regierung empfiehlt Trinkwasser in Fukushima zu meiden +++

[18.23 Uhr] Die japanische Regierung hat der Bevölkerung in der Präfektur Fukushima empfohlen, das dortige Leitungswasser nicht zu trinken. Die radioaktive Belastung könnte zu hoch sein. Zuvor waren bereits erhöhte Strahlungswerte im Leitungswasser von Tokio und anderen Regionen des Landes festgestellt worden.

+++ Panzer sollen bei Trümmerräumung helfen +++

[17.44 Uhr] Panzer der japanischen Streitkräfte sollen am Montag helfen, Trümmer auf dem Gelände des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima aus dem Weg zu räumen. Dies berichteten japanische Medien unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Tokio. Die dicke Metallhülle der Panzer werde die Soldaten vor der gefährlichen Strahlung schützen, berichtete der Fernsehsender NHK. Mit montierten Bulldozerschaufeln sollen die verstrahlten Trümmer aus dem Weg geräumt werden, um den Helfern den Zugang zu den Reaktorblocks zu erleichtern.

+++ USA erwägen andere AKW-Standorte +++

[17.02 Uhr] In den USA werden die Standorte für neue Kernkraftwerke überprüft. Mit Sicherheit würden die Bauorte zukünftiger AKW andere sein, "als wo wir sie früher gebaut hätten", sagte Energieminister Steven Chu dem Sender Fox News am Sonntag. Zudem müsse geprüft werden, ob bestehende Kernkraftwerke wie Indian Point im Bundesstaat New York weiter betrieben werden sollten. Die Entscheidung darüber liege bei der Atomaufsicht NRC. Von einem Unglück in Indian Point wären 20 Millionen Menschen in einem Umkreis von 80 Kilometern betroffen, darunter acht Millionen in der Stadt New York. US-Präsident Barack Obama hatte am Donnerstag eine Überprüfung der amerikanischen Kernkraftwerke angeordnet. An der Technologie selbst will er jedoch festhalten.

+++ Japan-Rückkehrer nicht strahlenbelastet +++

[16.57 Uhr] Bei Rückkehrern aus Japan sind auf dem Frankfurter Flughafen bisher keine überhöhten Strahlenwerte gemessen worden, wie der Sprecher des hessischen Umweltministeriums, Thorsten Neels, berichtet. Insgesamt haben sich auf dem Frankfurter Flughafen am Freitag und Samstag 14 aus Japan ankommende Passagiere untersuchen lassen. "Es ist ein freiwilliges Angebot", betonte Neels. Auch die Lufthansa hat bei ihren aus Japan ankommenden Maschinen in Frankfurt und München keine besondere Strahlenbelastung festgestellt. "Bisher waren alle Wischproben ohne Befund", sagte LH-Sprecher Peter Schneckenleitner in Frankfurt.

+++ Mahnwachen in ganz Deutschland +++

[16.44 Uhr] Atomkraftgegner haben für Montagabend um 18 Uhr zu Mahnwachen in ganz Deutschland aufgerufen. In mehr als 670 Orten, darunter auch in Berlin, sollen Bürger für einen Ausstieg aus der Kernkraft demonstrieren, teilte die Anti-Atom-Organisation "Ausgestrahlt" mit. Am vergangenen Montag hatten sich nach Veranstalterangaben mehr als 100.000 Menschen in zahlreichen deutschen Städten an Protesten beteiligt.

+++ Hohe Strahlenwerte in Raps gemessen +++

[16.35 Uhr] In Japan sind mehr Agrarprodukte radioaktiv verseucht als bisher bekannt. Das teilte das Gesundheitsministerium in Tokio mit. Messungen bei Raps hätten "bedeutende Dosen an Strahlung" ergeben. Die Proben stammten aus Regionen, in denen bislang keine erhöhte Radioaktivität gemessen wurde.

Zuvor war bereits in Milch und Spinat aus der Umgebung des Atomkomplexes eine erhöhte Strahlenbelastung gemessen worden. Nach Behördenangaben sei die Dosis aber nicht so hoch, dass sie als gesundheitsschädlich eingestuft werden müsse.

