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Japans Atomkatastrophe: Notlager verweigern Strahlenopfern den Zutritt

Die Furcht vor radioaktiver Verstrahlung führt in Japan zu extremen Vorsichtsmaßnahmen: Notunterkünfte nehmen nur Menschen auf, die sich einer Strahlenuntersuchung unterzogen haben. Die Rettungsarbeiten am havarierten AKW Fukushima stagnieren.

Atomkatastrophe: In Japan wächst die Strahlenangst Fotos
DPA

Fukushima - Sie mussten ihre Häuser verlassen, wissen nicht, ob sie jemals zurückkehren können. Nun werden die Menschen, die im Umkreis von 20 Kilometern um das Unglückskraftwerk Fukushima lebten, auch noch stigmatisiert. Aus Furcht vor möglicher radioaktiver Verseuchung verlangen einige Notunterkünfte von Flüchtlingen den Nachweis, dass sie nicht verstrahlt wurden.

Ärzte haben laut japanischen Medien begonnen, Zertifikate für Menschen auszustellen, die auf Strahlen untersucht und für problemfrei befunden wurden. In einem Notlager, das Flüchtlinge aus der 20-Kilometer-Zone um das havarierte Kraftwerk in Fukushima aufnimmt, soll am Eingang ein Schild stehen mit der Aufschrift: "Diejenigen, die sich nicht Strahlenprüfungen unterzogen haben, dürfen nicht rein."

"Wir haben eine steigende Zahl von Fällen festgestellt, wo Bewohner aus den von der Regierung angeordneten Evakuierungsgebieten der Zutritt verwehrt wurde", sagte Hiroyuki Hayashi, ein mit Strahlenuntersuchungen beauftragter Arzt, der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo.

Auch in den Nachbarregionen fühlen sich Menschen wegen der Berichte über verstrahltes Gemüse stigmatisiert - obgleich viele ihrer Erzeugnisse überhaupt nicht belastet seien. Dies berichtete die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgiewa, nach einem Besuch in einem Notlager. Zahlreichen Menschen wüssten nicht, wie die Situation in ihrer eigenen unmittelbaren Umgebung derzeit aussehe. Das sorge für Verunsicherung. "Die lokale Bevölkerung ist sehr besorgt über die radioaktive Belastung", sagte Georgiewa. Vor allem Mütter seien verängstigt. Viele fragen: "Kann mein Kind noch draußen spielen?"

In die Angst vor radioaktiver Strahlung mischt sich zunehmend Wut über mangelnde Information. Bürgermeister von Gemeinden beklagen, dass die Behörden und Japans Medien nach dem Bekanntwerden erhöhter Radioaktivität keine weiteren Informationen bereitstellen und die Menschen über die tatsächliche Gefahrenlage im Unklaren lassen. Als Folge werden die Beteuerungen der Behörden, die Strahlen stellten keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung dar, zunehmend angezweifelt.

Radioaktivität im Meer erhöht, Lage im Meiler unverändert

Die radioaktive Belastung des Pazifiks an dem beschädigten Kraftwerk Fukushima erreichte am Samstag einen Höchstwert. Der Gehalt des strahlenden Isotops Jod 131 im Meerwasser nahe der Anlage übertraf den zulässigen Grenzwert am Samstag um das 1250fache. Das teilte die japanische Reaktorsicherheitsbehörde NISA mit. Der AKW-Betreiber Tepco räumte ein, dass höchstwahrscheinlich radioaktives Wasser aus dem Atomwrack ins Meer geflossen sei.

Auf den Samstag fiel ein unrühmliches Jubiläum: Das havarierte AKW Fukushima Daiichi ist vor 40 Jahren in Betrieb genommen worden. "Es ist außerordentlich enttäuschend, den Jahrestag unter diesen Umständen zu begehen", sagte Tepco-Vizechef Sakae Muto. Zugleich entschuldigte er sich erneut bei der Bevölkerung für die Atomkatastrophe. Der Reaktor 1 in Fukushima ist der drittälteste Reaktor Japans.

