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Kampf gegen den Untergang: Der Samurai-Schwimmer

Das ist nichts für Weicheier: Schwimmen in 15 Kilogramm schweren Samurai-Rüstungen gehört zu den traditionellen Kampfkünsten in Ostasien - und bietet beeindruckende Bilder. Mutsuo Koga ist einer von wenigen Japanern, die diese Anstrengungen noch auf sich nehmen.

Samurai-Schwimmer: Traditionelle japanische Kampfkunst Fotos
AFP

Tokio - Originalgetreue Samurai-Rüstungen sind martialisch - und gewichtig. Schon das Laufen in dem schweren japanischen Metall-Panzer ist eine Herausforderung. Besonders Hartgesottene aber gehen mit den 15 Kilo Zusatzgewicht ins Wasser: Schwimmen in voller Kampfmontur gehört in dem ostasiatischen Land zur Tradition, droht aber, in Vergessenheit zu geraten.

Zu den Fans des ungewöhnlichen Überlebenstrainings zählt Mutsuo Koga. Der 27-jährige Arzt nimmt nach längerer Zeit wieder an einer Veranstaltung für Samurai-Schwimmer teil. "Es ist schwer und heiß hier drin", sagt er leicht gequält, bevor er in das öffentliche Schwimmbad eintaucht. "Ich mache mir Sorgen, ob ich wieder aus dem Wasser komme. Das letzte Mal bin ich vor drei Jahren geschwommen."

Der Sport entwickelte sich zu Hoch-Zeiten der Samurai im feudalen Japan des 15. und 16. Jahrhunderts. Ursprünglich war er pure Überlebensstrategie - wenn die berühmten Schwertkrieger etwa in voller Montur samt Stiefeln durch Wasser flüchten mussten. Nach und nach aber wurde daraus ein Teil der klassischen Kampfkünste.

In Flüssen und Meeren könnten die verschiedenen Techniken des Samurai-Schwimmens bis heute durchaus hilfreich sein, sagen seine Anhänger. "Wer nach westlicher Art schnell schwimmen kann, kann noch lange nicht überall in freier Natur überleben", so Kogas Vater Tadao Koga, Großmeister im Samurai-Schwimmen. Nach Angaben des 67-Jährigen müssen die Sportler etwa lernen, starkem Wellengang in Strandnähe standzuhalten. Um gegen heftige Strömung anzuschwimmen, ist der "hayanuki"-Zug erforderlich: Dabei schießt der Körper hoch in die Luft, die Arme tauchen in die Gischt.

Tadel vom Vater und Großmeister

Geschwommen wird erhobenen Hauptes und mit wachem Geist, schließlich könnte ein Felsen im Weg sein oder ein Axt-schwingender Feind. Der Reiz des Sports sei, sich "in Form und Schönheit zu messen, nicht in der Geschwindigkeit", sagt die 25-jährige Yoko Suzuki, eine Meisterin im traditionellen Schwimmen für Frauen.

Die Schwimmkunst wurde Anfang des 20. Jahrhunderts noch in vielen Schulen gelehrt. Dann aber kam sie aus der Mode. Heute gibt es nur noch in ein paar Einrichtungen, die Samurai-Schwimmen anbieten. "Unsere größte Gruppe unter den Schülern sind Frauen ab 60 Jahren", sagt Masahiko Yaginuma, der im nationalen Schwimmverband für die japanischen Schwimmstile zuständig ist. Für viele der älteren Schülerinnen zähle Samurai-Schwimmen zu den traditionellen Künsten, die eine kultivierte Japanerin lernen sollte - wie Ikebana oder die Teezeremonie, sagt er.

Mutsuo Koga hat es nur etwa eine Minute im Wasser ausgehalten. Dann steigt der 27-Jährige langsam und wacklig unter großem Applaus wieder aus dem Becken. Rund 20 Meter hat er zurückgelegt. "Deine Brust hätte über der Wasseroberfläche sein sollen", tadelt Vater Tadao ihn am Beckenrand. "Ich war nicht sehr gut", sagt auch Mutsuo.

wit/AFP

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