+++ Demonstration vor AKW Biblis +++

[16.15 Uhr] Etwa 2000 Menschen haben vor dem Atomkraftwerk Biblis den Ausstieg aus der Kernenergie gefordert. Damit beteiligten sich deutlich mehr Menschen an der Demonstration als ursprünglich erwartet. Ursprünglich hatten die Veranstalter, darunter mehrere Anti-Atom-Initiativen und die örtlichen Grünen, nur bis zu 200 Teilnehmer angemeldet.

+++ Arabische Emirate prüfen AKW-Bau +++

[15.59 Uhr] Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen ihre Pläne für das erste Atomkraftwerk im Land nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima überprüfen. Das sagte der Generaldirektor der staatlichen Atomaufsichtsbehörde, William Travers. Das Land plant sein erstes Kernkraftwerks im Jahr 2017 in Betrieb zu nehmen. Nun sollen Erkenntnisse aus dem Unglück in Japan berücksichtigt werden. Außerdem werde intensiv über Sicherheitsstandards gesprochen. "Damit wird die Sicherheit in der friedlichen Nutzung der Atomenergie in den Emiraten erhöht", sagte Travers.

+++ Deutsche AKW-Betreiber schicken Ausrüstung nach Fukushima +++

[15.10 Uhr] Die deutschen Kernkraftwerksbetreiber schicken am Montag Hilfsgüter nach Japan. 20 Paletten mit Hilfsgütern sollen von Frankfurt nach Japan geflogen werden, teilte das Deutsche Atomforum mit. Unter den Materialien sind zum Beispiel Spezialfilter, Masken und Strahlenmessgeräte. Die Hilfsaktion gehe auf eine entsprechende Anfage der japanischen Betreiberfirma des havarierten AKW Fukishima, Tepco, zurück. Die Unterstützung mit weiterer kerntechnischer Spezialausrüstung sei zugesagt worden.

+++ In zwei von sechs Abklingbecken Lage unter Kontrolle +++

[14.59 Uhr] Verantwortliche des Atomkomplexes Fukushima sagen, dass in zwei von sechs Abklingbecken für verbrauchte Brennelemente in dem Kernkraftwerk die Lage wieder unter Kontrolle sei. Die Temperatur in den Becken sei in einen normalen Bereich abgekühlt. In den anderen Blöcken wird an der Kühlung der Reaktoren und Abklingbecken weiter gearbeitet.

+++ Japans Ministerpräsident fährt nach Fukushima +++

[14.39 Uhr] Japans Ministerpräsident Naoto Kan wird am Montag die Region nahe des havarierten Atomkraftwerkes Fukushima besuchen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

+++ Reaktoren 3 und 4 noch Tage ohne Stromversorgung +++

[14.32 Uhr] Laut Betreiber wird es noch mehrere Tage dauern, bis die Reaktoren 3 und 4 wieder mit Strom versorgt werden können. Die vier anderen Reaktoren konnten die Techniker dagegen wieder ans Netz anschließen.

+++ Rettungskräfte besprühen Reaktor 3 mit Wasser +++

[14.12 Uhr] Rettungsmannschaften haben erneut Wasser auf den Reaktorblock 3 des Kernkraftwerkes Fukushima I gesprüht. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Dieser Reaktor ist besonders gefährlich, weil die Brennelemente Plutonium-Uran-Mischoxide enthalten. In dem Reaktorbehälter war am Sonntagmorgen der Druck wieder gestiegen, obwohl der Block bis Sonntag früh 13 Stunden lang unter dem Beschuss von Wasserwerfern stand.

+++ Hamburg verteilt Jod an Seeleute +++

[13.59 Uhr] Hamburg stellt Seeleuten Jodtabletten zur Verfügung. Damit sollen die Besatzungen von Schiffen ausgerüstet werden, die in das Seegebiet vor Japan fahren, teilte die Innenbehörde am Sonntag mit. "Ebenfalls stellen wir aufgrund eines Hilfeersuchens Japans Wassercontainer, Kanister, Decken sowie mobile Toiletten zur Verfügung", sagte Staatsrat Stefan Schulz.

+++ Angst vor Strahlung lässt Salzpreise in Burma steigen +++

[13.47 Uhr] Die Preise für Jodsalz haben sich in den großen Städten Burmas mehr als verdreifacht, nachdem im benachbarten China angesichts der Angst vor radioaktiver Strahlung Panikkäufe eingesetzt hatten. Das berichtete die burmanische Zeitung "True News Journal" am Sonntag. In der falschen Annahme, Jodsalz könne sie vor Verstrahlung schützen, haben Chinesen massenhaft Salz gekauft. Um die hohe Nachfrage zu befriedigen, wurden Tausende Säcke Salz aus Birma importiert. Dort wiederum stieg - aus Angst, die eigenen Bestände könnten knapp werden - der Preis seit Freitag sprunghaft an.