Die Lage in den Meilern hat sich nach Aussagen eines Regierungssprechers nicht weiter verschlechtert. Es sei aber nicht möglich, genau zu sagen, wann die Atomkrise vorbei sei, sagte Kabinettssekretär Yukio Edano.

Am Samstag wurde ein minimaler Fortschritt vermeldet: Im Kontrollraum von Reaktor 2 brannte wieder Licht. Damit gibt es nun nur noch im Kontrollraum von Block 4 noch kein Licht.

Die Helfer am AKW arbeiten derzeit an zwei Fronten. Einerseits versuchen sie, das radioaktiv verseuchte Wasser aus den Reaktorgebäuden wegzuschaffen. In vier der sechs Blöcke war radioaktives Wasser mit extrem erhöhter Strahlung ausgetreten, das offenbar aus dem Reaktorkern oder aus dem Abklingbecken für die abgebrannten Brennelemente stammt. Es stand teils mehr als einen Meter hoch. Nach dem Abpumpen sollen die Arbeiten zur Verkabelung der Kühlsysteme fortsetzt werden.

Zweiter Schwerpunkt bleibt die Kühlung der Reaktorblöcke 1 bis 3 mit Wasser von außen. Dies soll die drohende Überhitzung stoppen. Wegen der hohen Strahlenbelastung geschah dies nach einem Bericht des Fernsehsenders NHK am Samstag aus größerer Entfernung als bisher.

Zur Kühlung wird inzwischen statt Salz- vermehrt Süßwasser eingesetzt. Experten befürchten, dass verdampfendes Meerwasser Salzkrusten zurücklässt, die sich etwa zwischen den heißen Brennstäben festsetzen. Dies würde den Fluss des kühlenden Wassers behindern.

Wasser aus Block 1 enthält große Mengen Cäsium 137

Die Reaktorsicherheitsbehörde veröffentlichte am Samstag eine Analyse des verstrahlen Wassers aus Block 1. Insgesamt wurden acht radioaktive Substanzen festgestellt, darunter große Mengen Cäsium 137. Dies kann nach der Aufnahme in den Körper anstelle des chemisch ähnlichen Elements Kalzium in die Knochen eingebaut werden. Damit würde die Strahlenquelle die Betroffenen über lange Zeit gefährden, denn erst nach etwa 30 Jahren ist die Hälfte der radioaktiven Atome zerfallen. Jod 131 hingegen hat eine Halbwertszeit von nur acht Tagen.

Internationale Reedereien vermeiden inzwischen aus Angst vor Strahlenbelastungen, die Häfen von Tokio und Yokohama anzulaufen. Wie die "New York Times" am Samstag berichtete, hätten mehrere große Reedereien den Frachtverkehr gestoppt oder eingeschränkt. Dagegen würden die von Fukushima weiter entfernten Häfen wie Osaka und Kobe weiterhin angelaufen.

Für die Millionen-Metropole Tokio weht der Wind auch in den nächsten Tagen günstig. Radioaktive Partikel aus den Unglücksreaktoren werden aufs Meer getragen, sagte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach voraus. Nur der Küstenstreifen nördlich des Kraftwerks werde vermutlich am Dienstag geringe Mengen radioaktiven Materials abbekommen.

"So kalt, dass wir nichts machen können"

Die Lage der Erdbebenopfer in der Krisenregion im Nordosten von Japans Hauptinsel Honshu ist weiterhin dramatisch. Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt behinderten am Samstag die Aufräumarbeiten. "Es ist so kalt, dass wir nichts machen können", sagte ein Überlebender, der mit seiner Frau in sein beschädigtes Haus zurückgekehrt war, dem Fernsehsender NHK.

Langsam läuft die Bereitstellung von Behelfsunterkünften an. Das sind einfache Häuser aus Holz, die individuell genutzt werden können. Die mit am schwersten getroffene Stadt Rikuzentakata in der Provinz Iwate nahm am Samstag als erste Gemeinde Anträge für solche Häuser entgegen.

