Japans Kaiser besucht Katastrophenopfer  "Bitte bleiben Sie alle gesund"

Das japanische Kaiserpaar versucht, der Bevölkerung Mut zu machen: Es besucht ein Flüchtlingslager in Tokio, plant eine Reise ins Katastrophengebiet. Bislang gilt dies wegen der Situation im AKW Fukushima als zu gefährlich.

AFP

Tokio - "Kaiserpaar besucht städtische Notunterkunft in Tokio" titelte am Donnerstag die "Mainichi Shimbun", eine der größten überregionalen Tageszeitungen Japans - und berichtete ausführlich von dem hohen Besuch. Der japanische Kaiser Akihito hatte am Vortag in Begleitung seiner Frau Michiko mit Betroffenen der verheerenden Erdbeben- und Tsunamikatastrophe gesprochen - und ihnen sein Mitgefühl ausgedrückt.

"Aus dem kaiserlichen Hofamt hieß es, das Kaiserpaar wünsche sich, so schnell wie möglich ins Krisengebiet zu reisen, um die Menschen dort zu unterstützen und die Betroffenen aufzubauen", meldete die Tageszeitung. Doch angesichts der andauernden Suche nach Vermissten und der Arbeiten im AKW Fukushima I (Daiichi) halte es sich mit einer Reise in die Region noch zurück.

Eine erste Annäherung an die Katastrophe fand daher in Tokio statt. Das Kaiserpaar besuchte in der japanischen Hauptstadt eine Notunterkunft, in der überwiegend Flüchtlinge aus der Präfektur Fukushima untergekommen sind. Kaiser Akihito erschien in einer dunkelgrünen Arbeitsjacke, Kaiserin Michiko in einem dunkelblauen Cardigan. Sie knieten sich zu einzelnen Betroffenen auf den Boden und sprachen mit ihnen.

"Geht es all ihren Verwandten gut?", fragte der Kaiser den aus Minamisoma in der Evakuierungszone um Fukushima stammenden Tadao Sugi. "Wir haben unser Haus mit der gesamten Familie am Abend des 11. März verlassen", antwortete der 80-jährige Flüchtling. "Dies hier ist schon unsere fünfte Notunterkunft. Meiner Familie geht es gut, doch es sind so viele Menschen gestorben." Als ihm die Stimme stockte, versuchte der Monarch, dem Mann Mut zuzusprechen: "Der Tsunami hat einen großen Schaden angerichtet. Bitte bleiben Sie alle gesund."

"Es hat uns Kraft gegeben, wie sich der Kaiser zu uns kniete"

Die Flüchtlinge zeigten sich dankbar und berührt. "Während wir voller Sorge sind, wann wir in unsere Häuser zurückkehren können, hat es uns Kraft gegeben, wie der Kaiser sich zu uns heruntergekniet und mit uns gesprochen hat", sagte Tadao Sugi der Zeitung "Nikkei-Shimbun". Das Kaiserpaar habe ihm und seiner Frau großen Mut gespendet.

"Ich konnte mich mit den beiden nicht so angeregt unterhalten, weil ich nervös war, hatte aber das Gefühl, dass sie tatsächlich besorgt um uns waren", erklärte Kenji Uktio aus der Region um den Unglücksreaktor Fukushima-Daiichi. "Ich war dafür sehr dankbar."

Fast eine Stunde Zeit nahm sich der 77-jährige Tenno, um mit den Menschen zu sprechen. "Das ist eine durchaus übliche Geste des Kaisers und schon bei anderen Erdbeben vorgekommen", sagt die Hamburger Japanologin Gabriele Vogt. "Der Monarch signalisiert damit, dass er sich des Leids der Menschen bewusst ist und es teilt." Laut der Tageszeitung "Nikkei" spart das Kaiserpaar auch freiwillig Strom.

Als erster ausländischer Staatschef seit der Erdbebenkatastrophe traf am Donnerstag der französische Präsident Nicolas Sarkozy in Japan ein. Am Samstag will Bundesaußenminister Guido Westerwelle im Anschluss an eine China-Reise nach Tokio fliegen. Er wolle Deutschlands Solidarität mit dem schwer getroffenen japanischen Volk zum Ausdruck bringen, hieß es.

Ministerpräsident Kan will Fukushima I komplett stilllegen lassen

Japans Ministerpräsident Naoto Kan will das schwer beschädigte Atomkraftwerk Fukushima I (Daiichi) vollständig stilllegen lassen. Kan sagte bei einem Treffen mit dem Vorsitzenden der kommunistischen Partei Japans, Kazuo Shii, die gesamte Anlage werde stillgelegt, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Donnerstag meldete. Demnach versprach Kan auch, den geplanten Bau von mindestens 14 neuen Reaktoren bis 2030 zu überprüfen. Der Vorsitzende der Betreiberfirma Tepco hatte am Mittwoch angedeutet, dass die Reaktoren 5 und 6, deren Lage als stabil gilt, später weiter betrieben werden könnten.