Kaliumjodid kann die Schilddrüsen bei einer hohen Strahlenbelastung schützen, gängiges Tafelsalz enthält aber nicht genug Jod, um einen ähnlichen Effekt zu haben. Auch radioaktiver Niederschlag in China ist nach Ansicht von Experten - nicht zuletzt wegen der Windströmungen - unwahrscheinlich. Der Großhandelspreis für einen 34-Kilo-Sack Salz im burmanischen Rangun lag bei 1.800 Kyat (1,41 Euro) und sei auf 6.500 Kyat (5,10 Euro) gestiegen.

+++ Reaktor 5 stabil +++

[13.05 Uhr] Die Techniker in der havarierten Atomanlage Fukushima 1 haben den Reaktor 5 stabilisiert. Das teilten die Behörden nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo mit. Zuvor war bereits bekannt gegeben worden, dass Reaktor 6 wieder unter Kontrolle sei. Die Rettungskräfte hätten bei beiden Reaktoren die Kühlung wieder in Gang gesetzt. Die Temperatur des Kühlwassers liegt unter 100 Grad Celsius und ist damit so niedrig, dass keine Gefahr mehr droht.

+++ Abklingbecken von Block 2 mit Meerwasser aufgefüllt +++

[12.34 Uhr] Rettungskräfte haben Meerwasser in das Abklingbecken des Reaktorblocks 2 gepumpt, meldet die Nachrichtenagentur Kyodo. Zuvor war der Reaktor an das Notstromnetz angeschlossen worden. Mit dem Netz werden die Pumpen zur Wasserkühlung des Meilers mit Strom versorgt.

Autokonzerne nehmen Produktion wieder auf

+++ Reaktor 6 stabil +++

[12.22 Uhr] Der Reaktorblock 6 von Fukushima Eins befindet sich in einer stabilen Lage, einem sogenannten "cold shutdown". Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Beim "cold shutdown" funktioniert die Kühlung eines abgeschalteten Atommeilers. Die Temperatur des Kühlwassers liegt unter 100 Grad Celsius und ist damit zunächst so niedrig, dass keine Gefahr mehr droht.

+++ Australien exportiert weiter Uran +++

[11.55 Uhr] Der schwere Atomunfall hat keine Auswirkungen auf Australiens Uran-Exporte, betonte Premierministerin Julia Gillard. "Wir werden weiterhin Uran exportieren. Jedes Land entscheidet selbst, wie es seine Energie erzeugen will." Am weltweiten Uran-Export hat Australien einen Anteil von rund 20 Prozent. Australien hat strikte Auflagen für die Exporte; es darf nur zu friedlichen Zwecken genutzt werden. Australien erzeugt seine Energie überwiegend mit Kohle; es hat selbst keine Atomkraftwerke.

+++ Staatshilfe für Banken in Bebenregion +++

[11.07 Uhr] Japans Regierung will nach der Bebenkatastrophe Banken in den betroffenen Gebieten mit Steuergeld unterstützen. Die Regierung bestätigte entsprechende Überlegungen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Sonntag berichtete. Damit solle sichergestellt werden, dass die Institute ihren Geschäften reibungslos nachgehen könnten. Seit Anfang vergangener Woche hatte auch Japans Notenbank Dutzende Milliarden Euro zur Beruhigung der Finanzmärkte in das Bankensystem gepumpt. Die Summe der kurzfristigen Notfallmaßnahmen summierte sich zuletzt auf rund 37 Billionen Yen (322 Milliarden Euro).

+++ Reaktor 4 wird wieder von außen gekühlt +++

[10.47 Uhr] Einsatzkräfte haben den beschädigten Reaktor 4 erneut mit Wasser besprüht, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Zuvor hatten schon zehn Wasserwerfer der japanischen Streitkräfte und ein Fahrzeug der US-Streitkräfte den Reaktor mit großen Wassermengen zu kühlen versucht. Die Aktion soll den Wasserstand im Abklingbecken mit abgebrannten Kernbrennstäben erhöhen. Reaktor 4 war wegen Wartungsarbeiten schon vor dem Erdbeben abgeschaltet, das Becken mit dem weiter strahlenden Material gilt aber als besonders große Gefahrenquelle.

