Japanisches AKW Fukushima Tagelöhner schufteten unfreiwillig in Atomruine

Sie bewarben sich als Lastwagenfahrer - und landeten mitten im havarierten Kraftwerk: Zwei über 60 Jahre alte Tagelöhner arbeiteten unfreiwillig wochenlang im japanischen AKW Fukushima. Eine Verwechslung soll zu dem peinlichen Vorfall geführt haben.

REUTERS

Tokio - Es ist ein hochgefährlicher Einsatz: Seit Wochen versuchen Hunderte Arbeiter, das havarierte AKW Fukushima zu stabilisieren. Unter den Männern sollen auch Tagelöhner gewesen sein, die teilweise ohne besondere Vorbereitung in das Kraftwerk geschickt wurden. Nun berichten die Nachrichtenagenturen Kyodo und AFP von zwei besonders dramatischen Fällen: Demnach landeten Hilfsarbeiter unfreiwillig in den zerstörten Reaktorblöcken - obwohl sie sich für ganz andere Jobs angeboten hatten.

Die Männer kamen den Berichten zufolge über eine Arbeitsvermittlung in Osaka nach Fukushima. Ein Hilfsarbeiter habe sich Mitte März für einen Job als Fahrer in der Präfektur Miyagi beworben, sich bei Antritt der neuen Stelle aber auf dem Gelände der Atomruine wiedergefunden, zitiert die AFP Satoshi Hoshino von der betroffenen Arbeitsvermittlung. Der Mann sei mit Atemschutzmaske und Schutzkleidung ausgestattet worden, er habe Wasserschläuche an Pumpfahrzeuge anschließen und damit zur Kühlung der Reaktoren 5 und 6 beitragen sollen.

Der über 60 Jahre alte Tagelöhner habe daraufhin die Arbeitsvermittlung angerufen und gefragt, ob er weiterhin nahe der beschädigten Reaktoren arbeiten solle. Letztlich sei er für die gesamte vorgesehene Dauer von 30 Tagen am AKW geblieben.

Kyodo berichtet von einem ebenfalls über 60 Jahre alten Arbeiter, der versehentlich zwei Wochen lang in Fukushima im Einsatz war. Der Mann aus Osaka sei als Lastwagenfahrer angefordert worden, dann aber in Schutzkleidung auf dem AKW-Gelände gelandet. Er habe zwar mit 24.000 Yen (rund 206 Euro) das Doppelte des ursprünglich versprochenen Tagessatzes verdient. Dafür musste er aber in Schutzkleidung bei der Kühlung der Reaktor-Blöcke 5 und 6 helfen - und das zunächst ohne Strahlenmessgerät: "Ich habe erst an meinem vierten Arbeitstag dort ein Dosimeter bekommen", wird der Mann zitiert.

Die beiden Fällen klingen ähnlich, doch laut einem Bericht der Zeitung "Mainichi" hat der Auftraggeber, ein Bauunternehmen in der Präfektur Gifu, inzwischen bestätigt, dass zwei Personen aus Osaka fälschlicherweise nach Fukushima vermittelt worden seien. Das Arbeitsministerium der Präfektur Osaka prüfe, ob das Bauunternehmen möglicherweise gegen das Arbeitsschutzgesetz verstoßen hat. Die Firma sagte, es habe sich um eine Verwechslung gehandelt, die auf logistische Schwierigkeiten nach der Katastrophe vom 11. März zurückzuführen seien.

Arbeiter trotzen extremen Strahlenwerten

Trotz einer Strahlung von stellenweise bis zu 700 Millisievert pro Stunde drangen Einsatzkräfte in Fukushima am Montag erneut in Reaktor 1 des havarierten AKW vor. Dabei betrug laut der japanischen Atomaufsicht selbst die niedrigste Radioaktivität noch zehn Millisievert pro Stunde. In Deutschland liegt der Grenzwert für AKW-Mitarbeiter bei 20 Millisievert - pro Jahr.

"Ein Gebiet mit zwei- oder sogar dreistelligen Strahlenwerten ist ein schwieriges Arbeitsumfeld", zitierte Kyodo Hidehiko Nishiyama, den Sprecher der japanischen Atomaufsicht. "Deshalb müssen wir mit einer gewissen Abschirmung arbeiten." Wie genau diese Abschirmung aussieht, sagte Nishiyama allerdings nicht. Laut Betreiber sollen möglicherweise Bleivorrichtungen und Metalltunnel eingesetzt werden, um die Arbeiter vor der radioaktiven Strahlung zu schützen.