Die japanische Regierung gerät wegen ihrer Weigerung, die 20-Kilometer-Evakuierungszone auszuweiten zunehmend unter Druck. Selbst die japanische Atomaufsicht fordert dies inzwischen. Regierungssprecher Yukio Edano sagte jedoch, dazu bestehe im Moment keine Notwendigkeit. Die Lage werde von Tag zu Tag neu bewertet.

Die Radioaktivität in dem Meerwasser vor dem AKW erhöhte sich am Donnerstag auf einen Rekordwert: Die japanische Atombehörde meldete, die Konzentration von radioaktiven Jodpartikeln liege 4385fach über dem Grenzwert.

Tepco erwägt verschiedene Notmaßnahmen, um die Atomruine unter Kontrolle zu bringen. Als eine Möglichkeit zur Eindämmung der Radioaktivität wurde das Besprühen verstrahlter Trümmer mit Kunstharz genannt. Auch wird überlegt, die Reaktoren mit Spezialgewebe abzudecken oder radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem Kraftwerk in ein Tankschiff auf dem Meer zu pumpen.

Ein Nachbeben der Stärke 6,0 erschütterte den Nordosten des Landes, wie der Fernsehsender NHK berichtete. Eine Tsunami-Warnung gaben die Behörden nicht aus. Auch lagen keine Berichte über mögliche weitere Schäden oder Verletzte in Folge des Nachbebens vor. Der Erdbebenherd lag unter dem Meeresboden vor der Katastrophenprovinz Miyagi. Auch in der etwa 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio gerieten Hochhäuser ins Schwanken.

siu/rkv/dpa/dapd/Reuters

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Seite 1
ugt 31.03.2011
1. Tradition
Zitat von sysopDas japanische Kaiserpaar versucht, der Bevölkerung Mut zu machen: Es besucht ein Flüchtlingslager in Tokio, plant eine Reise ins Katastrophengebiet. Bislang gilt dies wegen der Situation im AKW Fukushima als zu gefährlich. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,754249,00.html
Ich hoffe, dass der Kaiser seinem Volk die Hoffnung gibt die es braucht. Aber auch, dass die japanische Regierung dingenst benötigte Hilfe von seinen Freunden annimmt. Und das die Merkelatur nicht wieder einen Haken schlägt wenn Japan Deutschland um Hilfe bittet. Das ist ja eine typisch merkelsche Strategie, Klappe aufreisen und wegsehen. Verantwortung und Schuld einem anderen zu schieben.
sionnach65 31.03.2011
2. Danke..
Danke Tenno! Dass Sie den Menschen ein wenig Licht gebracht haben. Danke, dass Sie den Satz "Der König und das Land sind eins. Das Land und der König sind eins" verstanden haben. Danke, dass mir und dem Rest der Welt damit auch einen Funken Hoffnung für die doch nicht verlorene Menschlichkeit gebracht haben.
ermanos 31.03.2011
3. Danke!
Gott schütze den Kaiser. Er ist das Licht wo vorher nur Dunkelheit war. Hier haben wir ja leider niemanden vergleichbares mehr, insbesondere seit der Freiherr zu Guttenberg weggemobbt wurde. Armes Deutschland!
Der Duderich 31.03.2011
4. Lichtgestalten
Zitat von ermanosGott schütze den Kaiser. Er ist das Licht wo vorher nur Dunkelheit war. Hier haben wir ja leider niemanden vergleichbares mehr, insbesondere seit der Freiherr zu Guttenberg weggemobbt wurde. Armes Deutschland!
Lesen Sie die GALA, Neue Post, oder ähnliches. Dort finden sie noch viele Adelige die Sie anhimmeln können. Guttenberg wurde übrigens nicht weggemobbt, sondern musste die Konsequenzen seiner Verfehlungen übernehmen. Jaja, auch von und zu's müssen das, so ungerecht dies in ihren Augen auch sein mag.
bicyclerepairmen 31.03.2011
5. ,,
Zitat von ermanosGott schütze den Kaiser. Er ist das Licht wo vorher nur Dunkelheit war. Hier haben wir ja leider niemanden vergleichbares mehr, insbesondere seit der Freiherr zu Guttenberg weggemobbt wurde. Armes Deutschland!
Doch ! http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,grossbild-51817-82035,00.html
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