+++ Autokonzerne nehmen Produktion wieder auf +++

[10.34 Uhr] Der japanische Autokonzern Nissan plant, die heimische Produktion diesen Donnerstag wieder aufzunehmen, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Wegen der verheerenden Naturkatastrophen hatten unzählige Unternehmen Schaden genommen und die Produktion teilweise eingestellt. Neben Nissan sind beispielsweise Toyota und Honda betroffen. Auch bei Honda startet nach Unternehmensangaben der Großteil der Produktion vermutlich am Donnerstag wieder. Toyota hatte angekündigt, die meisten seiner Werke Mitte der Woche wieder in Betrieb zu nehmen.

+++ Kan plant Reise nach Fukushima +++

[09.50 Uhr] Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan wird möglicherweise die Region um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima Eins besuchen. Das sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Sonntag nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo. Nähere Angaben über den Zeitpunkt machte er nicht.

+++ Stromversorgung von Reaktor 2 wiederhergestellt +++

[09.45 Uhr] Der Block 2 des Reaktors von Fukushima hat wieder Strom. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo mit Verweis auf das Betreiberunternehmen Tepco. Das soll helfen, um die Beleuchtung und die Kühlung der Abklingbecken wieder in Gang zu setzen. Ob die Wasserpumpen funktionieren, ist aber noch unklar. In Reaktor 2 gab es zuvor schwere Explosionen und Brände. Die innere Hülle des Reaktors ist beschädigt, Radioaktivität ist ausgetreten. Auch die Stromversorgung für die zentralen Kontrollräume des Reaktorblocks 1 soll noch am Sonntag wieder hergestellt werden.

+++ Zwei Menschen aus Trümmern gerettet +++

[09.38 Uhr] Rettungskräfte haben nach eigenen Angaben zwei Menschen lebend gerettet. Eine 80 Jahre alte Frau und ein 16-Jähriger seien in der zerstörten Stadt Ishinomaki aus Trümmern geholt worden, teilte die Polizei am Sonntag mit. Sie litten an Unterkühlung und seien mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht worden.

+++ Druck in Reaktorblock 3 hoch, aber stabil +++

[08.53 Uhr] Nach einem vorübergehenden Anstieg des Drucks in Block 3 des Atomkraftwerks Fukushima hat sich die Lage nach Angaben der Betreiberfirma Tepco wieder stabilisiert. Von Plänen, zur Druckentlastung etwas radioaktives Gas abzulassen, rückte das Unternehmen daher wieder ab. Bei einem Ablassen von Gas würden die Strahlungswerte um die Anlage wieder ansteigen. Der Druck sei allerdings noch relativ hoch, hieß es.

+++ Radioaktiv belastete Bohnen aus Japan in Taiwan entdeckt +++

[08.43 Uhr] In Taiwan sind radioaktiv belastete Bohnen aus Japan gefunden worden. Die Werte lagen jedoch deutlich unter den erlaubten Grenzwerten und waren damit auch nicht gesundheitsschädlich, wie die Behörden mitteilten. Es waren in Taiwan offenbar die ersten radioaktiv belasteten Importe aus Japan.

+++ Wetterbehörde gibt Entwarnung für Tokio +++

[06.12 Uhr] Nach Angaben der japanischen Wetterbehörde dürfte Tokio am Sonntag weiterhin von der aus dem Atomkraftwerk Fukushima austretenden Radioaktivität weitgehend verschont bleiben. Im Großraum der Metropole wurden nach Angaben der Regierung allerdings radioaktiver Staub und Partikel nachgewiesen. Risiken für die Gesundheit bestünden nicht. Für die Region um den Reaktor sagte sie gleichzeitig drei bis fünf Milliliter Niederschlag voraus.

+++ Zahl der Toten und Vermissten steigt auf über 20.000 +++

[03.16 Uhr] Die Polizei rechnet allein in der Präfektur Miyagi mit mehr als 15.000 Toten durch das verheerende Erdbeben und den Tsunami, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Zahl der Todesopfer wird derzeit mit 8133 angegeben. Mehr als 12.000 Menschen werden vermisst. Es wird erwartet, dass die Zahlen weiter steigen werden.

cte/wbr/Reuters/dapd/dpa/AFP

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