Die Expedition in Reaktor 1 soll intensivere Arbeiten vorbereiten, um ein neues Kühlsystem aufzubauen. Die Wiederherstellung der Kühlung ist von entscheidender Bedeutung, um das havarierte Kraftwerk wieder zu stabilisieren. Von den Hunderten Arbeitern, die seit dem Erdbeben und dem Tsunami am 11. März in der Atomruine zum Einsatz kamen, seien bisher 30 einer Strahlendosis von mehr als 100 Millisievert ausgesetzt gewesen, berichtete Kyodo.

Schlechte Nachrichten für Japans Atomindustrie kamen auch aus anderen Kraftwerken. Aus Sicherheitsgründen werde das AKW Hamaoka vorübergehend abgeschaltet, teilte Chubu Electric Power mit. Der drittgrößte japanische Energiekonzern erfüllte damit eine Forderung von Premier Naoto Kan. Zudem wurde bekannt, dass im AKW Tsuruga im Westen Japans eine kleine Menge Radioaktivität freigesetzt wurde. Das Leck sei inzwischen geschlossen worden, teilte die Betreiberfirma Japan Atomic Power am Montag mit. Den Angaben zufolge gab es keine Auswirkungen auf die Umwelt. Die Ursache des Lecks ist bisher nicht bekannt.

hut/dpa/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gambio 09.05.2011
1. Praxis
Zitat von sysopSie bewarben sich als Lastwagenfahrer - und landeten mitten im havarierten Kraftwerk: Zwei über 60 Jahre alte Tagelöhner schufteten unfreiwillig wochenlang im AKW Fukushima. Eine Verwechslung soll zu dem peinlichen Vorfall geführt haben. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,761427,00.html
Eine seit Jahrzehnten bei Tepco bewährte Praxis. Sogar Minderjährige wurden schon eingesetzt. Aber die Meldung ist Asbach. Wenn man natürlich gefakte bin Laden Storys en masse veröfentlicht bekomm man sowas nicht mit.
gerda 2 09.05.2011
2. ältere
Zitat von sysopSie bewarben sich als Lastwagenfahrer - und landeten mitten im havarierten Kraftwerk: Zwei über 60 Jahre alte Tagelöhner schufteten unfreiwillig wochenlang im AKW Fukushima. Eine Verwechslung soll zu dem peinlichen Vorfall geführt haben. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,761427,00.html
Ich weiss, dass ich jetzt etwas Unpopuläres sage. Aber irgendwer muss ja den Job machen, und da ist es besser, ältere Semester übernehmen das. Im übrigen ist die Gesundheitsbelastung, die von radioaktiver Strahlung ausgeht, noch gar nicht bis ins letzte untersucht. Ich habe gehört, dass ältere Menschen kaum gefährdet sind.
Lobbykratie 09.05.2011
3. Ja ja...eine Verwechslung
Zitat von sysopSie bewarben sich als Lastwagenfahrer - und landeten mitten im havarierten Kraftwerk: Zwei über 60 Jahre alte Tagelöhner schufteten unfreiwillig wochenlang im AKW Fukushima. Eine Verwechslung soll zu dem peinlichen Vorfall geführt haben. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,761427,00.html
Wer's glaubt wird selig. Genau so wie beschrieben hatte ich mir die Arbeiten in Fukushima vorgestellt. Ich möchte gar nicht wissen wieviel noch verheimlicht wird. Ich erinnere mich noch gut an den tränenreichen Rücktritt von Herrn Toshiso Kosako vor wenigen Tagen. Das sagt mehr als tausend (gelogene) Worte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,759906,00.html
Backwater 09.05.2011
4. ...
Unfreiwillig und aus Versehen sind zwei verschiedene dinge. Schließlich hätten die Herren auch "äh... sorry, ne das mach ich nicht" sagen und gehen können. Selbst wenn es Konsequenzen gegeben hätte, dann doch sicher nicht so große als dass man lieber sein Leben aufs Spiel setzt. Fazit, die Zeitungen blasen auf, die Männer habens wohl nicht so ernst genommen.
jocurt, 09.05.2011
5. Lesen bildet auch zu facebook Zeiten
Zitat von gerda 2Ich weiss, dass ich jetzt etwas Unpopuläres sage. Aber irgendwer muss ja den Job machen, und da ist es besser, ältere Semester übernehmen das. Im übrigen ist die Gesundheitsbelastung, die von radioaktiver Strahlung ausgeht, noch gar nicht bis ins letzte untersucht. Ich habe gehört, dass ältere Menschen kaum gefährdet sind.
Ich empfehle Ihnen Günther Walraff " Ganz Unten" Eine Szene zum Thema deutsch AKW ist ziemlich zum Schluß auch dabei. Zwar durch Walraff gestellt, aber sein AKW Partner wusste das nicht. Übrigens es ist besser Jüngere übernehmen das, spart man sich Pille und Kondom. Genauso fiesblöd, wie ihr Text.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.