Bei dem Erdbeben der Stärke 9,0 und dem dadurch ausgelösten Tsunami am 11. März kamen nach offiziellen Angaben mindestens 10.100 Menschen ums Leben. Mehr als 17.000 gelten immer noch als vermisst.

Der Tsunami hatte eine Fläche von rund 470 Quadratkilometern entlang der Küste überflutet, berichtete die japanische Geodaten-Firma Pasco, die dafür Satellitendaten ausgewertet hatte.

Japanische Autohersteller überlegen Branchenkreisen zufolge, ihre Produktion abwechselnd herunterzufahren, um Strom zu sparen. Damit wollen die Konzerne verhindern, dass ihre Stromversorgung wegen Engpässen nach dem Ausfall des AKW Fukushima rationiert wird, wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Branchenkreise berichtete. Die Produktion in der japanischen Autobranche ist derzeit durch die Folgen des schweren Erdbebens ohnehin bereits deutlich eingeschränkt

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1. .
anon11 26.03.2011
Zitat von sysopDie Furcht vor radioaktiver Verstrahlung führt in Japan zu extremen Vorsichtsmaßnahmen:*Notunterkünfte*nehmen nur Menschen auf, die sich einer Strahlenuntersuchung unterzogen haben. Die Rettungsarbeiten am havarierten AKW Fukushima, das vor genau 40 Jahren in Betrieb genommen wurde, stagnieren. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,753380,00.html
Mhh, das dürfte interessant werden, wenn es wirklich noch dazu kommt das Tokio strahlenbelastet wird. Wo sollen die Menschen dann hin, wenn überall keine Menschen aufgenommen werden die nicht "strahlenfrei" sind.
2. Mitgefühl
sophica 26.03.2011
Ich empfinde tiefes Mitgefühl mit diesen Menschen. Und es sollte damit jedem klar sein, dass eine solche Technik grenzenlose Gefahren und Kosten mit sich bringt und wir überall auf der Welt solche Technolgien abbauen sollten - die Gefahren bleiben dennoch wegen des ganzen radioaktiven Mülls, den es jetzt schon gibt.
3. Ein empirischer Beweis, das diese Technik gegen die Menschenwürde verstößt !
timoist 26.03.2011
Zitat von sysopDie Furcht vor radioaktiver Verstrahlung führt in Japan zu extremen Vorsichtsmaßnahmen:*Notunterkünfte*nehmen nur Menschen auf, die sich einer Strahlenuntersuchung unterzogen haben. Die Rettungsarbeiten am havarierten AKW Fukushima, das vor genau 40 Jahren in Betrieb genommen wurde, stagnieren. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,753380,00.html
Kann es einen besseren Beweis dafür geben, daß diese Technologie kriminell und gegen die Würde des Menschen verstößt, indem sie Leben de-fakto zu Sondermüll degradiert, die Menschen nicht nur krank macht, sondern verstrahlte Menschen aus allen Gemeinschaften ausschließt und Jahrtausende währendes Gefahrenpotential anhäuft und Generation in Geiselhaft nimmt, sich mit diesem Gift auseinandersetzen zu müssen. Diese Energieform gehört weltweit geächtet!
4. selber messen
MünchenerKommentar 26.03.2011
Vielleicht sollten sich die Japaner in den betroffenen Gebieten nicht auf den Staat verlassen, sondern selber messen. In jeder weiterführenden Schule gibt es in der mindestens einen Geigerzähler für den Physikunterricht, den man durchaus für die Messung von Spinat oder Wasser benutzen kann. haben wir damals bei Tschernobyl genauso gemacht, und unsere eigenen Messungen durchgeführt.
5. Dummes, reisserisches Geschwätz
Gani, 26.03.2011
Es geht hier alleine um verstrahlte Kleidung sowie oberflächliche Kontamination durch welche andere akut gefährdet werden würden - ein verstrahlter Mensch der sich noch nicht sprichwörtlich auflöst kann andere nicht verstrahlen, nur der Krempel der er bei sich trägt und was an Schmutz auf seiner Haut ist. Und dem begegnet man mit einem Geigerzähler, Wasser und Seife sowie frischer Kleidung. Insofern eine völlig richtige Massnahme, die mal wieder von ahnungslosen der schreibenden Zunft falsch verstanden wurde.
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Heft 13/2011:
Die Heilkraft des Fastens
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Die wichtigsten Fragen zur Strahlengefahr
Was richtet Strahlung im menschlichen Körper an?
Corbis
Die Schwere der Schäden hängt davon ab, welches Gewebe wie stark von der Strahlung betroffen ist. Erste Symptome einer Strahlenkrankheit sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Sie treten wenige Stunden nach Einwirken der Strahlung auf den Körper auf. Klingen die Symptome ab, stellt sich nach einigen Tagen Appetitlosigkeit, Übermüdung und Unwohlsein ein, die einige Wochen andauern.
Wie qualvoll eine akute Strahlenkrankheit bei hoher Dosis enden kann, zeigen die Opfer der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki und der Tschernobyl-Katastrophe. Haarausfall, unkontrollierte Blutungen, ein zerstörtes Knochenmark, Koma, Kreislaufversagen und andere dramatische Auswirkungen können den Tod bringen.
Wie verläuft eine leichte Strahlenkrankheit?
Menschen mit einer leichten Strahlenkrankheit erholen sich zwar in der Regel wieder. Doch oft bleibt das Immunsystem ein Leben lang geschwächt, die Betroffenen haben häufiger mit Infektionserkrankungen und einem erhöhten Krebsrisiko zu kämpfen.
Wie kann man sich schützen?
DPA
Im Gebiet, in dem ein nuklearer Niederschlag zu befürchten ist, kann es helfen, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Gegen radioaktives Jod schützt die vorsorgliche Einnahme von Kaliumjodidtabletten. Allerdings schützt diese nur vor Schilddrüsenkrebs. Das eingenommene Jod lagert sich in den Drüsen links und rechts des Kehlkopfes an und verhindert so die Aufnahme von radioaktivem Jod. Wichtig: Jodtabletten nicht ohne behördliche Aufforderung einnehmen.
Radioaktives Jod baut sich in der Umwelt allerdings schnell ab. Gefährlicher ist radioaktives Cäsium, es hat eine längere Lebensdauer und wirkt bei Aufnahme durch die Luft oder über Nahrungsmittel im ganzen Körper. Dagegen helfen keine Pillen. Bricht ein Reaktor, wie in Tschernobyl geschehen, auseinander, gelangen großen Mengen Cäsium in die Atmosphäre und verstrahlen die Gegend, in der die Partikelwolke niedergeht, auf viele Jahre.
Was bedeutet die Maßeinheit Millisievert?
DPA/ Kyodo/ Maxppp
Sievert (Sv) ist eine Maßeinheit für radioaktive Strahlung. Ein Sievert entspricht 1000 Millisievert. Die Einheit gibt die sogenannte Äquivalentdosis an und ist somit ein Maß für die Stärke und für die biologische Wirksamkeit von Strahlung.
7000 Millisievert, also sieben Sievert, die direkt und kurzfristig auf den Körper treffen, bedeuten den sicheren Tod (siehe Grafik). Zum Vergleich: Am Montagmorgen maßen die Techniker am Kraftwerk Fukushima I eine Intensität von 400 Millisievert pro Stunde. In Tschernobyl tötete die Strahlung von 6000 Millisievert 47 Menschen, die unmittelbar am geborstenen Reaktor arbeiteten.
Wie hoch ist die Belastung im Alltag?
DPA/ NASA
Menschen sind tagtäglich der natürlichen radioaktiven Strahlung im Boden oder der Atmosphäre ausgesetzt. In Deutschland beträgt sie laut Bundesamt für Strahlenschutz 2,1 Millisievert pro Jahr (siehe Grafik). Der menschliche Organismus hat Abwehrmechanismen gegen die natürliche Strahleneinwirkung entwickelt, um sich vor diesen Belastungen zu schützen.


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